Integration Ein Türke aus Bayern

Der Geschäftsmann Ali Klç lebt seit 25 Jahren in Deutschland und engagiert sich in der SPD. Nun kandidiert er fürs türkische Parlament. Warum?

München/Istanbul

Dieser Tage verbringt Ali Klç einen großen Teil seine Zeit damit, Hände zu schütteln – nicht in München, seinem Wohnort, sondern im fernen Istanbul. Dort, auf der asiatischen Seite der 12-Millionen-Metropole, hat er seinen Wahlkreis. Ali Klç, Geschäftsmann, SPD-Mitglied, Vorsitzender der Deutsch-Türkischen Freundschaftsföderation, ein Mann, der es in 25 Jahren in Deutschland zu etwas gebracht hat – nun möchte er zurück, und zwar als Politiker. Bei den Parlamentswahlen am 22. Juli kandidiert er für die Republikanische Volkspartei (CHP), die türkischen Sozialdemokraten.

Hier wie dort wundern sich die Menschen. Was will der »Deutschländer« bei uns? So fragen sie in Istanbul. Warum zieht es einen Mann, der sich in Deutschland jahrelang für die Integration seiner Landsleute eingesetzt hat, nun in die türkische Politik? Darüber staunt so mancher aus Klç’ deutschem Freundes- und Bekanntenkreis.

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Seinen potenziellen Wählern pflegt Klç zu sagen, dass er sich in Deutschland und dessen politischer Kultur auskenne. »Und das kann dem türkischen Parlament nicht schaden.« Den Deutschen antwortet er, dass er in ihrem Land »immer wieder Ausgrenzung erfahren« habe. Es mag damit zusammenhängen, dass er sich bei allen Integrationsbemühungen selbst doch immer der Türkei verbunden gefühlt hat – auf eine Weise, die zugewanderte Türken ihren deutschen Freunden schwer verständlich machen können. Seinen hiesigen Landsleuten sagt Klç, dass er im Parlament in Ankara auch ihre Anliegen vertreten wolle. Und er wirbt um ihre Stimmen: »Wer in die Türkei reist, sollte unbedingt wählen. Je mehr Stimmen, desto mehr wird eure Stimme gehört.«

An Flughäfen wie Istanbul, Izmir und Ankara und an zehn Grenzübergängen stehen Wahlurnen für die Stimmen der Auslandstürken. Den Kandidaten aus Bayern hat die CHP in Istanbuls größtem Wahlbezirk auf Platz 13 aufgestellt. Letztes Mal erkämpfte die Partei dort elf von 24 Sitzen. »Diesmal werden wir mehr«, sagt Klç voller Zuversicht. Canan TopÇu

 
Leser-Kommentare
    • K.P.R.
    • 16.07.2007 um 11:16 Uhr

    Er ist eben ein Geschäftsmann!

  1. 2. Nun Ja

    Vielleicht hat er es hier nur satt, die auf allen medialen Ebenen verbreiteten Plattitüden und Vorurteile gegen Türkischstämmige zu ertragen.

    Wahrscheinlich ist er aber nur mehr Europäer als türkisch oder deutsch.

    Wenn ein Bayer, der seine Verwandschaft und Wurzeln in Hamburg hat, nun in Hamburg Politik machen würde, müsste man auch nicht fragen, was in ihm vorgeht.

  2. Genial, dieser Artikel bestätigt alle Vorurteile, die man Türken gegenüber hat. Wie vertritt man eigentlich das Anliegen der in Deutschland lebenden Türken, wenn man im Parlament in Ankara sitzt?

  3. die gehen immer irgendwann alle ins Ausland wens noch was werden wollen - Berlin oder Türkei, beides Ausland ;-)

    • brux
    • 16.07.2007 um 12:49 Uhr

    Der Herr kann dann ja wohl keine deutsche Staatsbürgerschaft haben. Auch wenn's Herrn Bulut nicht passt: Wer "auswandert" muss eben auch irgendwann ankommen. Diese "Transit-Türken" scheinen nicht wirklich ankommen zu wollen, sollten dann aber auch nicht ständig von "Diskriminierung" faseln. Sie sind eben weiterhin "Gastarbeiter" und werden von den Deutschen entsprechend behandelt.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Nur zur Information, es gibt auch doppelstaatliche Türk-Deutsche.

