Klimawandel Die Piste bleibt grün

Auf der Alb in Baden-Württemberg ist das Zeugnis einer vergangenen Klimaepoche zu besichtigen: Der Salach-Skilift. Jetzt wird er verkauft.

Lichtenstein-Holzelfingen

Alfred Tröster steht neben der selbst gezimmerten Holzbrücke am Liftausstieg, die die Köpfe der Skifahrer vor vorbeischnellenden Schleppbügeln schützen soll. Über den Hang, wo früher im Winter die harten Kanten der Skier in die Piste schnitten, erstreckt sich heute eine Blumenwiese, von der gegenüberliegenden Anhöhe weht der warme Wind das Blöken einer Schafherde herüber. »Das, was heute in den Alpen abgeht, gab’s damals bei uns auf der Alb«, sagt Tröster. »Es war richtig was los. Jeden Samstag hatten wir ein, zwei Beinbrüche.«

Inzwischen zwingt der Klimawandel selbst die Alpenskiorte, die Trösters Geschäft ruinierten, sich nach neuen Einnahmequellen umzuschauen. Der Skilift auf der Alb ist ein einsamer Zeuge einer vergangenen Zeit. Mehr als drei Jahrzehnte lang hat er zu Trösters Leben gehört. »Des war eine Epoche im Leben. Und die isch halt jetzt vorbei.« Schwaben sind für manches bekannt. Sentimentalität gehört nicht dazu.

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Die Gemeinde Lichtenstein balanciert genau auf der steil aufragenden Nordwestkante der Schwäbischen Alb. Der Ortskern liegt auf 507 Metern, 200 Höhenmeter weiter oben, schon auf der Alb, der Ortsteil Holzelfingen. Hier oben begann einmal das schwäbische Skiliftgebiet, ein zweihundert Kilometer langes Mittelgebirge mit bis zu tausend Meter hohen Gipfeln. Inzwischen gilt der Wintersport aber eher als Nebengeschäft, auch wenn der Tourismusverband noch immer sechzig Skilifte listet.

Hier oben sollte auch ein Wintermärchen beginnen, damals, im Fußballweltmeisterjahr 1974. Ein Märchen mit Happy End, wenn es nach den fünfzehn Holzelfinger Freunden gegangen wäre, die es zu schreiben begannen. Eines, in dem dank eines eigenen Skiliftes vor der Haustür der Schneefall in Geldregen übergehen würde. Doch das Märchen endete mit einer kleinformatigen Anzeige im Albboten und im Reutlinger General-Anzeiger. »Wir verkaufen unseren Salach Skilift mit Hütte« steht darin, und eine Handynummer. Es ist die Nummer von Alfred Tröster.

»Nachtrauern hilft nix!«, sagt der 63-Jährige, während er durch das kniehohe Gras unter den Liftmasten streift. Die Ärmel seines karierten Holzfällerhemdes hat er hochgekrempelt, seine kurzen weißgrauen Haare stecken unter einer schwarzen adidas-Schirmmütze. Bis vor drei Jahren hat er als Bankkaufmann gearbeitet. Daneben ist er immer noch Kleinbauer. Skiliftbetreiber war er.

Tausend Skifahrer pro Stunde schafft der Lift. Wenn er läuft

Angefangen hatte alles mit Euphorie und Tatendrang, im Frühjahr 74. »Und Bier«, sagt Tröster, »Bier war sicher auch mit im Spiel.« Skifahren wird in dieser Zeit zum Breitensport. Für Tröster und seine Freunde ist klar, daran wollen sie »au a bissle was verdiene«. Ein eigener Skilift muss her! Samt Après-Ski-Hütte, Pistenraupe und Flutlichtanlage! Die Wahl fällt auf den Salachhang: 780 Meter Gipfelhöhe, mittelmäßig steil, eine dunkelblaue Abfahrt vielleicht. Drei Hektar Buchenwald werden gefällt. Mit Gartenrechen befreien die Skiliftfreunde den Hang von Steinen, schubkarrenweise, traktorweise. Abends, im Scheinwerferlicht, bauen sie eine Hütte mit Sitzplätzen für achtzig Gäste. Fast ohne fremde Hilfe. Sie sind Schreiner, Zimmerleute, Bauarbeiter.

Und sie sind flink. Rechtzeitig zum Wintereinbruch ist der Salach-Skilift einsatzbereit – ein Doppelschlepplift, 390 Meter lang, 80 Meter Höhenunterschied, ausreichend für knapp tausend Skifahrer pro Stunde. In den Anfangsjahren ist er gut ausgelastet. Die Winter sind schneereich, die Skigebiete der Alpen viel weiter entfernt als heute, automobil betrachtet. »Da war so a Liftle gefragt.« Von »unten«, aus Stuttgart, Reutlingen, Tübingen, kommen sie für einen Kurzskiurlaub hoch in das Weiß der Schwäbischen Alb.

