Ölpreis Hört die Signale
Warum der hohe Ölpreis gute Seiten hat. Ein Kommentar.
Was könnte gut daran sein, dass Öl so viele Dollar kostet wie noch nie? Eigentlich gar nichts, schließlich gefährdet es den Aufschwung, wenn sich der wichtigste Rohstoff derart verteuert. Eigentlich gar nichts – wären die Bürger und ihre Politiker nicht so, wie sie sind. Ist der Preis nämlich niedrig, atmen die Menschen allzu schnell auf: Die große Katastrophe kommt gar nicht. Dann kaufen sie doch wieder das Schluckspecht-Auto statt der Dreiliter-Alternative. Dann rüsten sie die Heizung im Haus doch nicht um und buchen Flugreisen, als sei nichts.
Das ist erstens schlecht, weil sie auf diese Weise die ökologische Wende verzögern. Zweitens machen sie sich damit das Leben selber schwer, weil das schwarze Wirtschaftselixier absehbar knapper wird.
»Tatsache ist, dass sich das Angebot an relativ einfach zu förderndem Öl und Gas auf Dauer nicht mehr in dem Maß steigern lassen wird, wie der Bedarf wächst.« Das sagt kein Ökofreak, sondern der Chef des Ölmultis Shell. Und die Internationale Energieagentur warnt, dass es schon in fünf Jahren ernste Versorgungsprobleme geben könnte. Vor allem die großen Schwellenländer brauchen mehr Öl, China ist schon der zweitgrößte Verbraucher der Welt – und alle werden den Preis dafür bezahlen.
Die Ölmultis würden gern neue Felder im Süden und Osten der Erde erschließen, weil die heimischen Quellen versiegen, doch viele Staaten nehmen das Ölgeschäft in die eigenen Hände, ohne in neue Förderanlagen zu investieren. Das Versprechen, der Irak werde zum Global Oil Player, hat sich nicht erfüllt. Und Russland ist ein unsicherer Kantonist, wenn es darum geht, die Ölknappheiten der Welt auszugleichen. Da kann die Opec an der Schraube drehen, wie es ihr gefällt.
Es spricht nichts dafür, dass Öl dauerhaft billiger wird – und vieles dafür, dass wir in ein paar Jahren noch höhere Preise erleben. Dadurch entsteht eine neue Dimension im globalen Wettbewerb: Gewinnen werden die Länder, die ihre Abhängigkeit schnell verringern. Und so gesehen, ist die aktuelle Warnung vom Ölmarkt eine willkommene.
- Datum 20.07.2007 - 13:35 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 19.07.2007 Nr. 30
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In 5 Jahren ist nicht mal ausreichend Zeit um genügend Kernkraftwerke zu bauen die das Öl auch nur halbwegs ersetzen könnten. J.S.
In einigen amerikanischen Großstädten sind die Benzinpreise zum Teil bis auf 99 US-cents (72 Euro-cent) pro Liter angestiegen. Das mag nicht hoch klingen, aber für die Billigbenzin-gewohnten Amis ist es ärgerlich.
Wer behauptet, die Begründungen dieses Artikels kapiert zu haben, müsste lügen:
Der Ölpreis steigt wegen eines Nachfrageschocks --> unter der Annahme eines konstanten Ölangebots: Nachgefragte Menge steigt, genauso wie der Preis.
Ergo, der Wert von Öl steigt, weil es mehr haben wollen.
Wenn das Angebot an Öl aber begrenzt ist, dann müssen halt alternative Energiequellen herangezogen werden.
Der gröbste Denkfehler des Autors besteht darin:
Gerade, weil die Nachfrage nach Öl gestiegen ist, wird es nun erforderlich SCHNELLER auf alternative Energiequellen auszuweichen.
Der zweite Denkfehler des Autors:
Wenn durch einen Nachfrageschock die konsumierte Menge an Öl steigt, dann ist das SCHLECHTER für die Ökobilanz. Dies wird noch deutlicher, wenn man sich vergegenwärtigt, wie umweltschädlich Maschinen in China relativ zu denen in Europa sind.
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