    Und wie schon erwähnt, vielleicht ist ja Ali Klc nur ein wenig weiter, als es deutsche oder andere Kleingeisterei sich vorzustellen vermag, und sieht Europa mehr als ganzes. Das heißt, er wäre schon dort angekommen, wo andere an ihrer Nationalität hängen bleiben.

    Oder er ist nur Pragmatiker, und erhofft sich in der Türkei als Deutschtürke weniger diskriminiert zu werden, wie hier als türkischstämmiger. Zumindest sind dort die Barrieren geringer, bei vorhandener Qualifikation Führungspositionen einzunehmen.

    ((Der Rest des Kommentars wurde gelöscht, da er nicht unseren Regeln netsprach. Bitte unterlassen Sie künftig Beleidigungen und Unterstellungen!))

    Nur zur Information, es gibt auch doppelstaatliche Türk-Deutsche.

    Und wie schon erwähnt, vielleicht ist ja Ali Klc nur ein wenig weiter, als es deutsche oder andere Kleingeisterei sich vorzustellen vermag, und sieht Europa mehr als ganzes. Das heißt, er wäre schon dort angekommen, wo andere an ihrer Nationalität hängen bleiben.

    Oder er ist nur Pragmatiker, und erhofft sich in der Türkei als Deutschtürke weniger diskriminiert zu werden, wie hier als türkischstämmiger. Zumindest sind dort die Barrieren geringer, bei vorhandener Qualifikation Führungspositionen einzunehmen.

    ((Der Rest des Kommentars wurde gelöscht, da er nicht unseren Regeln netsprach. Bitte unterlassen Sie künftig Beleidigungen und Unterstellungen!))

  4. Ich verstehe diesen Artikel nicht. Ein Türke oder Deutsch-Türke oder wie auch immer kandidiert in seinem Herkunftsland. Ja und? Was soll so berichtenswertes daran sein?

    • EROL
    • 16.07.2007 um 16:11 Uhr

    Die ganze Debatte um Ausländer und angebliche Absichten sie zu integrieren, veranschaulicht doch auf beeindruckender Weise, dass manche Deutschen, als Biedermänner getarnt, wieder dort angekommen sind, wo sie sich in den 40'ern befanden, und Sie noch lange brauchen werden bis Sie die Moderne erreichen, die der Herr Kilic, aus der Diskrimiert und ausgegrenzten Minderheit, erreicht hat.

    Fazit: In den vergangenen 60 Jahren hat sich an diesen Rassisten nur Ihr Auftreten geändert. Ihr Bild hat sich den Erwartungen, wollten Sie sich doch international nicht weiter dirkreditieren, angepasst. Da sind sie nicht einmal halb so ehrlich wie der Ausländer, der sich Treu geblieben ist. Ihre Ideologie jedoch ist die selbe geblieben und lauert immer noch auf weitere Chancen um sich wieder als Herr über die anderen zu erheben. Wenn man die Entwicklung hierzulande gar in Europa beobachtet, stehen seine Chancen hervorragend. Es bleibt spannend wie weit sich die Geschichte wiederholen wird und wie die Rollenverteilung diesmal ausfällt.

    Zu den Verharmlosern, die diesen Kommentar als Nazikeule abzutun versuchen werden: Es wird langsam langweilig und wirkt lächerlich. Stellt den Winkel senkrecht zum Eurem Gesícht und seht zu welchem Deutschland und Deutschen Ihr gehört.

  5. Nur zur Information, es gibt auch doppelstaatliche Türk-Deutsche.

    Und wie schon erwähnt, vielleicht ist ja Ali Klc nur ein wenig weiter, als es deutsche oder andere Kleingeisterei sich vorzustellen vermag, und sieht Europa mehr als ganzes. Das heißt, er wäre schon dort angekommen, wo andere an ihrer Nationalität hängen bleiben.

    Oder er ist nur Pragmatiker, und erhofft sich in der Türkei als Deutschtürke weniger diskriminiert zu werden, wie hier als türkischstämmiger. Zumindest sind dort die Barrieren geringer, bei vorhandener Qualifikation Führungspositionen einzunehmen.

    ((Der Rest des Kommentars wurde gelöscht, da er nicht unseren Regeln netsprach. Bitte unterlassen Sie künftig Beleidigungen und Unterstellungen!))

    Antwort auf "Transit-Türke"

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