Sprachkultur Anglais oblige?Seite 2/2
Der Sprachverkümmerung abhelfen können nur gute Übersetzungen: erstens nichtenglischer Bücher und Artikel in brauchbares und elegantes Englisch, zweitens Übersetzungen wichtiger Texte jeder Provenienz in nichtenglische Sprachen. Es ist bezeichnend, dass dergleichen nur Edelzeitschriften wie Lettre International und die Onlinemagazine Eurozine und Perlentaucher bieten, die mit einem Bruchteil jener Euro-Millionen auskommen, die wissenschaftliche Großkombinate verpulvern dürfen. Wenn international gleich monolingual ist, bedeutet das oft nur: In Englisch sind wir dümmer. Aber würden wir in Deutsch wieder klüger? Nicht vom Englischen, dem Esperanto der Weltwissenschaftsgemeinschaft, müssen wir uns distanzieren (es vielmehr besser erlernen), sondern von der Fixierung auf die vemeintliche scientific superpower namens USA, die – zum Leidwesen auch der meisten US-Kollegen – erschreckend einsprachig ist und ganze geisteswissenschaftliche Branchen anführt, obwohl sie den Originalton der funny languages, in denen ein Sigmund Freud oder Martin Heidegger geschrieben haben, kaum noch versteht. Überdies treiben die USA eine religiös eingefärbte Wissenschaftspolitik, die bisweilen in der Sprache der biblischen Apokalypse einen regelrechten Krieg gegen Wissenschaft und Aufklärung führt. Trotz dieser Selbstverzwergung profitieren Amerikaner im globalen Wissenschaftsbetrieb vom kulturellen Kapital ihrer Muttersprache, die wir Europäer aus freien Stücken zum Exzellenzidiom erheben. Gegen solche Wettbewerbsverzerrung hilft nur eines: Wer amerikanische Kollegen einlädt, sollte fragen, ob sie mindestens eine weitere lebende Sprache beherrschen.
Claus Leggewie ist neuer Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts in Essen, Elke Mühlleitner arbeitet als Psychologin und Wissenschaftshistorikerin in Gießen. Im Herbst veröffentlichen sie im Campus-Verlag »Die akademische Hintertreppe. Kleines Lexikon des wissenschaftlichen Kommunizierens«
- Datum 27.07.2007 - 04:08 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 26.07.2007 Nr. 31
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Ich hoffe wirklich, dass Frau Mühlleitner als Wissenschaftshistorikerin klar ist dass "life sciences" ganz einfach ein Synonym für die Kombination aus Biologie und medizinischer Forschung mit molekularbiologischen Methoden ist. Diese Art der Wissenschaft kommt übrigens fast ohne Formeln aus.
Im Prinzip finde ich den Beitrag relativ gelungen, aber musste der Teil über Amerika wirklich sein? Kotau ist zwar ein schönes Wort, aber es würde wahrscheinlich mehr Sinn machen für eine bessere Schulbildung in Englisch zu plädieren damit die Sprache nicht nur als stumpfes Zweckmittel gelernt wird, sondern auch auf die literarischen Feinheiten eingegangen wird.
Außerdem habe ich das Gefühl dass ein Großteil der jüngeren Wissenschaftler wirklich gutes Englisch schreiben und sprechen kann und dass das Problem eher dann aufkommt, wenn ältere Professoren auf einmal auf Englisch umsteigen müssen.
Ich finde "brain up", an und für sich betrachtet, kein "Sprachungetüm", und schon gar nicht wird es Muttersprachlern ein Graus sein; es ist ein Verb der neueren englischen Umgangssprache und bedeutet ungefähr "besser machen" oder "intelligenter gestalten" (kann man sogar im "LEO"-Wörterbuch nachlesen).
verb (used with object)
8. to smash the skull of.
9. Slang. to hit or bang (someone) on the head.
Danke, dictionary dot com!
Okay, Sie haben komplett recht, "brain up" hat die Bedeutung "besser machen" oder "intelligenter gestalten". Aber das heißt nicht dass es ein schönes Wort ist :)
verb (used with object)
8. to smash the skull of.
9. Slang. to hit or bang (someone) on the head.
Danke, dictionary dot com!
Okay, Sie haben komplett recht, "brain up" hat die Bedeutung "besser machen" oder "intelligenter gestalten". Aber das heißt nicht dass es ein schönes Wort ist :)
verb (used with object)
8. to smash the skull of.
9. Slang. to hit or bang (someone) on the head.
Danke, dictionary dot com!
Okay, Sie haben komplett recht, "brain up" hat die Bedeutung "besser machen" oder "intelligenter gestalten". Aber das heißt nicht dass es ein schönes Wort ist :)
Da mir das Wort "bramabasieren" nicht bekannt war, habe ich es "gegoogelt".
Als eines der ersten Ergebnisse erhielt ich die folgende Erklärung:
Bramabasieren ist der vergebliche Versuch, sich durch Verwendung eines
falsch wiedergegebenen Fremdworts einen intelligenten Anstrich zu geben.
;-) Der Duden nennt's "bra|mar|ba|sie|ren (aufschneiden, prahlen)" und
hinterlässt die Frage, wozu das Fremdwort nütze ist.
Auch wenn es sich "nur" um einen Rechtschreibfehler handelt, erschien mir die Ironie im Hinblick auf die Bedeutung des Wortes und den Inhalt des Artikels zu köstlich, um sie unkommentiert zu lassen.
Wie ein richtiger Journalist versteht der Autor nicht wirklich, worum es bei der "Sprachverkümmerung" geht. (Nebenbei bemerkt:Englisch ist überhaupt als Folge einer "Sprachverkümmerung" entstanden.) "Brain up" ist ein völlig harmloser Slogan, den jeder native speaker sofort verstehen würde, auch wenn er nicht längst eingeführt wäre. Aber es verbreitet sich gerade in englischsprachigen Ländern ein "Englisch", das aus der unguten Mischung von (größtenteils amerikanischem) Admass-Hype (wozu sich Soziologesisch gesellt) und merkwürdigen sozial oder ethnisch bedingten Sprachgewohnheiten - so verschwindet z.B der semantisch notwendige Unterschied zwischen "may" und "might", "would" erscheint in "if" Sätzen, usw, so dass klare Differenzierung zunehmend schwieriger wird. Die Frage ist also, welches Englisch soll man - auch im Großamerikanischen Reich - lernen, und wozu? Diese Frage wird im technokratischen Jargon der Herrschenden überall ignoriert.
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