Österreich »Soll ich jetzt die Straßenseite wechseln?«Seite 5/5

ZEIT: Wie sehr, glauben Sie, hat Ihr Besuch bei Elsner der ÖVP, deren Obmann Sie ja einmal waren, bei der letzten Nationalratswahl geschadet?

Taus: Also einen größeren Unsinn kann es ja nicht geben. Die ÖVP hat die Landtagswahlen in der Steiermark, in Salzburg und im Burgenland verloren, das war schon ein Hinweis, dass es knapp werden wird.

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ZEIT: Und der damalige Bundeskanzler Wolfgang Schüssel hat knapp vor der Wahl salopp behauptet, in Österreich gebe es keinen Pflegenotstand. Dies, obwohl sich sehr viele Österreicher nur Pflegepersonal aus den neuen EU-Staaten leisten können.

Taus: Auch das war meines Erachtens nicht entscheidend. Die Volkspartei hat sich vielleicht zu sehr darauf verlassen, dass sie Kanzlerpartei war, mit Schüssel, einem unbestritten sehr guten Bundeskanzler. Er war wahrscheinlich der talentierteste ÖVP-Politiker der letzten Jahrzehnte. Schlecht regiert wurde auch nicht. Nach den Wahlen lagen beide großen Parteien Kopf an Kopf, und dieses Ergebnis war für die ÖVP besser, als es in den Umfragen über die ganze Legislaturperiode hinweg ausgesehen hatte. Wir Österreicher sind, wirtschaftlich gesehen, tüchtige Leute, aber ein besonders politisch denkendes Volk sind wir nicht.

ZEIT: Die Österreicher kommen mit ihrer Mentalität offensichtlich besonders gut in den neuen EU-Staaten an.

Taus: Aber wo, das reden wir uns selber ein. Ein Ungar, ein Bulgare, eine Russe, ein Pole redet uns das nicht ein. Wir selber reden uns ein, wie gut wir mit unseren östlichen Nachbarn auskommen würden oder wie beliebt wir wären. Wen interessiert das? Da entsteht ein falsches Österreichbild. Wir sind etwas ganz anderes, auch wenn wir uns das, aus welchen Gründen auch immer, nicht eingestehen: Wir sind tüchtig, fleißig und verlässlich. Das sind unsere Werte.

Die Fragen stellte Elisabeth Horvath

 
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