Deutsch Die verkaufte SpracheSeite 2/2

Es lohnt sich, bei der Psychologie des Sprachimporteurs zu verweilen. Es ist nicht deutscher Selbsthass, der ihn antreibt, wie manche Sprachschützer meinen. Der Sprachimporteur ist vor allem ein Marketingexperte in eigener Sache. Er will angeben mit der frisch erworbenen Kenntnis, er kehrt ins verschnarchte Dorf seines Ursprungs zurück und brilliert dort im Glanze seiner Glasperlen, die er den zurückgebliebenen Landsleuten andrehen will. Die Undeutlichkeit und die Euphemismen des Business-Englisch sind kein Mangel, sie sind die Voraussetzung des betrügerischen Tuns. So werden dem Trainee (deutsch: Lehrling) die Karriere-Optionen eröffnet (deutsch: Hoffnungen gemacht), zum Asset Manager (deutsch: Kaffeekocher) aufzusteigen. Unvergessen ist der Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff, dessen Lieblingsmotto »Speed, speed, speed« lautete und der selbst im internen Schriftverkehr seine leitenden Angestellten anwies, englisch zu schreiben.

Es ist nicht so, dass überpersönliche Mächte für den Unfug verantwortlich wären. Es sind identifizierbare Sprecher, die der Sprache Gewalt antun, und nur selten unterläuft es ihnen. In den allermeisten Fällen ist, was uns ärgert, auch beabsichtigt. Der Business-Schwafler will uns ein X für ein U vormachen. Der Vergleich mit den Glasperlen ist nicht zufällig gewählt. Der Sprachimporteur handelt mit Waren, die in ihrem Herkunftsland bereits als wertlos gelten. Über die Ausdrucksweise der PowerPoint-Präsentationen wird in den USA längst gespottet.

Der Geist eines ridikülen Marketings, der in der Managersprache steckt, will Exklusivität, die elitäre Anmutung eines arkanen Wissensvorsprungs. Den Zweck der Ausschließung teilt sie mit der Jugendsprache, der es seit alters darum geht, sich von der Erwachsenenwelt abzuschotten. Töricht wäre es, sich über Kürzel aufzuregen, die von den Eltern nicht verstanden werden – denn das ist ihr Sinn. Es fragt sich allerdings, was von Geschäftsleuten zu halten ist, die sich wie Kinder gebärden, die Erwachsene verblüffen und ärgern wollen.

Es liegt bei uns, die Antwort zu formulieren. Es liegt in der Macht jeden einzelnen Sprechers, die Zukunft des Deutschen zu gestalten. Das unterscheidet marodes Deutsch etwa von einem maroden Kernkraftwerk, das nur Experten reparieren können. Das Deutsche wird nicht sterben, es sei denn, die Deutschen wollen es. Es sei denn, sie kapitulieren vor der Werbung, vor der Geschäftssprache, vor dem kollektiven Hass auf alles Komplizierte, den die Medien nähren. Aber selbst wenn das Deutsche stürbe – es würde als tote Sprache weiterleben, als eine Art Griechisch oder Latein der Neuzeit. Die Zahl kanonischer Autoren, von Philosophen wie Dichtern, wird den Gelehrten das Deutsche immer attraktiv erhalten. Das ist vielleicht kein Trost – aber ein Gedankenspiel, das uns Heutigen Respekt vor der achtlos malträtierten Umgangssprache einflößen sollte.

 
Leser-Kommentare
  1. Gratulation zu diesem Beitrag! Erst fürchtete ich zwar, eine dieser inzwischen billigen Sprachschützer-Vorträge hören zu müssen - aber das Lesen hat sich gelohnt.

    Was allerdings die Frage angeht, "was von Geschäftsleuten zu halten ist, die sich wie Kinder gebärden, die Erwachsene verblüffen und ärgern wollen", so fürchte ich, ist die Antwort nur zu klar: Wir schenken ihnen die Republik, statt ihnen das schöne deutsche Wort zuzurufen: "Er kann mich..."

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    • Anonym
    • 27.07.2007 um 9:36 Uhr

    auch so eine faible für Anglizismen, mein Standardspruch dazu ist dann: " Wir haben heute Deutsche Woche.."

    Gruß, Allons!

  2. ...auf Ihrer Startseite finde ich soeben die Überschrift "kein Freibrief für Undercover-Ermittler". Warum, um Himmels Willen, nicht "verdeckte Ermittler" wie im Untertitel??

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    "Kein Freibrief für Undercover-Agenten
    Der Bundesgerichtshof hat dem Einsatz verdeckter Ermittler Grenzen gesetzt"

    Warum, um Himmels Willen, nicht "verdeckte Ermittler" wie im Untertitel??

    Guten Tag, rijukan
    das ist ganz einfach zu beantworten. Angehende Redakteure werden von ihren Redaktionen darauf getrimmt, niemals zweimal das gleiche Wort hintereinander zu benutzen. Wenn Sie im ersten Satz "verdeckte Ermittler" schreiben, dürfen Sie doch im nächsten (oder gar in der Überschrift) nicht nochmal "verdeckte Ermittler" schreiben. Da muss dann "Undercover-Agent" her.

