Evolution

Das missverstandene Buch

Charles Darwins Werk über die Entstehung der Arten wird noch immer falsch interpretiert. Selbst Wissenschaftler erliegen populären Irrtümern.

Die Startauflage von 1250 Buchexemplaren war am ersten Tag vergriffen. Seither sind nahezu 150 Jahre vergangen, und doch gilt The Origin of Species aus der Feder des englischen Naturforschers Charles Darwin noch immer als eines der wichtigsten Bücher, die je geschrieben wurden. Das Werk mit dem deutschen Titel Über die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl oder Die Erhaltung der begünstigten Rassen im Kampfe ums Dasein beschäftigt bis heute die Welt. Was aber Darwin selbst genau dachte – etwa über den Prozess der Artentstehung –, darüber sind sich die Exegeten und Experten noch immer uneins.

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Selbstverständlich werden Prozesse der Evolution und die Geschichte des Lebens heute weit besser verstanden als von Darwin und seinen Zeitgenossen im viktorianischen England. Dankenswerterweise gibt es aber immer noch Neues und Überraschendes in der Evolution zu entdecken und Grundsätzliches genauer zu hinterfragen – wie in allen anderen Zweigen der Wissenschaft auch.

In fundamentalistisch religiösen Kreisen ist das Werk bis heute umstritten geblieben, ja verhasst – selbst hierzulande. Hessens Kultusministerin Karin Wolff ist nicht die Einzige, die anregt, auch in biblischen Schöpfungsmythen nach der Wahrheit über das Entstehen von Flora und Fauna zu fahnden, und fordert, biblische »Wahrheiten« in den Biologieunterricht aufzunehmen. So sieht es auch der Augsburger Bischof Mixa. Er hält den Umstand, dass nur Evolution und nicht auch die Genesis im Biologieunterricht gelehrt wird, für »etwas Totalitäres«. Aber mit Verlaub – schon Darwin widerlegte die wörtliche Interpretation der biblischen Schöpfungsgeschichte. Das Thema ist wissenschaftlich längst abgehakt.

Dennoch zeigen die irrigen Entgleisungen selbst aus hiesigen Ministerien oder von Kanzeln, dass es mit dem Verständnis über die natürliche Auslese in der Öffentlichkeit nicht weit her sein kann. Sogar Studenten in evolutionsbiologischen Vorlesungen haben die Entstehung der Arten vor der Veranstaltung meist noch nicht gelesen. Da überrascht es nicht, dass außer Schlagwörtern wie »survival of the fittest« (die Phrase stammt übrigens nicht einmal von Darwin, sondern von Herbert Spencer) die Evolutionstheorie nur oberflächlich bekannt und die Diskussion über sie mit Missverständnissen gespickt ist, selbst wenn sie nicht durch religiöse Scheuklappen verzerrt ist.

Einig sind sich alle Evolutionsbiologen über die weltverändernden Einsichten Darwins: Er entdeckte die Bedeutung der Variation innerhalb von Populationen und die Mechanismen der natürlichen Auslese, die zur Verbesserung von Anpassungen von Organismen an ihre Umwelt führen können. Doch an seinem Argument, dass die natürliche Auslese nicht nur zu verbesserten Anpassungen, sondern auch zu neuen Arten führt, entzweien sich – im Detail – die Expertenmeinungen ebenso wie an der Frage, ob das Entstehen neuer Arten allein durch natürliche Selektion passieren kann. Denn Adaptation und Artbildung sind nicht ein und dasselbe.

Artbildung wird heute von vielen Evolutionsbiologen vornehmlich als nichtselektiertes Beiprodukt geografischer Isolierung von Populationen angesehen. Geografische Trennungen – etwa durch einen sich auftürmenden Gebirgszug oder einen sich verbreiternden Fluss – verhindern Fortpflanzung und bewirken somit, dass keine Gene mehr zwischen Individuen einer Population ausgetauscht werden können (das Konzept des Gens als Einheit der Vererbung kannte Darwin selbstverständlich noch nicht). Artbildung wird somit zumindest nicht immer durch natürliche Auslese erreicht, sondern sozusagen passiv, allein durch die Verhinderung von Genfluss. Gerade was den titelstiftenden Ursprung neuer Arten durch die natürliche Auslese betrifft, sind also die Evolutionsbiologen eineinhalb Jahrhunderte nach Darwin noch immer nicht einer Meinung.

In einigem lag Charles Darwin, wie wir heute wissen, falsch, und über bestimmte Dinge hat er nie nachgedacht. Zudem wird in der Öffentlichkeit vieles über die natürliche Auslese hartnäckig missverstanden, ist falsch tradiert worden oder wird immer wieder falsch wiedergegeben.

Irrtum 1: Die Evolution arbeitet zur Erhaltung der Art

Die »Selbstregulation« der Populationsdichte von Lemmingen, die sich angeblich freiwillig in Massen von Klippen in den Selbsttod stürzen, wenn zu viele von ihnen nicht mehr genügend Nahrung finden, ist nichts als eine Fiktion aus der Welt Hollywoods. Aber offenbar ist sie nicht aus dem kollektiven Gedächtnis zu löschen. Warum die Idee vom vorteilhaften Lemmingtod nicht stimmen kann, verdeutlicht eine einfache Überlegung: Egoistische Lemminge, die den Gruppensuizid nicht mitmachten, würden ihre Gene in mehr Nachkommen der nächsten Generation repräsentiert sehen als die selbstlos sich opfernden Tiere. Das würde schnell zu einer Population egoistischer Lemminge führen – die sich keineswegs freiwillig im Dienst der Gruppe in den evolutionären Heldentod stürzen würden.

