Uni-Sponsoring Volle Spendierhosen

Immer mehr Unternehmen geben Geld für Unis. Das ist nicht zwielichtig, sondern gut für die Transparenz im deutschen Hochschulsystem.

Weniger Staat! Bei fast allen Problemen ist das die Lösung, die Unternehmensverbände propagieren. Dass weniger Staat mehr privates Engagement und mehr Spenden erfordert, bleibt oft unerwähnt.

So auch bei der Hochschulreform: Vom staatlichen Dirigismus befreit, sollen die Hochschulen in neuer Unabhängigkeit erblühen, ganz wie im ewigen Vorbildland USA. Dabei hat die Blüte amerikanischer Spitzen-Unis entscheidend mit den Spendenmilliarden zu tun. Doch bislang knauserten die deutschen Unternehmen.

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Vielleicht erleben wir jetzt das Entstehen einer neuen Spendenkultur: Der Logistikkonzern Kühne+Nagel spendet der TU Hamburg-Harburg 30 Millionen Euro für ein neues Logistikinstitut, die Uni Frankfurt erhält aus dem Nachlass eines Frankfurter Bankierpaares 33 Millionen Euro für Forschung und Lehre. Kürzlich hat die Beratungsgesellschaft Droege der Privat-Uni Witten/Herdecke mit 12 Millionen Euro aus der Patsche geholfen. Nicht zu vergessen die 200 Millionen, die Jacobs der International University (seitdem Jacobs University) in Bremen spendete.

Natürlich besteht das Risiko, anstelle des Staates könnten nun die Unternehmen Einfluss auf die Wissenschaftler nehmen. Doch der Blick nach Amerika zeigt: je großzügiger die Spenden, desto höher die Anforderung an Transparenz und Effizienz der Mittelverwendung. Zur neuen Spendenkultur gehört daher auch ein transparentes und professionelles Hochschulmanagement – bei allen inhaltlichen Freiheiten. Dann wären all die guten Gaben doppelt gut.

 
Leser-Kommentare
  1. Wer bezahlt erwartet dafür auch eine Leistung. Zumindest gilt das für die so genannte Marktwirtschaft. Einem wirtschaftenden Unternehmen zu unterstellen, es habe ein unmittelbares Interesse an Freiheit von Forschung und Lehre, ist absurd. Woher sollte dieses Interesse sich nähren? Wenn sich eine Spende unter dem Stern des Marketing rechnet, liegt die Sache wohl anders und hat nichts mit Freiheit als Selbstzweck zu tun - anders als als Selbstzweck ist Freiheit ja keine Freiheit, sondern Mittel für etwas anderes.
    Universitäten sind bereits oder werden gerade auf Drittmitteltauglichkeit getrimmt und dabei geht das letzte bisschen Freiheit verloren, weil nur die Forschung(sprojekte) von Dritten finanziert werden, die nützen, und die Universitäten selbst schon oft genug nur das finanzieren, was verspricht, später auch Drittmittel an Land zu ziehen.
    Intransparent ist das selbstverständlich nicht. Die Nützlichkeit ist in unserem Fall identisch mit der marktwirschaftlichen Verwertbarkeit: So ist klar, dass auf Technikentwicklung und die Naturwissenschaften als deren notwendige Grundlage, ein großer Teil der Privatfinanzierung entfällt. Ein weiterer Teil ist Ideologieproduktion innerhalb der inkonsequenten und inkonsistenen Abteilungen der Ökonomie, Sozialwissenschaften, Geisteswissenschaften, Psychologie, Philosophie und so weiter. So etwas leistet sich ein Staat zur Not sogar noch selbst zu bezahlen, weil die unmittelbare Verwertbarkeit den profitmaximierenden Betriebswirten nicht gerade eben ins Auge springt. Diese universitären Abteilungen liefern dann die widersprüchlichen Rechtfertigungen für den status quo, die man aus Funk, Fernsehn und Printmedien kennt.
    Zusammengefasst kann man sagen, dass "Wissenschaft" an deutschen Universitäten (mit Ausnahmen) unter einem festen Vorzeichen stattfindet - die Freiheit von Vorzeichen aber wäre Freiheit.
    Mit Transparenz ist niemandem gediehnt, wenn sie bloß bedeutet, dass offensichtlich ist, wonach man sich an einer Universität zu richten hat, wenn man dort in Frieden bleiben oder überhaupt hin kommen möchte. So ist auch Transparenz nur ein inhaltsloses Etikett, das gleichbedeutend mit "gut" verwendet wird, um vorzugaukeln, es sei alles gut und werde alles besser.

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  • Quelle DIE ZEIT, 12.07.2007 Nr. 29
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