Arbeit Geh mit Geld
Deutsche Konzerne zahlen auch im Aufschwung Abfindungen in Milliardenhöhe, um Mitarbeiter loszuwerden. Wer in Kleinunternehmen entlassen wird, geht meist leer aus
Abfindungspoker im Saal 315 des Hamburger Arbeitsgerichts. Es ist ein heißer Tag, der Richter und die Anwälte haben die Roben abgelegt. Zwei Zahlen sind genannt. 19.700 Euro bietet der Anwalt der Firma Grohe. 45.000 verlangt der Anwalt der Arbeitnehmerin. Die Frau arbeitet seit sechs Jahren in einer Niederlassung des Unternehmens, die geschlossen werden soll. Grohe bietet ihr einen Ersatzarbeitsplatz an – aber in der Zentrale in Nordrhein-Westfalen. Dorthin will die verheiratete Mutter nicht.
Einen Anspruch auf Abfindung hat sie nicht. Aber einen guten Anwalt. Der hat herausgefunden, dass sich Grohe dem Betriebsrat gegenüber verpflichtet hat, bis 2009 niemandem zu kündigen. Das gelte nur für das Hauptwerk, sagt der Anwalt der Firma. Richter Peter Stein hat »den ersten Eindruck«, dass die Betriebsvereinbarung die Frau nicht schützt. Er rät zu einem Vergleich, das Arbeitsverhältnis soll gegen Geld beendet werden. Über die Summe sollen die Parteien auf dem Flur weiterverhandeln.
In Deutschland ist Aufschwung – aber viele Unternehmen bauen weiter Personal ab. Während etliche Firmen wieder nach Fachkräften suchen, verkleinern andere die Belegschaften. Dafür gibt es viele Gründe. Im Fall des Pharmakonzerns Bayer führt die Übernahme des Wettbewerbers Schering dazu, dass in Deutschland 1500 Stellen überflüssig werden. Airbus hat ein Kostenproblem, weswegen sich der Flugzeugbauer hierzulande von 3700 Mitarbeitern trennen will. Continental macht zum Jahresende die Reifenproduktion in Hannover-Stöcken dicht, in der 320 Menschen Arbeit hatten. Und dass Siemens und Nokia ihr Netzwerkgeschäft zusammenlegen, kostet allein in Deutschland 2290 Menschen den Job.
Während Personalabbau früher ein Mittel in äußerster Not war, ist er heute in vielen Fällen Teil einer Strategie zur Gewinnoptimierung. Der Fernsehmanager Guillaume de Posch (ProSiebenSat.1) will sich von 180 Mitarbeitern trennen, weil er eine Kapitalrendite von mehr als 25 Prozent anstrebt. Eine Reihe bedeutender Konzerne wendet derzeit große Summen auf, um die Belegschaften zu verkleinern und die Profitabilität zu steigern.
Beispiel Telekom: Bei dem Exmonopolisten läuft seit zwei Jahren ein Entlassungsprogramm, mit dem sich der Konzern bis 2008 von 32.000 Mitarbeitern trennen will. Das Ganze lässt sich das Unternehmen bis zu 3,3 Milliarden Euro kosten – pro Kopf sind das rund 103.000 Euro. Ältere Mitarbeiter erhalten bis zu 225.000 Euro, wenn sie gehen.
Beispiel Allianz: Trotz Rekordgewinnen trennt sich der Versicherungsriese bis 2009 von 5700 Mitarbeitern in Deutschland. Auf die Modalitäten haben sich Management und Betriebsräte in langen Verhandlungen geeinigt. Mehr als 4000 Mitarbeiter haben die Trennungsverträge schon unterschrieben. Den Personalabbau lässt sich der Konzern 650 Millionen Euro kosten. Das Geld wird nicht nur für Abfindungen verwendet. Die Allianz zahlt auch für Fahrtkosten, Umzüge und Zweitwohnungen, wenn Mitarbeiter auf freie Stellen innerhalb des Konzerns wechseln. Die Abfindungen richten sich nach Einkommen, Alter, Betriebszugehörigkeit und Unterhaltspflichten. Ein 35-jähriger Single, der zehn Jahre dabei ist und im Monat 3000 Euro verdient, erhält 36.000 Euro. Einem 50-jährigen Familienvater mit zwei Kindern, 5000 Euro Gehalt und 25 Jahren Betriebszugehörigkeit zahlt die Allianz 145.000 Euro.
Beispiel DaimlerChrysler: Der Autokonzern will im Werk Stuttgart-Untertürkheim 750 Mitarbeiter loswerden. Die Abfindungen folgen dem Kostenkürzungsprogramm Core und betragen bis zu 250.000 Euro. Zu solchen Konditionen hatten zwischen Oktober 2005 und September 2006 rund 9300 Daimler-Mitarbeiter auf ihren Arbeitsplatz verzichtet.
Beispiel Altana Pharma: Nach der Übernahme durch die dänische Nycomed-Gruppe streicht deren Management 930 deutsche Arbeitsplätze. Gekündigte können sich ein Jahr lang in einer Transferfirma weiterbilden lassen und bekommen 85 Prozent ihres alten Gehalts. Als Abfindung zahlt der Konzern 1,45 Monatsgehälter pro Jahr der Betriebszugehörigkeit, mindestens aber 15000 Euro. Wer schnell geht, bekommt einen Bonus. In der Spitze erreichen die Abfindungen 200000 Euro. Konzernbetriebsratschef Rolf Benz spricht von einem Ausgleich »auf einem hohen Niveau«.
- Datum 27.07.2007 - 14:44 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 26.07.2007 Nr. 31
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070726do1151
Donnerlittchen, liebe Mit-Leut,
an allen Ecken und Kanten hakt es, ist - tschuldigung - die "Kacke" am dampfen.
Wer hat denn da seine "Hausaufgaben" nicht gemacht?
Es gibt viel zu tun, packen wir es doch endlich selber an.
Völlig demokratisch - selbstverständlich.
Mit herzlichem Gruß und kühl-rauchendem Kopfe
Ihr Mit-Leid -äh- Mit-Leut
klaus w.
Dat KlaKoWa
Mit Glied der MU - materiellen Unterschicht
Es wird kein Wunder mehr geschehen, vielleicht muss auch Angela gehen, denn was die Unternehmen machen, darüber kann kein Mensch mehr lachen.
Aufschwung, Aufschwung über alles, über alles in der Welt.
Mit Menschen ist der nicht zu machen, denn es zählt allein das Geld.
Die, die dennoch bleiben dürfen, haben immer mehr zu rackern,
fast wie im Zuchthaus wird das werden, das ist kein schöner Platz auf Erden.
Unternehmt was Leute, gegen des Wahnsinns fette Beute.
Denn wenn Ihr jetzt nicht endlich aufsteht, dann treibt man Euch in den Ruin. Also holt Euch Euren Anteil und nehmt nicht einfach alles hin.
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