Das weitverbreitete Missverständnis, dass die Evolution daran arbeite, Arten zu erhalten, geht auf Konrad Lorenz zurück. Er spricht in seinem Buch Das sogenannte Böse von der »arterhaltenden« Funktion des Kampfverhaltens. So funktioniert die natürliche Auslese aber nicht – sie arbeitet zunächst auf der Ebene des Individuums. Dort herrscht Konkurrenz: Die Individuen einer Population kämpfen um limitierte Ressourcen; Selektion unter ihnen ist die Folge.

So geht es beim Kampf unter Männchen meist um Reviere und den Zugang zu Weibchen. Denn die natürliche Selektion manifestiert sich durch den unterschiedlichen Fortpflanzungserfolg der Individuen innerhalb einer Population – ein stärkeres Männchen zeugt mehr Nachkommen als der Rivale, den er vertrieben hat. Es gilt, möglichst viel eigenes Erbmaterial in den Genpool der nächsten Generation zu schleusen, also mehr Nachfahren zu produzieren als der Konkurrent. Nicht mehr, aber auch nicht weniger fördert die natürliche Selektion.

Dabei sind Artgenossen, zumindest bei sich sexuell fortpflanzenden Arten, erwünschte und notwendige Partner, aber mehr nicht. Es liegt nicht, aus menschlicher Warte gesprochen, im Sinne des Individuums und der Evolution, möglichst viele Artgenossen um sich zu haben. Bei Arten, die in Herden oder Schwärmen leben, kann das zwar für das Individuum von Vorteil sein. Allerdings sind Artgenossen, wegen ihrer identischen ökologischen Bedürfnisse, vor allem aber auch immer die schärfsten Konkurrenten um Nahrung, Nistplätze und Paarungspartner.

Wenn also von der Arterhaltung in der Evolution die Rede ist, so wird – meist unbewusst – von Selektionsebenen über denen des Individuums gesprochen. Selektion kann auch zwischen Gruppen und Arten vorkommen. Sie ist aber notwendigerweise immer indirekter, weniger stark und damit langsamer als jener Selektionsdruck, der am unterschiedlichen Fortpflanzungserfolg des Individuums ansetzt.

Individuen- und Artselektion können manchmal in gegensätzliche Richtungen arbeiten, aber die natürliche Auslese auf der Ebene des Individuums ist immer stärker und schneller und wird sich immer gegen die Gruppenselektion durchsetzen. Was nicht von Vorteil für die individuelle Fitness ist, kann deshalb auch nicht der Arterhaltung dienen. Die natürliche Auslese sieht also das Individuum zuerst und dann erst – wenn überhaupt – die Art.

Irrtum 2: Anpassung ist das notwendige Ergebnis der Evolution

Anpassungen sind nicht Adaptationen zu aktuell herrschenden Umweltbedingungen, sondern die Summe der Anpassungen aller Vorfahren in den vorherigen Generationen. Folgende Annahme ist daher zu einfach gedacht: Wenn sich die Umgebung ändert, muss sich eine Art durch Veränderungen ihrer Individuen anpassen, weil sie ansonsten aussterben würde. Nützliche Mutationen ereignen sich nicht häufiger, nur weil eine neue Selektionsrichtung, beispielsweise ein verändertes Klima, sie bevorteilen würde. Nur wenn eine genetische Variation schon in einigen Individuen der Population vorhanden ist, wird auch eine Veränderung der Häufigkeit ihres Auftretens in der gesamten Art stattfinden können.

Auch wird nicht jede Umweltveränderung unweigerlich zur Verkleinerung der Populationsgröße führen. Der menschgemachte Klimawandel wird das Verbreitungsgebiet und damit die Populationen einiger Arten vergrößern – möglicherweise auf Kosten anderer Arten, aber vielleicht auch nicht. Verändert sich das »Selektionsregime«, ändert sich üblicherweise lediglich die Wahrscheinlichkeit, dass sich bestimmte Mutationen auf alle Individuen einer Population ausbreiten.

Eine veränderte Umwelt muss also nicht in veränderten Adaptationen resultieren. Andererseits können sehr wohl neue Anpassungen in einer völlig konstanten Umwelt auftreten, unter bestimmten Bedingungen sogar, wenn sie nicht vorteilhaft sind.

Irrtum 3: Evolution strebt nach Perfektion

Natürliche Selektion ist nicht gleich natürliche Perfektion. Schon Darwin war klar, dass die Evolution nicht nach Höherem strebt, ja nicht streben kann. Trotzdem behaupten Tierfilmer gerne, der Gepard sei »der perfekte Jäger« oder die Schwalbe »die optimale Fliegerin«. Selektion wird lediglich dazu führen, dass aus der Auswahl der in einer bestimmten Generation zur Verfügung stehenden Genkombinationen eine bestimmte mehr Nachkommen in der nächsten Generation hinterlassen wird als andere: diejenige, die sich unter den herrschenden Selektionsbedingungen besonders bewährt, also fortpflanzt – wobei unter manchen Bedingungen der Zufall und Besonderheiten der Genetik der Merkmale eine größere Rolle spielen als die Auslese.

Allerdings ändern sich neben den Genkombinationen und deren Häufigkeit innerhalb einer Population auch die Umweltbedingungen von Generation zu Generation und mit ihnen die Stärke der Selektion und ihre Richtung. So ist vielleicht Körpergröße oder Schnelligkeit unter bestimmten Bedingungen von Vorteil. Aber schon in der nächsten Generation profitieren die Individuen womöglich von anderen verhaltensbiologischen oder physiologischen Attributen, die in eine ganz andere, vielleicht sogar gegenläufige Selektionsrichtung gehen.

Die perfekte Adaptation gibt es auch aus anderen Gründen nicht. Beispielsweise, weil eine noch so starke Selektion viele entwicklungsbiologische oder genetische Vorbedingungen und Einschränkungen nicht überwinden kann. So ist schon seit dem Devon genetisch festgelegt, dass Landwirbeltiere nicht mehr als fünf Finger ausbilden können. Unser Fischvorfahr, der das Land damals besiedelte, hatte einfach nur fünf und nicht acht oder zwölf davon.

