Krebs Darmkrebs
Er ist bei beiden Geschlechtern das zweithäufigste Krebsleiden. Jedes Jahr erkranken mehr als 70.000 Menschen in Deutschland an Darmkrebs; rund 28.000 sterben daran. Jeder kann aber sein Risiko durch einen gesunden Lebensstil senken: wenig Alkohol, kein Tabakkonsum und viel Sport. Bei Frauen scheint die Einnahme von hormonellen Kontrazeptiva und Hormonersatzpräparaten nach den Wechseljahren anders als bei Brustkrebs das Risiko zu senken. Beim Darmkrebs spielt auch die Ernährung eine wichtige Rolle. Häufiger Konsum von Früchten und Gemüsen, Geflügel und Fisch wirkt schützend. Viel tierisches Fett dagegen erhöht das Krankheitsrisiko, ebenso rotes Fleisch, vor allem wenn es bei der Zubereitung stark erhitzt wird – dabei entstehen karzinogene aromatische Amine.
Darmkrebs kann sehr gut schon in seinen Vorstufen und im frühen Stadium erkannt werden und ist dann heilbar. Im späten Stadium ist die Heilungsaussicht allerdings schlecht. Vom 50. Lebensjahr an haben alle Versicherten Anspruch auf kostenlose Früherkennungsuntersuchungen: bis zum 55. Lebensjahr auf einen jährlichen Hämocculttest (Stuhlbluttest), danach auf eine Darmspiegelung, die nach zehn Jahren wiederholt wird. Obwohl der Hämocculttest nur ein Viertel aller bösartigen Veränderungen anzeigt und häufig Fehlalarm gibt, zeigen Studien, dass das Stuhlblut-Screening die Sterblichkeitsrate senkt. Ab dem 56. Lebensjahr besteht ein Anrecht auf eine Darmspiegelung. Dabei kann der Arzt sogar schon Krebsvorstufen (Adenome) entdecken und sofort entfernen. Würden alle, die Anspruch darauf haben, die Untersuchung machen lassen, könnte die Häufigkeit von Darmkrebs um 90 Prozent sinken – und 15000 Menschenleben könnten jedes Jahr gerettet werden. Derzeit aber nehmen nur 10 Prozent die Möglichkeit der Darmspiegelung wahr.
Bei 30 bis 35 Prozent aller Erkrankungen liegt eine erbliche Veranlagung vor. Erst vor wenigen Tagen haben drei Forschungsgruppen eine verbreitete genetische Variation auf dem Chromosom 8 eingekreist, die zur Veranlagung beiträgt. Der häufigste erbliche Darmkrebs ist das HNPCC (hereditäres kolorektales Karzinom ohne Polyposis). Bei der auch »Lynchsyndrom« genannten Krankheit treten in jungen Jahren Tumoren im Darm und häufig auch in anderen Organen auf. Bei Trägern der sehr seltenen familiären adenomatösen Polyposis (FAP) entwickeln sich mitunter Hunderte von Polypen im Darm, aus denen in 60 bis 70 Prozent der Fälle Karzinome entstehen, wenn sie nicht rechtzeitig behandelt werden. Frühe Kontrollen sind daher geboten, wenn mehrere Blutsverwandte bereits erkrankt sind. Bei einer Häufung der Krankheit in der Familie sollte man sich früh in einem Zentrum für familiären Darmkrebs beraten lassen.
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- Datum 12.07.2007 - 14:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 12.07.2007 Nr. 29
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