Krebs Brustkrebs
Bei Frauen ist er die häufigste Krebstodesursache. Jährlich wird die Krankheit bei über 55.000 Frauen in Deutschland diagnostiziert, 17.700 sterben daran. Statistisch erkrankt etwa jede zehnte Frau.
Seit 2004 wird in Deutschland ein Programm für Brustkrebsfrüherkennung aufgebaut. Seither haben alle Frauen zwischen dem 51. und 70. Lebensjahr Anspruch auf ein qualitätsgesichertes Mammografie-Screening: eine Röntgenuntersuchung der Brüste. Dabei wird jedes Röntgenbild unabhängig von zwei erfahrenen Medizinern ausgewertet.
Pilotprojekte in mehreren Städte und die Erfahrungen im Ausland nähren die Hoffnung, dass das Screening-Programm zu einem substanziellen Rückgang der Sterbezahlen führen kann. Große Studien haben gezeigt, dass flächendeckende Mammografie die Brustkrebssterblichkeit um bis zu 35 Prozent senken kann. Allerdings sind diese Untersuchungen auch wegen methodischer Mängel kritisiert worden – und sie vergleichen qualitätsgesicherte Mammografie mit gar keiner Früherkennung.
Schon vor Beginn des Mammografieprogramms haben viele Frauen regelmäßige Untersuchungen als Kassenleistung bekommen – wenn sie vom Arzt mit einem Tastbefund zum Röntgen überwiesen wurden. Über fünf Millionen Mammografien jährlich wurden vor 2004 bei den Kassen abgerechnet. Häufig dürften die Befunde allerdings mangelhaft gewesen sein, weil sie von unerfahrenen Radiologen erstellt wurden.
Die nun eingeführte Qualitätssicherung ist also ein Fortschritt. Doch die Sehschärfe bei der Röntgendurchleuchtung ist begrenzt. Nach bisherigen Erkenntnissen können zwei Drittel bis drei Viertel der Erkrankungen diagnostiziert werden. In einer großen US-Studie aber wurden nur 41 Prozent der Krebsherde durch Mammografie entdeckt, obwohl diese auf höchstem Niveau durchgeführt wurde. Auch wenn die Röntgenuntersuchung nicht die beste und einzige Methode ist, um Krebsherde oder ihre Vorstufen zu finden, setzt das deutsche Früherkennungsprogramm ausschließlich auf die Mammografie. Das ist insofern problematisch, als jüngere Frauen vom Programm ausgeschlossen sind. Weil ihr Drüsengewebe zu dicht ist und einen eventuellen Tumor kaschiert, ist die Röntgenuntersuchung bei ihnen noch fehleranfälliger. Doch eigentlich müssten auch sie untersucht werden, denn 20 Prozent der betroffenen Frauen sind zum Zeitpunkt der Diagnose unter 50 Jahre alt.
Im Screening-Programm nicht vorgesehen ist eine parallel durchgeführte Ultraschalluntersuchung der Brust, durch die sich die Schwächen der Mammografie zumindest teilweise ausgleichen ließen. Mit der Sonografie können auch im dichten Brustgewebe Krebsherde entdeckt werden, die in der Mammografie nicht feststellbar sind. Doch die Methode ist aufwendig und teuer. Außerdem ist noch offen, ob durch die Sonografie nicht zu viele »falsch positive« Befunde verursacht werden.
Die Magnetresonanztomografie (MRT) scheint das beste Verfahren für die Suche nach Brustkrebs zu sein, wird aber praktisch nicht angewendet. Würde zusätzlich bei jeder alle zwei Jahre stattfindenden Untersuchung auch ein MRT durchgeführt, bliebe kaum ein Tumor in der Brust unentdeckt. Dass sich gerade gefährliche Frühformen mit MRT gut erfassen lassen, zeigt eine neue Studie der Universität Bonn. Beim weltgrößten Krebsmedizinertreffen ASCO, das vor wenigen Wochen in Chicago stattfand, wurde die Untersuchung als »Best of ASCO« ausgezeichnet. Allerdings erfordert die Beurteilung von MRT-Bildern bei der Brustkrebsfrüherkennung speziell ausgebildete Fachleute.
Besondere Vorsicht ist geboten, wenn bereits mehrere Blutsverwandte – vor allem in jungen Jahren – erkrankt sind. Frauen aus solchen Familien sollten sich unbedingt in einem der zwölf deutschen Zentren für familiären Brustkrebs beraten lassen. Denn nicht selten liegt der Erkrankung eine erbliche Veranlagung zugrunde. Inzwischen ist eine Reihe von Gendefekten identifiziert worden – die wichtigsten betreffen die Gene BRCA1 und 2. Die Defekte erhöhen das Risiko für Brust- und auch Ovarialkarzinome zum Teil massiv.
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- Datum 12.07.2007 - 13:38 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 12.07.2007 Nr. 29
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