Staatsfonds Mit der Macht von zwölf Billionen Dollar

Schwerreiche Staatsfonds aus Industrie- und Schwellenländern mischen die Kapitalmärkte auf. Viele ihrer Geschäfte bleiben im Dunkeln

Singapur hat ihn schon lange. Südkorea baut ihn gerade auf. China und Russland wollen ihn, und auch Japan könnte ihn bald einrichten: einen Staatsfonds, der die Reichtümer des Landes gewinnbringend anlegt. Insbesondere Chinas Beschluss, aus seinen Devisenreserven knapp 200 Milliarden Dollar in eine neue Investitionsgesellschaft zu stecken, hat Politiker und Bankiers weltweit elektrisiert. Dass das kommunistische Land gleichzeitig für drei Milliarden Dollar beim erzkapitalistischen US-Finanzinvestor Blackstone einstieg, lässt ahnen, dass Staatsfonds zu einer wichtigen neuen Kraft an den Kapitalmärkten heranwachsen. Sie überschreiten alle Grenzen, sind auf hohe Renditen aus – und werden immer größer.

Auf 2.500 Milliarden Dollar schätzt die Investmentbank Morgan Stanley das von ein paar Dutzend staatlichen Geldsammelstellen insgesamt verwaltete Vermögen. Das ist mehr als alle Hedgefonds dieser Welt zusammen aufbringen. Stephen Jen von Morgan Stanley rechnet damit, dass das Volumen der Staatsfonds – deren Kapital meist aus den Öl-, Gas- und Rohstoffverkäufen ihrer Länder stammt – bis zum Jahr 2015 auf 12.000 Milliarden Dollar wachsen könnte. »Die Fonds könnten, allein schon wegen ihrer schieren Größe, Quellen finanzieller Instabilität werden«, so Jen. Brisant ist für ihn aber nicht nur die schiere Größe: »Hochtechnologieunternehmen und sogar ausländische Banken könnten zu den Primärzielen dieser Fonds zählen.«

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Entsprechend konzentriert sich die politische Debatte derzeit auf Staatsfonds, deren Heimatländer im globalen Wettbewerb als ambitioniert und zugleich wenig zimperlich gelten. Dies gilt für China, vor allem aber auch für Russland, das seinen derzeit 122 Milliarden Dollar schweren Stabilisationsfonds Anfang nächsten Jahres aufspalten will. Danach soll ein eher konservativ anlegender Reservefonds zur Absicherung des Staatshaushalts dienen, alle über ihn hinausgehenden Zoll- und Steuereinnahmen aus dem Ölgeschäft aber in einen risikofreudigeren »Fonds für zukünftige Generationen« fließen. Sein Volumen wird anfangs bei etwa 24 Milliarden Dollar und Experten zufolge schon bald deutlich höher liegen. Gleiches gilt für die Korea Investment Corporation (KIC), den 2005 gegründeten Staatsfonds Südkoreas, der sich vornehmlich aus den Devisenreserven der Zentralbank speist und derzeit noch 20 Milliarden Dollar umfasst. Sein Volumen wird voraussichtlich binnen weniger Jahre auf mehr als das Doppelte anwachsen. »Die Beziehung mit Empfängerländern könnten komplizierter werden, wenn Staatsfonds besonderes Interesse an den hoch strategischen Industrien anderer Länder zeigen«, ahnt KIC-Präsident Serck-Joo Hong schon heute.

Vorbild für viele der Neugründungen ist Temasek, jene Holding, die der Stadstaat Singapur vor 33 Jahren gründete und die nach den letzten verfügbaren Zahlen 80 Milliarden Dollar verwaltet. Temasek besitzt, was jungen Staatsfonds aus Ländern wie Kasachstan oder Aserbaidschan noch fehlt: Kapitalmarkterfahrung. Zu ihren Beteiligungen zählen die Fluglinie Singapore Airlines, die Bank of China oder auch der Hafenbetreiber PSA, der – etwa in Rotterdam – weltweit diese Knotenpunkte der Globalisierung kontrolliert. Geleitet von Ho Ching, der Ehefrau von Premierminister Lee Hsien Loong, versteht sich die Holding als »proaktiver Aktionär«. Darin erinnert sie an das Selbstverständnis von Private-Equity-Fonds, jenen Finanzinvestoren, deren Geschäft der Umbau von Unternehmen ist und die in Deutschland als »Heuschrecken« verschrieen sind. Tatsächlich tritt Temasek in Einzelfällen auch als Koinvestor neben Private-Equity-Fonds wie KKR oder Silver Lake auf. David Bonderman, Gründer der Texas Pacific Group und weltweit einer der schillerndsten Finanzinvestoren, zählt zu den Beratern der Holding.

Seit seiner Gründung erwirtschaftete Temasek im Durchschnitt eine Rendite von jährlich 18 Prozent. »In acht bis zehn Jahren« wolle Temasek zu je einem Drittel in Singapur, im übrigen Asien und in den Industrieländern der OECD investiert sein, heißt es im Bericht für das Geschäftsjahr 2006. Hilfreich dürfte dabei sein, dass Temasek relativ offen seine Finanzen und seine Investitionsstrategie kommuniziert. Darin ähnelt die Holding dem Pensionsfonds Norwegens, der 230 Milliarden Euro schwer ist und vielen in Sachen Transparenz als Vorbild gilt.

Ganz anders ADIA aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Dieser ist mit geschätzten 875 Milliarden Dollar der bei weitem größte Staatsfonds weltweit. Er könnte, so fürchten einige Beobachter, in seiner Informationspolitik schon eher das Vorbild der neuen Fonds aus China oder Russland sein: Auf seiner Homepage finden sich Logo, Adresse und Telefonnummer – mehr nicht. Arne Storn

 
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