Krebsforschnung »Wir gewinnen die Kontrolle«
John E. Niederhuber, Direktor des amerikanischen National Cancer Institute, über neue Waffen gegen den Krebs. Die ausführliche Fassung des ZEIT-Interviews
DIE ZEIT: Schon 1971 hat Präsident Richard Nixon den Krieg gegen den Krebs ausgerufenen. Er währt inzwischen über drei Jahrzehnte. Ein hoffnungsloser Kampf?
John E. Niederhuber: Nein. Wir gewinnen jetzt die Kontrolle, allerdings in kleinen Schritten. Krebs ist eine unvergleichlich komplexe Krankheit. Aber unser Wissen mehrt sich heute mit immenser Geschwindigkeit.
ZEIT: In den USA und in einigen anderen westlichen Ländern sinkt die Zahl der Krebstoten zum ersten Mal seit Jahrzehnten...
Niederhuber: ...ja, die Sterbezahlen nehmen seit zwei Jahren ab, obwohl die Bevölkerung wächst und der Anteil älterer Menschen zunimmt. Ich halte es für ein wichtiges Zeichen, dass wir der Gipfel überwunden haben, In Zukunft wird die Vorbeugung noch mehr im Fokus stehen.
ZEIT: Indem man die Zigaretten noch schärfer bekämpft?
Niederhuber: Ja. Das Gebot, nicht zu rauchen, gilt für alle. Ich selbst muss mehr Sport treiben.
ZEIT: Aber auch die Therapien müssen besser werden
Niederhuber: Sie werden besser. Als ich meine Karriere als Onkologe begonnen habe, konzentrierten wir uns nur auf die Krebszelle. Heute richtet sich unser Blick auf das ganze Tumorgewebe, dessen Gefässbildung und die Wanderungsprozesse der Krebszellen. Auch die Rolle von Stammzellen wird untersucht. Damit bekommen wir eine ganze Reihe von Möglichkeiten die Wucherung zu unterbinden oder zu kontrollieren. Ein Beispiel ist, ihre Blutversorgung blockieren und so ihre Invasion und die Bildung von Metastasen im Körper zu verhindern. Die machen Krebs zur tödlichen Erkrankung.
ZEIT: Sie verfügen über einen Milliardenetat. Trotzdem klagen Sie, das NCI erhalte zu wenig Forschungsgelder, und kritisieren die Förderpolitik der US-Regierung.
Niederhuber: Wir alle kennen den Grund für die Budgetprobleme der Regierung. Wir sind auch besorgt Bioterrorismus ist eine potentiele Gefahr: Krebs aber ist eine reale Bedrohung - mit pandemischen Ausmassen. Ich möchte daran erinnern, dass allein in den USA täglich mehr als 1500 Menschen an Krebs sterben. Doch unsere Mittel stagnieren, obwohl die Ausgaben für Personal und Laborausstattung weiter steigen. Es wird schwieriger, junge talentierte Wissenschaftler zu halten, die wir in den letzten Jahren für dieses wichtige Forschungsfeld gewinnen konnten.
- Datum 14.07.2007 - 12:35 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 12.07.2007 Nr. 29
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