Kalifornien, 1975. Einige schmächtige Dokumentarfilmer bewegen sich ehrfürchtig durch einen Kraftraum. Ihre Kamera richten sie auf eine lässig auftretende Figur, deren quellende Muskelwulste jedem Comic-Helden einen Minderwertigkeitskomplex verschaffen könnten. Mit breitem Grinsen gibt sie den Filmemachern zu Protokoll, der menschliche Körper sei »wie eine Skulptur« und die Praxis des Bodybuildings »Bildhauerei am eigenen Leib«. Was einst der Steinblock oder der Tonklumpen war, sei nun das menschliche Fleisch. Der Mann, der Körper: Arnold Schwarzenegger. Das Ziel des Filmteams: dem Bodybuilding massenmedialen Durchbruch zu verschaffen.

Das Unternehmen gelingt. 1977 erscheint die bahnbrechende Dokumentation Pumping Iron. Nicht zuletzt aufgrund der darin formulierten Bildhauermetapher, die mehr ist als nur Metapher, gelingt Schwarzenegger der Durchbruch. Es ist nicht die Rolle des Terminators, wie oft angenommen, sondern vielmehr die Ausrufung seiner selbst als einer Art postmodernen Plastik, die das Publikum als Erstes fasziniert. Hier geht es nicht allein um Sport. Es geht um Ästhetik, um skulpturale Formung von Leben.

Bislang allerdings ist Schwarzenegger, vor 60 Jahren, am 30. Juli 1947, in der Steiermark geboren, noch nicht als Forschungsgegenstand der Kunstgeschichte entdeckt worden. Sie interessiert sich vor allem für Kunst-Objekte, nicht für Kunst-Subjekte; sie klammert sich an Werke, die von Sammlern und Museen geadelt werden, statt sich auch mit einer »Ästhetik der Existenz« zu befassen, der Gestaltung des Lebens als perfektes irdisches Kunstwerk. Dabei ist Schwarzenegger in der Popkultur fast spielerisch gelungen, was den Künstlern der deutschen Romantik, der messianischen Avantgarde und den verspäteten Propheten Joseph Beuys und Wolf Vostell versagt blieb: die Synthese von Kunst, Macht und Leben.

Schwarzeneggers Definition seiner selbst als somatisches Kunstwerk in Pumping Iron zieht prompt weite Kreise. Die Kunstwelt wird hellhörig. Nun finden Bodybuilding-Wettbewerbe in der Oper statt, Andy Warhol bittet »The Austrian Oak« zum Besuch in seine Factory, Schwarzenegger posiert mit befreundeten Selbstskulpteuren im New Yorker Whitney Museum of Modern Art vor Kunstkritikern. Handelt es sich hierbei nur um das für die Sechziger und Siebziger so typische Kokettieren der Subkultur mit der Hochkultur? Keinesfalls.