Parteien Ist die SPD noch zu retten?Seite 5/5

Und was können wir der SPD als Ergebnis unserer Expedition berichten? Erstens: Früher war alles besser. Zweitens: Seitens der Passanten reichen die Anregungen von „Bart weg“ bis „Beck weg“. Drittens: Der einzige kleine Mann, für den die SPD derzeit Politik macht, ist Oskar Lafontaine. Viertens: 32 Unterschriften.

Kurt Beck sollte das wissen. Als wir um kurz nach sechs in der SPD-Zentrale eintreffen, liegt der Sozi-Fanshop schon im Dunkel, die Dame an der Pförtnerloge ruht in Feierabendstille. Wahrscheinlich ist Beck längst weg. Wenn nicht, sagt er sicher: Erst mal waschen und rasieren.

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Wir ordnen gerade unser Haar, als die Treppe über dem Foyer ins Schwingen gerät. Ledersohlen schlagen auf Holz, ein Trupp von Anzugträgern kommt herunter, schwarz, schnell, schweigend, in ihrer Mitte – Kurt Beck. Er rauscht vorbei wie ein Dampfer. Draußen startet sein Fahrer einen schwarzen Phaeton, wahrscheinlich ist der noch von Schröder.

Herr Beck! Über die Schulter hinweg fragt er: „Was denn?“ Wir haben hier Unterschriften für Sie. Beck schaltet ein Plakatlächeln ein und dreht mit seinem schweren Körper bei. „Wofür?“ Für die Rettung der SPD. Beck schaltet sein Plakatlächeln wieder aus und dreht sich so schnell um, dass unser Fotograf ihn nur noch von hinten erwischt. „Was für ’n Käse!“, hören wir ihn noch rufen.

Niemand an diesem Tag hat die Situation so schnell erfasst wie er. Der Mann wird wohl unterschätzt.

Hier finden Sie das Flugblatt des fiktiven "Vereins zur Rettung der SPD" als PDF »

 
Leser-Kommentare
  1. Es gibt doch schon eine Auffanggesellschaft, nennt man das so? Die spd als linker Fluegel der CDU, vielleicht schaffen sie es sogar nochmal, das Volk fuer dumm zu verkaufen und Merkel zwo Wirklichkeit werden zu lassen.

    Und schliesslich eine Fusion! Endlich ein bisschen Ehrlichkeit in der verlogenen Parteienlandschaft! Mandats- und sonstigen Wuerdentraegern wird natuerlich Weiterbeschaeftigung garantiert, ganz wie im richtigen Leben. Schliesslich ist auch die Wirtschaft mit von der Partie.
    Und wenn doch jemand was linkeres als die CDU waehlen will, gibts ja auch noch andere Parteien.
    Ciao SPD.

    • Berkel
    • 19.07.2007 um 22:59 Uhr

    Die Herren Tillmann Prüfer, Matthias Stolz und Henning Sussebach sind schuld, wenn ich künftig regelmäßig DIE ZEIT durchstöbern werde, um weitere Artikel von ihnen zu finden.
    Eine derart witzige, pointenreiche und treffende Glosse und kein einziger Kommentar, das haben Sie wahrlich nicht verdient. Daher habe ich mich angemeldet, um Ihnen ein begeistertes Echo zurückzuwerfen:
    Sie sind vermutlich die Frischzellenkur, die DIE ZEIT braucht.

    Ich bin schon ein bißchen alt und erinnere mich noch lebhaft daran, daß mich schon Konservativling Helmut Schmidt selig davon abbrachte, die SPD gut zu finden, das ist nicht nur Schröders Verdienst. Das einzig nette an ihm sind die Tabakschwaden und die Tatsache, daß er ein lebender Beweis ist, daß man rauchen und alt werden kann.

    Einer, der nicht mehr raucht.

    • gauss
    • 19.07.2007 um 22:57 Uhr

    Auch wenn dieser Bericht nicht einer gewissen Ironie entbehrt, warum werden in der Zeit neuerdings ausschließlich linke, politische Strömungsrichtungen als erhaltenswert dargestellt? Bis zuletzt war doch eine gewisse Ausgwogenheit in der "ZEIT" zu vernehmen. Was ist bitte schön erhaltenswert an einer SPD? Eine SPD mit Heil und Beck. Eine Partei, die nur noch Politik für die "Unterschicht" macht, aber nichts für Leistungswillige dieser Gesellschaft übrig hat? Wenn die SPD endlich im hier und jetzt ankommt, wird sie merken, dass es mehr als Klassenkampf gibt.