    Der Journalisten-Ausbilder Wolf Schneider, einst auch für Zeit-Redakteure zuständig, hat mal gespottet, dass, wer zweimal hintereinander "Österreich" schreibt, ein Sakrileg begeht. Deshalb heißt Österreich im zweiten Satz immer? Richtig, "die Alpenrepublik". Lesen Sie ihre Heimatzeitung mal daraufhin durch. Auch Artikel, in denen Merkel vorkommt. Zuerst heißt sie "Bundeskanzlerin Angela Merkel", dann "die Kanzlerin", dann "die CDU-Vorsitzende", dann (wenn's passt) "die Gastgeberin", dann "Merkel". (Sportreporter können es aber noch viel übler, die lassen in einem Bundesligaspiel "den Holländer die Kugel ans Aluminium donnern" und sowas).

    Sie glauben nicht, dass die Erklärung so einfach ist? Dann fragen Sie doch mal in den Redaktionen nach, weshalb gleiche Dinge in Überschrift und Unterzeile krampfhaft mit verschiedenen Wörtern benannt werden. Da glaubt man wirklich, es sei schlechter Stil, sich zu wiederholen. Ich darf Ihnen dazu die Lektüre der Blogs 040 bis 054 in http://web.mac.com/e.ma/iWeb/e.ma-Aua
    empfehlen.

    Beste Grüße

    "Kein Freibrief für Undercover-Agenten
    Der Bundesgerichtshof hat dem Einsatz verdeckter Ermittler Grenzen gesetzt"

    Warum, um Himmels Willen, nicht "verdeckte Ermittler" wie im Untertitel??

    Guten Tag, rijukan
    das ist ganz einfach zu beantworten. Angehende Redakteure werden von ihren Redaktionen darauf getrimmt, niemals zweimal das gleiche Wort hintereinander zu benutzen. Wenn Sie im ersten Satz "verdeckte Ermittler" schreiben, dürfen Sie doch im nächsten (oder gar in der Überschrift) nicht nochmal "verdeckte Ermittler" schreiben. Da muss dann "Undercover-Agent" her.

    Der Journalisten-Ausbilder Wolf Schneider, einst auch für Zeit-Redakteure zuständig, hat mal gespottet, dass, wer zweimal hintereinander "Österreich" schreibt, ein Sakrileg begeht. Deshalb heißt Österreich im zweiten Satz immer? Richtig, "die Alpenrepublik". Lesen Sie ihre Heimatzeitung mal daraufhin durch. Auch Artikel, in denen Merkel vorkommt. Zuerst heißt sie "Bundeskanzlerin Angela Merkel", dann "die Kanzlerin", dann "die CDU-Vorsitzende", dann (wenn's passt) "die Gastgeberin", dann "Merkel". (Sportreporter können es aber noch viel übler, die lassen in einem Bundesligaspiel "den Holländer die Kugel ans Aluminium donnern" und sowas).

    Sie glauben nicht, dass die Erklärung so einfach ist? Dann fragen Sie doch mal in den Redaktionen nach, weshalb gleiche Dinge in Überschrift und Unterzeile krampfhaft mit verschiedenen Wörtern benannt werden. Da glaubt man wirklich, es sei schlechter Stil, sich zu wiederholen. Ich darf Ihnen dazu die Lektüre der Blogs 040 bis 054 in http://web.mac.com/e.ma/iWeb/e.ma-Aua
    empfehlen.

    Beste Grüße

  3. Es sind nicht nur die Pseudoanglizismen, auch eine Idiotie wie die "Rechtschreibreform" wäre in keinem anderen europäischen Land möglich. Weil die Obrigkeit es befiehlt, schreiben deutsche Journalisten von Hobbys, Tipps und Geografen.

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  4. Heimat, Geborgenheit, Habseligkeiten, Wertschätzung... alles Begriffe, die auch aus dem "urdeutschen" Alltagssprachgebrauch lange verschwunden sind, aber dennoch symptomatisch auf eine wichtige Sache hinweisen.
    Dass die Welt sich globalisiert, ist eine Sache, aber dass jeder Mensch, um damit klar zu kommen, eine umso intensivere Gebundenheit an seine Heimat braucht, wird immer wieder verdrängt oder ignoriert. "Heimat" ist gerade in Deutschland historisch diskreditiert, aber hoffentlich nur für kurze Zeit, denn mittlerweile brauchen wir wieder eine Positivbewertung von Zuhausesein, Heimat oder Nation. Denn nur wer sich in seiner Heimatsphäre verwurzelt und aufgehoben weiß, kann sich auch weltoffen und interessiert an der Welt entwickeln. Die Hytserie der "Jetter" und global player, der Welt-Touristen, gehört ganz sicher nicht zu dieser Weltoffenheit. Nur wer sich auf seine historische Identität, seine biographische Verortung in der Geschichte beruft, kann wissen, wer er im Weltmaßstab ist.