Doch dann wird ein Phänomen spürbar, das erst sehr viel später zu seinem Namen kommen wird: Klimawandel. Für Tröster, den Skiliftbetreiber, zeigt es sich in Gestalt schneearmer Winter. Immer seltener läuft sein Lift. Im letzten Winter brachte er es auf ganze vier Betriebstage. »Die Schneetage sind in den letzten dreißig Jahren weniger geworden«, klagt Tröster. An Zahlen kann er das nicht festmachen. »Des isch so a Bauchgefühl.« Aber an der Technischen Hochschule in Karlsruhe wird sein Befund bestätigt: Die Schneegrenze wandert immer weiter nach oben.

Während der Klimawandel Trösters Lift in die Schmuddelwetterzone verschiebt, werden die schneesicheren Wintersportresorts der Alpen durch immer bessere Zubringerstraßen erschlossen. Und der Wintersport wandelt sich. Die Snowboarder kommen. Die Carver. Die Fun Parks. Wintersport wird zum Event. Das größte Event an dem Holzelfinger Doppelschlepplift: Nach der letzten Abfahrt bei einem Gläschen Schwaben Bräu in der Hütte zusammensitzen.

Kaufmännisch betrachtet, habe sich der Skilift nie gelohnt, sagt Tröster. Selbst wenn, in einem Rekordwinter, am Ende einmal 20000 Euro Gewinn abfallen – auf fünfzehn Gesellschafter verteilt, bleibt für den Einzelnen nicht viel übrig. Und zwischendurch immer öfter Nullsummen- und Verlustwinter. Tröster zuckt mit den Schultern. »Manchmal«, sagt der gelernte Banker, »isch des Ideelle besser als des Materielle.«

Vier Interessenten melden sich, dreimal bleibt es bei einem Telefonat

Den alten Lift loszuschlagen dürfte nicht einfach werden, das ist Tröster klar. Knapp 600000 Mark hatten sie damals investiert. Und einen Frühling, einen Sommer, einen Herbst am Salachhang. Für einen hohen fünfstelligen Eurobetrag würde er von alldem Abschied nehmen – wenn es nicht schon zu spät ist. »Die Skiliftbetreiber auf der Schwäbischen Alb tun gut daran, schnell zu verkaufen« – sagt einer, der es beurteilen kann. Roland Roth ist Leiter der Wetterwarte Süd.

Bislang haben sich bei Alfred Tröster vier Interessenten gemeldet. Dreimal blieb es bei einem Telefongespräch. Lediglich der Vierte, ein Landwirt aus dem Nachbarort, kam zur Besichtigung. Vergeblich: »Der war am Skilift gar net wirklich interessiert. Der wollt’ aus der Hütte so a halbe Metzgerei mache. So a Schnapsidee!« Ihr Wintermärchen ausschlachten lassen? Das geht den schwäbischen Skiliftfreunden dann doch ein bisschen zu weit.

 
Leser-Kommentare
  1. Alfred Tröster und seine Mitstreiter haben in den 70iger Jahren nur das getan, was eigentlich naheliegend, aber doch wohl nicht so ganz erfolgreich war, sich nämlich nach den Prognosen der Klimawissenschaftler gerichtet, die in den 70iger Jahren den unmittelbaren Beginn einer Eiszeit prognostizierten und erhebliche negative Konsequenzen insbesondere für die Nahrungsmittelproduktion voraussahen.

    Newsweek brachte in einer Ausgaben vom 28. April 1975 eine ausführliche Beschreibung des zukünftigen dramatischen Klimageschehens. Einzelne Top-Wissenschaftler, wie z. B. Stephen Schneider, propagierten damals die Globale Abkühlung. Heute stehen sie an vorderster Front, um die Globale Erwärmung zu bekämpfen.

    Vielleicht sollten sich Alfred Tröster und seine Mannen noch etwas in Geduld üben, bevor sie ihren Lift demontieren, denn es gibt durchaus Wissenschaftler, die von der zukünftigen Globalen Erwärmung nicht so überzeugt sind.

    Da gibt es einmal die Tatsache, dass es seit ca. 10 Jahren keinen positiven Trend einer Globalen Erwärmung gibt. Aber auch Wissenschaftler, wie z.B. Astrophysiker, die nicht in das Netzwerk der Mainstream - Klimatologen eingebunden sind, haben ihre eigenen Vorstellungen zu dem, wie sich das Klima entwickeln wird.

    Astrophysiker, z. B. der NASA, erwarten eine Veränderung von Sonnenaktivitäten in den kommenden Jahren.

    Ab dem Jahr 2012 wird ein Prozess der Globalen Abkühlung einsetzen und der ganze Planet wird niedrigere Temperaturen zu verzeichnen haben.

    Khabibulo Absudamatov, Chef des Russian Sciences Academy Observatory, geht davon aus, dass um das Jahr 2035 die Sonnenaktivität ihr Minimum erreicht und 15 Jahre später eine starke Abkühlung des Globalen Klimas zu verzeichnen sein wird.

    Bis dahin wird wohl der Salach Lift nicht überleben, denn wenn er nicht verkauft werden kann, so landet er wahrscheinlich in der Schrottpresse.

    Aber eine Lehre sollte man jetzt schon ziehen. Vertraue nur eingeschränkt auf Voraussagen von Wissenschaftlern, vor allem dann nicht, wenn ihre Prognosen auf Computerberechnungen beruhen

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