Pakistan Die reine falsche LehreSeite 3/3

In dem Viertel namens G 6, rund um die Rote Moschee, wohnen viele Männer, kleine Regierungsangestellte, die denken wie Mohammed Imran. Das G 6 ist vor allem von Beamten bewohnt, die in den siebziger Jahren hierher zogen. Damals wurde die Hauptstadt gerade gebaut, und noch misstrauten viele Pakistaner dieser Stadt. Sie hielten sie für eine Kopfgeburt der Regierenden und nicht für einen Ort, an dem es sich angenehm leben ließe. Es kamen die Beamten der Regierung, fromme Männer, die einem auf religiösem Fundament gebauten Staat dienen wollten. Doch auch sie haben mit ansehen müssen, wie die Distanz zwischen Staat und Religion vor allem nach dem 11. September wuchs.

Wer in einer Moschee predigt, macht sich schnell als Terrorist verdächtig

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Aziz u-Rehman, Freitagsprediger einer kleinen Moschee in G 6, kennt das Problem aus nächster Nähe. In seinem Alltag vermittelt er dauernd zwischen den Geboten Gottes, den Bedürfnissen der Menschen und den Forderungen des Staates. Es ist ein Leben der unmöglichen Kompromisse. »Ich muss die Wahrheit sagen. Aber wenn ich die Wahrheit sage, kommt die Regierung zu mir und fragt: Was redest du denn da?« Da passiert es schon mal, dass er verdächtigt wird, einer terroristischen Vereinigung anzugehören. Er wird dann eine Nacht lang auf der Polizeistation verhört. Die Anschuldigungen haben sich immer als haltlos erwiesen. Aziz u-Rehman hat seine vier Töchter zu den Ghazis geschickt. »Dort sollen sie lernen, was Halal und was Haram ist, was in den Augen Allahs gut ist und was schlecht!« Als die Krise um die Rote Moschee ausbrach, hat er die Töchter nicht mehr in die Schule gelassen. Er ahnte vielleicht, was geschehen würde.

»Am Ende ist es doch ganz einfach!«, sagt der nüchterne Beamte Wakil Ahmad Khan, »auch die Ghazis hätten den Eltern der Schüler auf eine Frage antworten müssen: Wird das, was ihr da lehrt, ihnen helfen, eine Arbeit zu finden, eine Perspektive?« Nun haben die Brüder Ghazi viele, sehr viele Schüler in den Tod geführt.

 
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