Obwohl es unter theoretischen Bedingungen noch so vorteilhaft wäre, wird keine Art von Landwirbeltieren je mehr als fünf Finger herausbilden können. Die Evolution kann nur mit dem arbeiten, was ihr genetisch und entwicklungsbiologisch zur Verfügung steht. Und sie kann die Zukunft nicht antizipieren – auch deshalb scheiterten die allermeisten Versuche (Arten) schon nach wenigen Millionen Jahren: Sie starben aus.

Irrtum 4: Evolution bedeutet immer auch Fortschritt

Der amerikanische Fotograf Art Wolfe hat eindrucksvolle Beispiele tierischen Versteckspiels gesammelt – hier eine afrikanische Heuschrecke. Sein Buch "Kunst der Tarnung" wurde 2006 zum Wissenschaftsbuch des Jahres gewählt (Verlag Frederking und Thaler, München 39,90 Euro)

Der amerikanische Fotograf Art Wolfe hat eindrucksvolle Beispiele tierischen Versteckspiels gesammelt – hier eine afrikanische Heuschrecke. Sein Buch "Kunst der Tarnung" wurde 2006 zum Wissenschaftsbuch des Jahres gewählt (Verlag Frederking und Thaler, München 39,90 Euro)

Ähnlich wie die Konzepte der Optimalität und Perfektion impliziert die Vorstellung von Fortschritt, dass die Evolution zielgerichtet ablaufe. Aber sie verfolgt kein Ziel, zumindest kein absolutes. Die Entwicklung des Menschen war in keiner Form vorgegeben oder je das Ziel der Evolution. Der vor fünf Jahren verstorbene Evolutionsbiologe und Essayist Stephen Jay Gould von der Harvard-Universität wiederholte stets: Würde das Tonband der Evolution zurückgespult, entstünde jedes Mal andere Musik. Zufall und damit Unvorhersagbarkeit spielt in der Evolution eine große Rolle. Darüber herrscht (fast) vollkommene Einigkeit unter Evolutionsbiologen.

In Jahrmillionen hat sich die Komplexität in vielen, aber nicht allen evolutionären Linien erhöht – schließlich dekorieren nicht mehr alle Lebensformen als Verwandte der Blaualgen Steine in Flüssen und Seen. Allerdings sind »Fortschritt« oder »Komplexität« genauso wie »Verbesserung« oder »Erfolg« schwer quantifizierbare Größen. Sicherlich gibt es auf der makroevolutionären Ebene Trends, die man als Fortschritt oder Verbesserung bezeichnen könnte. Dennoch sind in puncto Biomasse, Artenvielfalt und Komplexität der genetischen und chemischen Interaktionen die Bakterien unübertroffen vielgestaltiger als jede andere Lebensform. Wie Gould immer wieder betonte, leben wir im Zeitalter der Bakterien.

Wie passt dies zusammen? Es ist doch offensichtlich, dass in den mehr als 3,6 Milliarden Jahren, die vergangen sind, seit das Leben auf diesem Planeten entstand, Lebewesen komplexer geworden sind. Ist Evolution also ein Mechanismus, durch den alle Lebensformen immer »komplexer« und »fortschrittlicher« werden? Nein – Fortschritt und Komplexität sind keine Zwillinge, die notwendigerweise Hand in Hand gehen. So kann Erfolg in der Evolution in der Lebens- oder Verweildauer auf dem Planeten gemessen werden. Auch in diesem Kriterium sind Bakterien die erfolgreichste Lebensform.

Generell korreliert die Körpergröße bei Pflanzen und Tieren mit der Anzahl verschiedener Zelltypen. Sehr kleine Organismen brauchen beispielsweise keine speziellen Organe, um Sauerstoff aufzunehmen. Der diffundiert bei kleinen Tieren in alle Teile des Körpers – aber diese Organisationsform taugt nicht in großen Körpern. Deshalb werden ab einer speziellen Größe besondere Zellen (Blutkörperchen) und Organe (beispielsweise Lungen oder Kiemen) benötigt.

Diese Größenabhängigkeit trifft auch auf mehrere andere Zell- und Organsysteme zu. Und umgekehrt hat auch die Evolution neuer Zelltypen und Organe dazu geführt, dass die Größe von Lebewesen zugenommen hat. Größe bedeutet auch, dass man weniger oft Beute ist. Ein Brocken von Tier wird nicht mehr so leicht gefressen, futtert aber im Gegenzug selber viele kleine Organismen weg. Deshalb ist ein erkennbarer Trend zu größeren Lebewesen in der Evolution ersichtlich. Unumkehrbar ist dieser evolutionäre Trend allerdings nicht. Das zeigt der oft in der Evolution erfolgte Schritt zu Parasitismus, mit dem in vielen Linien eine radikale Verkleinerung und Vereinfachung der Baupläne und der Physiologie einhergeht.

Irrtum 5: In der Natur herrscht Harmonie

Die natürliche Selektion fördert egoistische Merkmale, die dem Individuum helfen, die eigenen Gene über die Nachfahren zu vermehren. Dies kann auch auf Kosten der Individuenzahl, die insgesamt eine Art ausmacht, geschehen. Dafür gibt es ungezählte Beispiele wie etwa den Infantizid. Hat ein neuer »Pascha« die Kontrolle über ein Rudel Löwenweibchen erkämpft, tötet er zunächst alle Löwenjungen, denn sie tragen nicht seine Gene. So erreicht das Männchen, dass alle Löwinnen gleichzeitig in den Östrus kommen; die neuen Jungen werden dann seine genetischen Nachkommen sein.

