Horst IV.

Im Journalismus wird einer Story mit null Nachrichtenwert der Titel »Hund beißt Mann« verliehen. Früher, als noch Zucht & - Ordnung herrschte, wäre auch die Überschrift »Seehofer bleibt seiner Frau treu« der Entf-Taste zum Opfer gefallen. Denn dass einer der Gattin die Stange hält, hatte weiland den Neuigkeitswert jener hündischen Tätigkeit, die der Natur von Canis canis entspricht, zumal wenn er auf Briefträger trifft.

Und nun war einem Nachrichtensender »Seehofer bleibt treu« eine Schlagzeile wert. Das zeigt, wie verkommen & - verlottert unsere Gesellschaft geworden ist. Nicht der Ehebruch eines Politikers ist News, sondern der Verbleib in der legalisierten Zweisamkeit. Dafür sollten wir den Landwirtschaftsminister loben, statt ihn, der den Vorsitz der CSU anstrebt, des Opportunismus zu zeihen.

Nur: Warum hat Horst Seehofer sechs Monate gebraucht, um sich zwischen Gattin und Geliebter zu entscheiden? Wollte er zuwarten, wie der Wind sich in der Partei dreht? War das der Kniefall vor den Frommen und Frömmlern? Wog für den Machtmenschen der CSU-Vorsitz schwerer als die Nebenfrau analog zu Heinrich IV., dem Paris bekanntlich eine Messe wert war? Falsch und dreimal falsch. Seehofer hat sich sechs Monate lang geprüft und gequält, um sich dann für den heiligen Bund der Ehe zu entscheiden. Das ist vorbildlich in Zeiten, wo jede zweite Ehe geschieden wird. Für die gottesfürchtige CSU ist der geläuterte Seehofer eine Zierde. Außerdem hat sein Rivale Huber längst nicht den Nachrichtenwert eines Mannes, der die Treue zur Sensation gemacht hat.

 
  • Quelle DIE ZEIT Nr.29 vom 12.07.2007, S.2
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