MOMENT

Wenn altes fällt, ist dies das letzte Zeichen dafür, dass neue Zeiten angebrochen sind. Als im Ruhrgebiet die Zechentürme kippten, war das nur noch Beleg für den Strukturwandel, in Berlin wird nach der DDR auch deren Palast beseitigt. Und in den USA sprengt Kodak seine Filmfabriken, mitsamt bunter Umhüllung. Sie wurden überflüssig, weil die Menschen heute lieber mit ausgestreckten Armen fotografieren, »digital«. Kodak war das Unternehmen, das einst mit Billigkameras und Billigfilmen die Fotografie zum Massenhobby machte, zum demokratischen Vergnügen. Die digitale Technik ist noch demokratischer und billiger, eine unbegrenzte Ressource, dankbar angenommen von der Wegwerf- und Weglöschgesellschaft. Kodak hat das unterschätzt, die Firma beschäftigt nur noch so viele Menschen wie vor 80 Jahren und schleift auf ihrem Gelände in Rochester/New York die Hälfte ihrer Bauten. Der Bildbeweis ist, natürlich, digital. Das ist der übliche Triumph der modernen Zeiten.

 
  • Quelle DIE ZEIT Nr.29 vom 12.07.2007, S.20
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