Oft viel schwerer hinsichtlich der natürlichen Selektion lässt sich kooperatives Verhalten erklären. Risikoreiches oder aufopferndes elterliches Verhalten leuchtet ein: Eltern riskieren das eigene Leben, um den Nachfahren und damit ihren Genen eine größere Überlebenschance zu geben. Diese Art von Kooperation innerhalb von Familien oder verwandten Sippen kann jedoch nicht zum Guten einer anderen Art funktionieren. Trotzdem verhalten sich viele Tiere scheinbar vorteilhaft für andere Arten: Bienen bestäuben Blüten, Vögel transportieren Samen über weite Strecken. Allerdings geht es dabei immer um gegenseitigen Vorteil – die Bienen bestäuben Blüten, aber leben auch vom Pollen der Pflanzen – oder um Manipulationen. Solche kleinen »Verführungstricks« der Natur kosten die eine Art wenig, bringen aber einer anderen große Vorteile. Zum Beispiel werden Insekten zur »Kopulation« mit Orchideenblüten verführt und bestäuben diese dabei. Die Orchidee hat einen großen Vorteil, und die Insekten zahlen nur einen kleinen Preis dafür, der offensichtlich nicht hoch genug war, dieses Verhalten abzulegen oder sie gar zum Aussterben zu bringen.

Ökologische Gemeinschaften, die aus mehreren, teils voneinander abhängigen Arten zusammengesetzt sind, scheinen oft in einer Art Gleichgewicht zu sein. Dies wird naturphilosophisch gerne als Harmoniebestreben der Natur interpretiert. Allerdings ist diese Harmonie nur Schein, denn der Räuber beschränkt sich nicht darauf, die Kranken und Schwachen zu töten, um seine Beutepopulation »gesund« zu halten. Vielmehr frisst er alle Beute, die er jagen kann. Dass es seltener die Gesunden oder Fortpflanzungsfähigen erwischt, hat mit deren höherer Wahrscheinlichkeit zu tun, dem Tod zu entgehen. Könnte er, würde der Räuber aber alle Beutetiere fressen – selbst wenn deren Ausrottung ihm letztendlich zum Nachteil gereichen würde. Ökosysteme streben nicht nach Harmonie und Balance.

Irrtum 6: Die Natur verhält sich gut, sie hat Moral

Genauso wenig wie man anderen natürlichen Phänomenen wie einem Tsunami oder einem Vulkanausbruch Gerechtigkeit oder Grausamkeit zuschreibt, treffen solche Begriffe auf die natürliche Selektion zu. Sie basiert allein auf Fortpflanzungsunterschieden zwischen Individuen einer Population. Daher ist die Natur weder moralisch noch unmoralisch. Sie strebt weder nach Schönheit noch nach Harmonie oder Stärke. Was »natürlich« ist, ist nicht notwendigerweise im philosophischen Sinne moralisch gut.

Dies trifft auch dann zu, wenn falsch verstandene evolutionäre Prinzipien als sogenannte sozialdarwinistische Extrapolation auf das menschliche Miteinander – besser: Gegeneinander – angewendet werden. Hier wird die natürliche Auslese überinterpretiert. Wir verlangen zu viel von ihr.

Sie ist zwar mächtig, aber dennoch lediglich ein blinder und planloser Prozess. Das wusste schon Darwin

Axel Meyer ist Professor für Zoologie und Evolutionsbiologie an der Universität Konstanz

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Leser-Kommentare

  1. Eine Selektion die nicht auf einer Genetischen Änderung beruht wird keine Evolution bewirken. Wenn die DNA sich nicht geändert hat wird die nächste Generation nicht anders sein.
    Wenn man den Mensch, als hochkomplexes Wesen mit seinen vielen komplizierten Regelsystemen, dann die weltweite Elite der Wissenschaft die mit Computer und technischen Hilfsmitteln viele Mannjahre benötigt, um allein die menschliche DNA aufzuschlüsseln. Dann ahnt man wie Komplexität des System Mensch. Wie dieser Code zu interpretieren ist, und wie die verschiedenen Gene zusammenhängen ist die Aufabe der kommenden Generation(en). Es werden täglich neue Gendefekte analysiert.
    Wenn ich davon ausgehe das die Analyse bereits so komplex ist, wird eine Synthese, dazu eine zufällige und gleichzeitig positive Änderung einzelner oder sogar mehrerer Gene, sehr sehr unwahrscheinlich, mathematisch jedoch denkbar. Die einfache Gleichung wenn man die nötigen Änderungen von der Urzelle bis zum Menschen errechnet, erfordert sicherlich Milliarden Änderungen und deshalb sicherlich viele Milliarden Lebewesen und Milliarden Generationen und als Ergebnis viele Milliarden Jahre.
    Was bei Viren und Bakterien noch gut vorstellbar ist, ist aus meiner Sicht nicht auf den Menschen skalierbar.

    Es müsste ähnlich wie bei einem Embryo von dem Einzeller bis zum zum fertigen Mensch, jeder Zwischenschritt lebensfähig sein. dazu muss es eine Kette von Entwicklungen geben, die schließlich zum Mensch führen kann. Das ganze ohne Gebärmutter und ohne Geburt bei dem sich die Lungen umstellen. Im übrigen muss jeder Schritt möglichst viele Nachkommen bilden können.

    Dann muss jeder Schritt positiv selektiert werden. Was bei der Bakterie funktioniert stell ich mit beim Menschen schwierig vor. Stellen wir uns vor eine Familie hat Nachkommen die besser sieht, oder schneller laufen kann.
    In wieviel Jahren besteht die Menschheit dann nur noch aus Ihren Nachkommen?

    Als naturwissenschaftliche Laie stelle ich meine Fragen anhand einfacher Beispiele.

