BERUF DER WOCHE Kinoplakate-Maler

In München ist er der Letzte seiner Art. Rene Birkner malt Kinoplakate in gewaltiger Größe. Vier Münchner Filmtheater sind es noch, die sich den Luxus leisten, ihre Besucher mit Birkners handgefertigten Unikaten zu locken. Er malt für sie ganze Nächte durch. Den neuen Harry Potter, der in dieser Woche anläuft, hat er ausnahmsweise schon am Wochenende malen können. Sonst hätte er es bis Donnerstagmorgen mit Sicherheit nicht geschafft, die 13 mal 3 Meter große Werbefläche für das Filmtheater am Sendlinger Tor zu füllen. Normalerweise erfährt er erst montags, welche Plakate die Lichtspielhäuser für die neue Kinowoche brauchen, dann bleiben ihm drei Tage Zeit, für meist drei bis vier Plakate. » Es gab Tage, da bin ich auf allen vieren die Treppe hochgekrochen, weil ich solche dicken Beine vom Leiter-Hoch-und-Runtersteigen hatte«, erzählt der 51-Jährige.

Eigentlich wollte Rene Birkner mal Kunsterzieher werden, er studierte an der Münchner Kunstakademie und lernte das Plakatmalen bei Ludwig Orny. Kunst nennt er das nicht, was er heute auf die Leinwände bannt.

Nach der sehnt er sich eher. » Für die abstrakte Malerei bleibt neben diesem Job und vier Kindern kaum Zeit«, sagt er. » Es gibt Plakate, auf die hab ich keine Lust.« Die Motive seien oft so schlecht, dass er froh über jedes Kino sei, das sich nicht an die Vorgaben der Verleiher hält und eigene Plakate entwirft. Oft steht Birkner sechzehn Stunden am Tag im Atelier. Das einzige zeitsparende Hilfsmittel ist ein Projektor, mit dem er das gewünschte Motiv auf eine weiß grundierte Leinwand wirft, um dann mit schwarzer Kreide die Umrisse nachzuzeichnen. » Trotzdem muss ich wissen, wie man ein Porträt, einen Akt oder Gewandfalten malt.« Sich seine Leinwandhelden auch mal im Kino anzusehen, das hat er zum letzten Mal vor drei Jahren geschafft.

Auch Harry Potter wird er wieder versäumen.

Ausbildung: Kunsterzieher

EinstiegsGehalt: keine Angabe

arbeitszeit: bis zu 70 Stunden pro Woche

 
  • Quelle DIE ZEIT Nr.29 vom 12.07.2007, S.70
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