Österreich Raus aus der dämonisierten ZoneSeite 3/3
So kommt es zu dem Paradoxon der sogenannten pessimistischen Antizipation: Keine Regierungspartei will die Verantwortung für vorgezogene Neuwahlen übernehmen. Aber weil sie sich rechtzeitig gegen den Vorwurf, sie sei der Verursacher, wappnen will, muss bereits frühzeitig der zukünftige Schuldige haftbar gemacht werden. Durch mentale Aufrüstung wird so gerade das herbeigeführt, was abgewendet werden sollte.
Sollten die Koalitionspartner allerdings eine weitere Eskalation, die zum Scheitern ihrer Regierung führt, vermeiden wollen, sollten sie einige deeskalierende Strategien ins Auge fassen, die natürlich kein Patentrezept darstellen, sondern lediglich die Richtung zu einer neuen Kommunikations- und Arbeitskultur weisen. So könnte sich die Regierung etwa in einem ersten Schritt darauf einigen, welche Fehlentwicklungen im Schulwesen, in der Gesundheitspolitik oder im sozialen Zusammenhalt des Landes gemeinsam verhindert werden sollen. Darauf aufbauend ließe sich in einer eigenen Regierungsklausur das Koalitionsabkommen aktualisieren und ein Katalog gemeinsamer Prioritäten erstellen, der auch in einem gemeinsamen Kommunikationsmodus vorgestellt würde.
Gleichzeitig sollten beide Parteien mit Hilfe externer Moderation und unter Ausschluss der Medien jene Schlüsselepisoden aufarbeiten, die zu der bisherigen Eskalation geführt haben. Nach diesem Modell sollten auch künftig auftretende Konfliktfälle periodisch bereinigt werden, deren Häufigkeit sich reduzieren ließe, wenn beide Parteien systematische Veränderungsstrategien für ihre wichtigsten strukturellen Reformvorhaben entwickelten, anstatt zu versuchen, sie durch undifferenzierte Generaldebatten zu verwirklichen. Es bedarf dabei bedächtiger Veränderungsschritte. Denn jede Totalreform, die mit Hilfe von Machtstrategien erzwungen werden soll, erzeugt Druck, der nur auf neuen Gegendruck stößt. Und die Spirale der Eskalation setzt sich erneut in Bewegung. Wenn aber nichts in diese Richtung geschieht, dann kann diese Koalition keine substanziellen Reformen durchführen – und es droht das nahe Ende der Regierung Gusenbauer.
Der Autor ist Mitbegründer der Unternehmensberatung Trigon, unterrichtet Konfliktmanagement und Organisationsentwicklung an der Universität Salzburg und ist als Mediator tätig
- Datum 12.07.2007 - 03:35 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 12.07.2007 Nr. 29
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