    Würde ich mich outen als ein Mensch der an eine Schöpfung glaubt, riskiere ich, dass meine konkrete Anfragen an die Evolutiontheorie nicht ernst genommen werden.
    Anderseits ist es richtig, dass eine solch tiefsitzende Überzeugung, auch nach korrekter Beantwortung aller kritischen Anfragen, vermutlich nicht geändert wird. Diese Aussage trifft im übrigen auch auf einzelne Wissenschaftler bei denen ungelöste Fragen an die Evolution zu neuen Forschungen führt.
    Sollte es sich herausstellen das es mathematisch nicht haltbar ist, wird dann vermutlich eine inteligente gerichtete Selektion postuliert, dessen Mechanismen dann noch erforscht werden müssen.
    Sollte die Evolution jemals revidiert werden, kann dies nur aus der Wissenschaft heraus selbst geschehen. Der Verzicht auf den Schöpfungsglaube ist durch die Individualität auch nicht aus den Religionsgruppen heraus revidierbar. In diesem Sinne ist die Wissenschaft überlegen. Deshalb wird dieses Spannungsfeld auch erhalten belieben, vielleicht für Tausende oder gar Millionen von Jahren, unter Umständen wird die Meinung derjenigen überleben, die mehr Nachkommen haben. ;-)

    • 21.07.2007 um 14:36 Uhr
    • hegeo

    Hallo markusgreiner,
    ich möchte gerne einige ihrer Punkte kommentieren und
    aus meiner persönlichen Sicht naturwissenschaftlich etwas erläutern (auch wenn ich kein Evolutionsbiologe bin, weshalb sich sicherlich der ein oder andere Fehler einschleicht).

    Sollte ich sie falsch verstanden haben, würde ich mich freuen wenn sie ihre Fragen/Aussagen präzisieren könnten.

    1. Ich verstehe ihren Zusammenhang zwischen der Dauer der Sequenzierung und Interpretation des menschlichen Genoms und der Entstehung genetischer Änderungen im Selbigen nicht ("Wenn ich davon ausgehe das die Analyse bereits so komplex ist, wird [...] eine [...] positive Änderung einzelner [...] Gene sehr sehr unwahrscheinlich...").
    Die Dauer der Sequenzierung des Genoms wurde allein durch die zu diesem Zeitpunkt verfügbaren technischen Möglichkeiten vorgegeben (nebenbei braucht man keine "weltweite Elite der Wissenschaft" um Genome zu entschlüsseln- das ist zwar eine langwierige aber nur selten wissenschaftlich anspruchsvolle Arbeit, für baktierielle Genome gibt es schon länger Automaten).
    Die Interpretation der Genomstruktur wird, wie sie schon richtig sagen, wohl noch Generationen von Wissenschaftlern beschäftigen.
    Allerdings ist ihr oben zitierter Schluss daraus meiner Ansicht nach völlig irrational. Nur weil die Wissenschaft ihrer Meinung nach lange braucht um das Genom zu interpretieren, lässt das doch keinerlei Vermutungen über die Wahrscheinlichkeit von genetischen Mutationen zu.

    2. Ich bin kein Freund von Begriffen wie "positive Änderung von Genen" u.ä. Man muss sich immer bewusst sein, worum es sich bei Genen (zumindest bei den "klassischen" proteincodierenden) handelt: Sie sind die Vorlage für Aminosäureketten die sich zu funktionellen Proteinen falten (z.B. Enzymen). Bei Enzymen handelt es sich im Endeffekt um einen strukturierten dreidimensionalen Körper mit einer Oberfläche, die über elektromagnetische Wechselwirkungen (geladen/ungeladen, polar/unpolar etc.) mit der Umwelt interagiert. Änderungen in der Gensequenz (= Änderungen der Aminosäuresequenz) führen also zu (häufig nur geringfügigen) Änderungen in der dreidimensionalen Struktur und in der Ladung der Oberfläche, was zu Änderungen in der Reaktionsgeschwindigkeit, Substratauswahl etc. führen kann (natürlich kann eine Änderung aber auch zu einem nicht mehr funktionellen Protein führen). Alle Änderungen werden durch Austausch einer der Basen A,T,G oder C hervorgerufen. JEDES Basentriplett (also z.B. AGG,TGC) codiert für eine Aminosäure (oder ein STOP). D.h. (fast) alle Änderungen im Gen führen zu veränderten Proteinstrukturen und damit auch zu veränderten Proteineigenschaften (d.h. jede Änderung ist "sinnvoll", nicht zu vergleichen mit einem Gedicht in dem sie jedes "e" durch "x" ersetzen, was das Gedicht unwiderruflich unsinnig und falsch macht). Ob diese "besser" (in ihrem Sinne "positive" Änderungen) oder "schlechter" sind, wird von den aktuellen Umweltbedingungen entschieden.

    3. Es scheint mir so als gingen sie von einem relativ statischen Genom einer "Urzelle" aus, das sich Mutation um Mutation verändert, bis irgendwann ein Mensch rauskommt. Stellen sie sich Genome eher hochvariabel vor. Genduplikationen und -veränderungen sind nicht unnatürlich sondern eher die Regel, und unser Genom sieht auch alles andere als perfekt aus. Als Vergleich bietet sich eine lange nicht mehr aufgeräumte Computerfestplatte an, voller Sicherungskopien, kaputter Daten, Speicherstände, einer übervollen Registry etc.

