Lieber allein

Wahrscheinlich ist der ehemalige französische Finanzminister Dominique Strauss-Kahn ein exzellenter Kandidat für den Chefposten des Internationalen Währungsfonds. Die Franzosen sind gut darin, die richtigen Leute für internationale Spitzenpositionen zu finden die europäischen Partner sollten vor ihnen den Hut ziehen, statt sich zu ärgern.

Wahrscheinlich ist auch der ehemalige Handelsbeauftragte der USA, Robert Zoellick, der richtige Mann für den Chefposten beim Schwesterinstitut des Fonds, der Weltbank. Dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, George W. Bush, fehlt heute schlicht die Kraft, um weiterhin nur enge politische Freunde in solche Ämter zu hieven.

Also nimmt er gleich die geeignetsten.

Dass die übrige Welt angesichts dieser Stellenbesetzungen dennoch sauer ist, liegt also nicht an Strauss-Kahn, der nun wahrscheinlich IWF-Chef wird. Und es liegt nicht an Zoellick, der schon die Weltbank führt. Es liegt an der Haltung des Westens, der so tut, als sei es sein Geburtsrecht, die beiden Chefposten zu belegen.

Schwellenländer von Südamerika bis Ostasien werfen den USA und der Europäischen Union mit einigem Recht vor, den Fonds und die Bank zu dominieren und sie mitunter auch zu eigenen politischen Zwecken zu missbrauchen. Sie wenden sich inzwischen entrüstet ab und gründen eigene regionale Finanzinstitutionen.

Lieber allein, lautet die neue Devise der ärmeren Länder. Dadurch wird aber das Weltfinanzsystem nur instabiler und der Einfluss des Westens kleiner. Das hat er nun davon.

 
  • Quelle DIE ZEIT Nr.29 vom 12.07.2007, S.2
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