Wer Biomasse effizient einsetzen und dabei möglichst wenig Treibhausgase erzeugen will, darf sie nicht in Treibstoff umwandeln. Stattdessen sollte sie für die Erzeugung von Strom und Wärme in Kraftwerken verbrannt werden. So können Holz, Stroh und andere Pflanzenteile fossile Energie am sinnvollsten ersetzen. So lautet das Ergebnis eines Sondergutachtens, das der Sachverständigenrat für Umweltfragen in der vergangenen Woche Bundesumweltminister Gabriel übergeben hat.

Auf 150 Seiten werden dort diese nüchternen – und für die Befürworter des Biosprits ernüchternden – Fakten dargestellt. Auch die vielbeschworenen Biotreibstoffe der so genannten Zweiten Generation (BtL, Sunfuel oder Designerkraftstoff) würden selbst dann noch schlecht abschneiden, wenn Forschung und Entwicklung die in sie gesetzten Hoffnungen tatsächlich erfüllten. Biomasse ist eine knappe Ressource. Sie kann bis 2030 mit bis zu zehn Prozent zum Energiehaushalt beitragen – aber nur, wenn sie so effizient wie möglich eingesetzt wird – das heißt: nicht an Zapfsäulen.

Leider zeigt sich politische Entscheidungsfindung oft gänzlich unbeeindruckt von Expertenwissen. Der Sachverständigenrat kennt das. Beim Emissionshandel etwa wurden seine Vorschläge zwar gehört, in der Föderalismusreform aber komplett ignoriert. Beim Thema Biosprit könnte den Experten Ähnliches passieren. So hat die SPD-Bundestagsfraktion zeitgleich mit der Übergabe des Berichts eine Forderung nach Erhöhung der Beimischungsquote für Biosprit bis 2015 beschlossen – von bisher acht auf fünfzehn Prozent. Und tags darauf vermeldete Landwirtschaftsminister Seehofer einen »Erfolg«: Am Runden Tisch Biokraftstoffe habe man sich mit dem Umweltministerium, der Automobilindustrie, der Mineralölwirtschaft und dem Bauernverband auf eine Verdoppelung der Quote geeinigt.

Klimaschutz ist populär und die Verlockung für jeden Politiker, sich damit zu profilieren, offenbar groß. Zur Not auch auf Kosten der Fakten.