    4. Ihren Abschnitt "Es müsste ähnlich wie bei einem Embryo [...]" bis "[...] viele Nachkommen bilden können." verstehe ich nicht.
    a) Was meinen sie mit "jeder Zwischenschritt lebensfähig"?. Jeder "Zwischenschritt" der Evolution bis zu uns ist lebensfähig (und fortpflanzungsfähig) gewesen. Wir sehen doch Zwischenschritte (genaugenommen, andere heute vorläufige Endprodukte der Zwischenschritte von denen aus unsere Vorfahren anders "abgebogen" sind) der Evolution, seien es Bakterien auf der einen Seite und auf Seiten der Eukaryonten Hefen, Augentierchen, Algen, etc., von höheren Tieren und Pflanzen ganz zu schweigen.
    b) "[Es muss] eine Reihe von Entwicklungen geben, die schließlich zum Menschen führen kann". Wir sehen die Entwicklung eines Zellkerns, die kontinuierliche Entwicklung eines Nervensystems (von Hydren bis zu uns),
    die Entwicklung von Muskeln, inneren Organen, Atmung (im Wasser und an Land siehe Choanenfische, Lungenfische),
    die Entwicklung der Säuger (Plazenta und Uterus eingeschlossen), der Primaten (großes Gehirn, Sehsinn als entscheidender), die Entwicklung der Feinmotorik der Hand, der Kommunikation, des "Ichs", etc. Ich bin mir nicht klar darüber welche Entwicklung sie sonst noch meinen.
    c) "Das ganze ohne Gebärmutter und ohne Geburt bei dem sich die Lungen umstellen." Ich habe keinen blassen Schimmer was sie damit meinen. Der Mensch stammt laut aktuellem Kentnisstand von einem Primatenvorfahren (mit Gebärmutter und Lungen) ab - Und nicht direkt von einem Stück Bäckerhefe ;-)

    5. "Dann muss jeder Schritt positiv selektiert werden.[...]" etc. Nichts muss positiv selektiert werden. Wer die Anforderungen nicht erfüllt stirbt weg (auf längere Sicht). Sie missverstehen Selektion als eine Art "herauspicken der Guten".
    Des weiteren ist Selektion unter Menschen gerade an ihrem Beispiel "besser sehen, schneller laufen" für die heutige Zeit nicht angebracht.

    Bekommt ein Mensch generell mehr Nachkommen wenn er die Bahn im Sprint häufiger "gerade noch so" erreicht ? Oder beim Jogging mehr Runden läuft? Wenn er die Uhr aus größerer Entfernung ablesen kann? Diese beiden Faktoren sind heute für unser Überleben nicht mehr entscheidend.
    Prof. Axel Meyer schreibt in seinem Artikel ja dass die direkte Anwendung evolutionärer Prinzipien in unserer Gesellschaft heute nicht so einfach ist.

    Generell gibt es zu dem Thema Mensch und Evolution einen guten Satz, dessen Ursprung ich leider vergessen habe: " Der Mensch ändert seine Umwelt schneller als die seine Gene ändern kann."

  2. Sehr geehrte Redaktion,
    leider häufen sich seit Monaten auch in der ZEIT sprachliche "Entgleisungen" wie diese: "Dennoch zeigen die irrigen Entgleisungen selbst aus hiesigen Ministerien oder von Kanzeln, dass es mit dem Verständnis über die natürliche Auslese in der Öffentlichkeit nicht weit her sein kann." Was bedeutet dieser Satz? Wer ist aus(!) einem Ministerium oder von(!) einer Kanzel entgleist? Wer versteht nichts über(!) die natürliche Auslese? Man versteht es nicht. Es ist kein Deutsch.
    MfG

  3. ... als seine heutigen Apologeten, denn er postulierte ZWEI Arten der Selektion, die sich so konträr entgegenstehen wie Sympathikus und Parasympathikus. Die von Ihnen ausgewählten Tier-Photos illustrieren diese einseitige Sichtweise sehr schön - Neben der natural selection, welche die Anpassung an die Umgebung fördert, gibt es nämlich noch die sexual selection, die dazu führt, dass gerade die auffälligsten und "unangepasstesten" Männchen ausgewählt werden und zur Fortpflanzung kommen. Neben den kaum sichtbaren Bartkauz hätte also noch ein Photo des Goldfasans gehört, der so krass wie möglich von seiner Umgebung absticht und noch einen derart langen und nutzlosen Schweif hinter sich durchs Unterholz schleift, dass er nach dem Kanon der natural selection schon lange ausgestorben sein müßte. Darwin selbst betrachtete die Natur noch mit ausreichend viel Ehrfurcht, um diese sich widersprechenden Prinzipien einfach nebeneinander stehen zu lassen, auch wenn dann auf diese Weise gar keine "Theorie der Selektion" zustandekommt. Er war eben kein Darwinist, im Gegensatz zu Spencer oder Haeckel.

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    Na gut, wenn Darwin kein Darwinist war, dann muss Jesus auch kein Christ gewesen sein - wofür es ja auch massive Indizien gibt...!

    Nun aber zur Sache bzw. dem Pfau. Ist es nicht so, soll es nicht so sein, dass er mit diesem Feder-Rad bzw. dieser Federschleppe - welches ihm offenbar keine besonders großen Nachteile bringt, die ihn z.B. eher sterben lassen - nicht demonstriert und, vor seiner Entstehung, demonstrierte, dass er besonders gesund und immunkompetent oder sonstwas ist, dass ihm so ein schönes Rad wächst? Er demonstriert hier sozusagen dem Weibchen seinen Gesundheit und Potenz optisch sehr eindrucksvoll, wie männliche Wesen dies heute ja mit großen Autos tun (die eigentlich auch nicht nötig sind, aber jungen Frauen eben zeigen: ich komme an besonders viele Ressourcen, ich bin wer...!). Dies sexuelle Selektion muss also immer im Rahmen der natürliche Selektion bleiben, kann diese aber eben auch vorantreiben, weil so eben nur die Gesündesten ausgewählt werden. Würde die Ausbildung der Feder-Schlappe zum wirklichen Nachteil, würden Individuen, die dazu neigen, so schwächer. Gäbe es in dieser Art Exemplare, die diesen weniger ausbilden, und die deshalb dann vitaler sind, dann würden a la long wohl diese mehr Erfolg bei den Weibchen haben, da es dann ja weniger große Schlappenträger geben würde. Hier würde ein Teil der heutigen Verlierer dann wohl zum Gewinner.