  2. Die Linken sollten mal lieber aufpassen das sie nicht selber in der Versenkung verschwinden und sich niemand an sie erinnern kann. Grade über Lafontaine kann man sich eigentlich nur noch wundern. Will er nun das was er mit der SPD nie wirklich geschafft hat noch einmal mit den Linken probieren? Glauben die Linken wirklich das sie mir ihrer Politik auf dem Niveau der Bild Zeitung den Wähler erreichen zu können? Ich hoffe nicht.

    Und wer es immer noch nicht geblickt hat: Hatz 4 und Co hat nicht die rot/grüne Regierung alleine beschlossen, sondern konnte nur mit Änderungswünschen und den Stimmen der CDU/CSU beschlossen werden. Eben jene die das grade beschlossene kurze Zeit später nur der SPD zuschoben und selber dagegen protestierten. Was ich von solchen Politikern und den Menschen die sie wählen halte muss ich wohl nicht wirklich schreiben.

    Das einzige was mich an der SPD in letzter Zeit geärgert hat war die Tatsache das man mit seiner Stimmer bei der letzen Wahl eine Kanzlerin Merkel verhindern wollte. Die Geschichte hat uns eines besseren gelehrt.

    Trotz alledem ist die SPD mir immer noch bedeutend lieber als gewisse andere Parteien.

  3. So oder ähnlich stellt man sich das als passionierter Zeitungsleser vor.

    MfG

  4. Ein nett gemeinter Versuch, aber durchaus unnötig. Die SPD hat alle möglichen Höhen und Tiefen überwunden: im Vorfeld des Ersten Weltkriegs diffamiert als »vaterlandslose Gesellen«. In der Weimarer Republik bedroht von Spaltung und einer nicht zu beherrschenden Reichswehr. Im Dritten Reich Verfolgung von Mitgliedern und Deportation. In den Anfangsjahren der Bundesrepublik mit Kommunisten in eine Ecke gestellt und somit erneut gesellschaftlich unmöglich gemacht.

    Und dennoch. Die wichtigsten und größten Umwälzungen wurden immer von der SPD angestoßen. Wer genauer hinschaut wird feststellen, dass es nicht die SPD ist, die kein Profil hat, sondern die Union: denn wer hätte noch vor 5 oder 10 Jahren gewagt zu behaupten, eine CDU-Ministerin würde für Krippenplätze eintreten? Ein CDU-Landesfürst würde sich gegen das dreigliedrige Schulsystem aussprechen? Lächerlich. So könnte man stundenlang weitermachen. Aber ich möchte nun eigentlich nicht die Aufgabe der »Zeit« übernehmen.

    Die SPD ist auf dem richtigen Weg. Ehrlich, integer und nicht beliebig -- sondern beständig. Weiter so.

    • ErichH
    • 20.07.2007 um 8:11 Uhr

    Natürlich ist die SPD keine Verbrecherorganisation. Aber hinsichtlich der Wahrnehmung der Realität, ist eine gewisse Ähnlichkeit einfach nicht zu übersehen.

    ErichH

  5. Ich war zwar nie SPD-Wähler. Trotzdem finde ich die Häme, die mittlerweile über diese Partei ausgeschüttet wird, zum Kotzen.
    Respekt für eine große Partei, die viel für die kleinen Leute getan hat.
    Als noch ein Gauner wie Schröder Parteiführer war, hätte man sich einen Vorsitzenden wie Kurt Beck gewünscht.
    Jetzt gefällt sich die Journaille darin, ihn zu demontieren. Das wirft ein bezeichnendes Bild auf den Zustand der Republik, in der man anscheinend Intriganten, Selbstdarsteller, Profilneurotiker, Demagogen usw. mehr bewundert als ehrliche Arbeiter.
    Ein Demagoge wie Lafontaine gibt eben medial mehr her.

    Und eins muss man der SPD zugute halte: egal, wie schlecht es ihr geht, jemand wie Laurenz Meyer würde es in ihr nie bis in Spitzenpositionen schaffen.

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