    Und die Sprache? Von Verhunzung der deutschen Sprache kann so nicht gesprochen werden, da ja nichts verändert, sondern - viel schlimmer - durch Blödsinn ersetzt wird: service point statt Infoschalter, Ticket statt Fahrkarte, alles für den Schulbeginn wirbt nun mit happy school shop.

    Ob die deutsche Sprache schützenswert, wunderschön, besser oder schlechter ist als irgendeine andere, kann niemand sagen. Aber dass man als gebürtiger Deutscher sich dazu bekennen muss, das Deutsche anzunehmen und zu respektieren, um angesichts des Globalismus eine existentielle Notwendigkeit vor sich selber zu erfüllen, das ist durchaus immer wieder zu betonen. Damit sind nicht Tümmelei und Nationalismus gemeint und schon gar nicht der WM-Party-Alles-wird-gut-Patriotismus von 2006; vielmehr meint dies, die nationale Identität anzuerkennen ohne seine Persönlichkeit gleich davon lenken zu lassen - für Selbstgewissheit, Weltoffenheit und Anerkennung der nationalen Unterschiede ALS Unterschiede. Das bedeutet Toleranz auf schwierigstem Niveau auszuüben: nationale Selbstbejahung bei gleichzeitiger weltoffener Akzeptanz der global-nationalen Differenzen zu anderen Nationen und Menschen.
    Der Einsatz zur Bekämpfung aller überflüssigen und idiotischen Anglizismen unterstützt dieses Besinnungs- und Verhaltensideal.

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  5. poste in diesem Thread, gelle.

    Herr Jessen hat wunderbar auf die Aufgeblasenheit dieser Ausdrucksweise hingewiesen, die als Imponiergehabe nur ähnlich gestrickte Geister beeindrucken kann, die sich ständig ihrer weltweiten Bedeutung versichern müssen oder so gerne, wenigstens per Wortwahl, daran teilhätten. Auf die Anderen wirkt es nur lächerlich.
    Teufelsabbiss, artfranke-berlin.de

  6. Meine Muttersprache ist Englisch aber ich lebe seit einigen Jahren im deutschen Sprachraum. Mein Deutsch ist zwar immer noch mangelhaft, aber ich versuche so viel wie möglich diese unsinnigen Anglizismen zu vermeiden. Meine E-mails sollten "weitergeleitet" nicht "gefowardet" sein. Ich finde Deutsch eine herrliche Sprache und die Deutsche Literatur ist für mich eine große Bereicherung.Aber diese Verarmung und Verblödung der Sprachen erlebt man auch mit Englisch. Kaum niemand versteht mehr z.B. den Unterscheid zwischen "alternate" und "alternative". Und "management speak" ist genau so verlogen und dumm innerhalb des englischen Sprachraums.

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    • eire00
    • 27.07.2007 um 10:50 Uhr

    Wahlmeraner schreibt :
    //Ich finde Deutsch eine herrliche Sprache und die Deutsche Literatur ist für mich eine große Bereicherung.

    Ich bin auch nicht aus Deutschland, sondern aus Polen, und auch ist mein Deutsch weit von mangellos ... und auch muss ich sagen, Deutsch sei eine herrliche Sprache. Ich liebe auf Deutsch schreiben, sprechen ... alles hier ist so schön : Melodie der Sprache, Grammatik, Wörter ... einfach liebe ich das.

    Und wenn ich höre : Handy, Ski, gebackupt und andere, habe ich Gefühl unangenehmes Missklangs ...

    Bitte, schonet Ihr eure Sprache !

    • eire00
    • 27.07.2007 um 10:50 Uhr

    Wahlmeraner schreibt :
    //Ich finde Deutsch eine herrliche Sprache und die Deutsche Literatur ist für mich eine große Bereicherung.

    Ich bin auch nicht aus Deutschland, sondern aus Polen, und auch ist mein Deutsch weit von mangellos ... und auch muss ich sagen, Deutsch sei eine herrliche Sprache. Ich liebe auf Deutsch schreiben, sprechen ... alles hier ist so schön : Melodie der Sprache, Grammatik, Wörter ... einfach liebe ich das.

    Und wenn ich höre : Handy, Ski, gebackupt und andere, habe ich Gefühl unangenehmes Missklangs ...

    Bitte, schonet Ihr eure Sprache !

  7. Aber muss deshalb neu gegründeten Universitäten in Deutschland gleich das Englische als Unterrichtssprache aufgezwungen werden? Manches spricht dafür, dass hier nicht internationale Konkurrenz, sondern ein Zeitgeistopportunismus am Werk ist

    Wer die internationale "Konkurrenz" an den Universitæten noch immer verleugnet, war lange an keiner (guten) mehr.

    Die Sprache dort ist auch nicht das Problem; die ist dann eben Englisch und als solche klar vom Deutschen getrennt.
    Mit dem Denglischen/Managementspeak, das eben nicht international ist, gehørt das nicht in einen Topf/Artikel.

    Selbiges gilt uebrigens auch in der Geschæftswelt, Technik, usw, wo Kommunikation ueben den deutschen Sprachraum hinaus, sowie mit Nichtdeutschsprechern in D einfach nøtig ist...

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