    • 22.07.2007 um 0:25 Uhr
    • dlv

    Folgender angedeutete Algorithmus würde, als herrschendes Naturgesetz, das Werden und das Vergehen in der Welt gut beschreiben:

    1. Alle Lebewesen haben einen Bauplan.
    2. Lebewesen können sich zu Lebzeiten fortpflanzen.
    3. Die Nachkommen erhalten ihre Baupläne durch Vererbung.
    4. Die stets begrenzte Lebensdauer jedes Lebewesens, und damit auch das Ausmaß seiner Fortpflanzung hängen von mehr oder weniger beobachtbaren Bedingungen ab - wie Anpassung, Fitness, Wettbewerb, Umweltbedingungen, und anderem mehr.

    Man stellt darüber hinaus fest:
    Die Baupläne der Lebewesen unterscheiden sich, von Lebensform zu Lebensform, sowie von Lebewesen zu Lebewesen. So ist jedes Lebewesen einzigartig.

    Soweit sind sich wohl alle einig.

    Darwin ergänzte diesen Algorithmus um die Behauptung, es würde eine Entwicklung von Nachkomme zu Nachkomme geben, bei der langfristig andersartige und sogar komplexere Lebensformen entstehen können.

    Die Forderung, dass es gestaltende Kräfte geben muß, um eben eine Entwicklungen hervorzubringen, begegnete Darwin mit seinem Prinzip der Mutation und der Selektion. Diese Entwicklung musste in sehr kleinen Schritten ablaufen, sonst könnte man ihr ja dabei zuschauen. So hatte Darwin nur die Resultate seiner angenommenen Entwicklung vor Augen, die ihn wiederum zu seiner Sichtweise inspiriert hatten. Damit erklärte er die Entstehung der Artenvielfalt.

    Der Kern der neuen Behauptung war der der Fortentwicklung. Diesen bezweifelt der Kreationismus. Er setzt ihm das Konzept der Schöpfung gegenüber.

    Nimmt man die Herausforderung dieses Widerspruches an, so reicht es nicht nur, die jeweilige Theorie zu untermauern. Man muss auch sämtliche Gegengründe widerlegen.

    Leider erfährt man nur recht wenig über eine sachliche
    Gegenüberstellung b e i d e r Positionen.

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    @dlv   norbert1

    Eine sachliche Gegenueberstellung beider Positionen ist gar nicht moeglich. Der Kreationismus laesst sich mangels Fakten sachlich nicht behandeln, wohl aber die wissenschaftliche Position, die zwar nicht alle aber viele beweisbare Antworten hat.

  4. 6. @dlv

    Eine sachliche Gegenueberstellung beider Positionen ist gar nicht moeglich. Der Kreationismus laesst sich mangels Fakten sachlich nicht behandeln, wohl aber die wissenschaftliche Position, die zwar nicht alle aber viele beweisbare Antworten hat.

    Antwort auf "Algorithmen"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    Beweise   raggyman

    Man weiß ja gar nicht wie veile beweise vor uns versteckt werden. In amerika gibt es ein istitut das sehr viele Funde vor uns versteckt. Weil sie angst haben uns die wahrheit zu zeigen. Es Gab menschen die über 3 meter groß wurden. es gibt nämlich hute auch noch menschen die über 2,5 meter groß werden.

  5. Das Wandlungsproblem wird durch eine Selektionstheorie mit dem Postulat einer alleinigen Außenselektion im Sinne Darwins natürlich nicht gelöst. Die jeweils erste Entstehung der neuen morphologischen, physiologischen und verhaltensmäßigen Ausstattung einer Spezies entwickelt sich evolutionär unabhängig von der möglicherweise sekundär (a posteriori) einwirkenden „äußeren“ Selektion über interne Konstruktions/Bifurkationsmechanismen, die aufzufinden sind. Die Erwartung, das Existieren eines „inneren Prinzips“, einer „inneren Ursache“, welche Ordnung und Richtungssinn in der Evolution bestimmt, wurde von namhaften Forschern vorgebracht. Rupert Riedl sprach hier von der „Grundfrage der Evolutionstheorie“. Evolutionsbiologe Axel Meyer spricht vom „Irrtum“, dass in der Natur Harmonie herrsche: „Sie strebt weder nach Schönheit noch nach Harmonie“; Professoren können irren. Die bekannten Hauptmechanismen biologischer Evolution – Selektion (Darwinismus), Mutation (Neo-Darwinismus) und Populationsdynamik reichen nicht aus, um die erweiterungsbedürftige Evolutionslehre wirklich zu verstehen.

    Emergenz, das heißt das Auftauchen neuer Systeme beziehungsweise neuer Systemeigenschaften in der Evolution, kann als selbstorganisierende Prozessdynamik beschrieben werden: Wie im Prozess des evolutionären Geschehens konstruktiv Neues entsteht, vermag eine den Formenwandel erklärende, umfassende evolutionär orientierte Symmetrietheorie zu beschreiben. Das Forschungsprogramm Evolutionäre Symmetrietheorie (kurz: EST) belegt den neuen Aspekt eines engen Zusammenhangs von Symmetrie bzw. Symmetriebrechung und der Dynamik struktur- und musterbildender selbstorganisierender (anorganischer und organischer) Systeme. Es wurde in der (vergriffenen) Anthologie „Evolutionäre Symmetrietheorie: Selbstorganisation und dynamische Systeme“ (Stuttgart 1996; Hrsg. Werner Hahn und Peter Weibel) aus der Sicht verschiedener Disziplinen erörtert: Symmetriebrechung als Prozess kann, verknüpft mit der Symmetrie-Neubildung, als Motor der Evolution verstanden werden. Zur EST siehe www.art-and-science.de Links PDF EST, Evolutionäre Symmetrietheorie. 1997 schrieb Spektrum der Wissenschaft: „Möglicherweise wird dieses Buch in der Zukunft von hohem Wert sein als Leitfaden zur Entdeckung neuer allgemeiner Charaktere der Naturkräfte“ (Rezensent Bremer).

  6. dass der autor sich bereits eingangs der diffamierung seiner angeblichen gegner (deren "gegnerschaft" offenbar nur im auge des autors besteht) bedient, um seine these zu untermauern, ist kaum geeignet, ihm vertrauen entgegen zu bringen.
    ich bezweifele stark, dass wolff oder mixa der unterstellten "wörtlichen interpretation der schöpfungsgeschichte" anhängen -- der autor ist, wie soviele "kämpferische atheisten" ca 100 bis 150 jahre hinter der theologischen wissenschaft, namentlich der exegese, hinterher, nimmt nichtsdestotrotz für sich in anspruch, andere aufgrund seines schwer veralteten wissenstandes beurteilen zu können!

    ob die biblischen schöpfungsberichte im biologie-unterricht an der richtigen stelle sind, darf man bezweifeln (im interesse eines fächer- und themenübergreifenden unterrichts zb der bereiche deutsch, religion, geschichte, ... wäre es wohl wünschenswert) -- die diffamierung als fundamentalisten bzw die einordnung in das (bei der zeit ggw _sehr_ beliebte feindbild) "kreationismus" jedoch ist entlarvend!
    nach meiner erfahrung ist gerade der naturwissenschaftliche unterricht der unterricht, der am ehesten totalitäre züge zeigt, da die meisten seiner vetreter nicht in der lage sind die begrenztheit und vorläufigkeit aller wissenschaftlichen erkenntnis zuzugeben und zu vermitteln. stattdessen wird häufig ein intoleranter vulgär-atheismus gepflegt, der sich in beleidigung und diskriminierung v a religös gebundener schüler äussert (häufig in dem unhaltbaren vorurteil begründet, dem der autor offenbar auch anhängt, dass religiöse bindung und naturwissenschaft, namentlich anerkennung der evolutionstheorie, nicht zusammengehen).
    ein eindruck, den der autor befestigt.

    der zweite punkt, der mir im artikel aufgestossen ist:
    weibliche individuen einer spezies kommen bestenfalls als passive werkzeuge der evolutionären entwicklung vor.
    aktiv sind für den autor lediglich die männlichen individuen -- das weibchen ist offenbar das passive, stets empfangsbereite und willenlose werkzeug der kämpfenden männchen, die die evolution unter sich ausmachen.

    ausserdem: "Obwohl es unter theoretischen Bedingungen noch so vorteilhaft wäre, wird keine Art von Landwirbeltieren je mehr als fünf Finger herausbilden können." korfström (weil nichts ein kann, was nicht sein darf)? was ist mit denjenigen, die tatsächlich _6_ finger haben? nicht der erwähnung wert ...

    zum letzten: wieso gerade der autor die wahre und korrekte auslegung des buches liefern kann ("Charles Darwins Werk über die Entstehung der Arten wird noch immer falsch interpretiert. Selbst Wissenschaftler erliegen populären Irrtümern."), wird nirgendwo begründet -- es ist offenbar als glaubenssatz (dogma) anzuerkennen ....

    so interessant der artikel ist, der verzicht auf die demonstration seiner vorurteile und etwas mehr überlegung hätte autor und artikel gutgetan.

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    (wenn überhaupt).

    Man muss es immer wieder wiederholen: die einzigartige Erfolgsgeschichte der Naturwissenschaften ist untrennbar verbunden mit der Erweiterung ihres Geltungsbereiches.

    Es begann (nach diversen Ouvertüren) mit dem Paukenschlag von Newton, dass im Himmel (gemeint ist der Nachthimmel) dieselben Gesetze der Schwerkraft gelten wie auf Erden. (Für die Griechen wäre das vermutlich die reine Häresie gewesen.)

    Ein weiterer Meilenstein war die Entwicklung der organischen Chemie. (Bis dato wurde eine besondere Lebenskraft für die Synthese organischer Moleküle postuliert.)

    Die Theorien Darwins markieren somit nur einen weiteren Aspekt des immer größer werdenden Geltungsbereiches der entdeckten physikalischen (und darauf beruhenden chemischen, biologischen etc. etc.) Gesetzmäßigkeiten.

    Ist das eine Garantie, dass es immer so weiter geht?

    Nein, aber ich möchte doch gute Argumente hören, bevor ich mich auf eine derartige Relativierung des Erklärungsbereiches einlasse, wie es von den Kreationisten gefordert wird.

    Alles, was ich von dieser Seite höre, ist 'ad hoc', hat denselben Erklärungswert wie meine Botschaft, dass die Welt erst vor 314 Jahren erschaffen wurde, aber eben gerade so, dass es so aussieht, als hätte es sie schon länger gegeben.

    Auch das Verweisen auf offene Enden ist zu billig. Ich bitte sehr um einen zweiten( dritten, vierten,... ) Blick, ob solche offenen Enden nicht um Rahmen der geltenden (partiell zu modifizierenden) Naturgesetze zu schließen sind.

    Nehmen Sie sich die Physiker zum Vorbild: Als bei gewissen mikrophysikalischen Prozessen, die Energiebilanz nicht mehr zu stimmen schien, hat man den Energiesatz auch nicht einfach über den Haufen geworfen.

    Man hat intelligente Annahmen gemacht, die später physikalisch überprüft und bestätigt werden konnten.

    Das sollen unsere Damen und Herren Kreationisten einmal nachmachen.

    Herzlichst Crest

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  • Von Axel Meyer
  • Datum 30.12.2008 - 11:16 Uhr
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  • Quelle DIE ZEIT, 19.07.2007 Nr. 30
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  • Schlagworte Wissenschaft | Charles Darwin
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