Die Universität hat viel von ihrer traditionellen Exklusivität verloren. Weder ist sie wie in früheren Zeiten der einzige Hort der Gelehrsamkeit noch die wichtigste Karriereschmiede für die Elite. Ein Privileg jedoch ist den Hochschulen bis heute verblieben: das Recht, Titel zu vergeben. Wer seinen Namen mit einem Kürzel veredeln möchte, muss eine Hochschule absolvieren.

Doch das letzte und wichtigste Alleinstellungsmerkmal der Universität ist von mehreren Seiten bedroht. Die Wirtschaft möchte selbst einen akademischen Abschluss vergeben, den Professional Bachelor. Fachhochschulen drängen seit Langem auf ein eigenes Promotionsrecht. Und in außeruniversitären Instituten – ob sie unter dem Dach von Max-Planck, Helmholtz oder Leibniz leben – wächst der Wunsch, den Forschungsnachwuchs selbst auszubilden. Bisher leben sie von den Doktoranden der Universitäten.

Das muss auch in Zukunft so bleiben. Denn der Verlust der Titelhoheit würde nicht nur die betroffenen Abschlüsse entwerten, sondern ebenso den Universitäten schaden. Zum einen nämlich sollte ein akademischer Grad eine akademische Ausbildung voraussetzen. Zum anderen drohen die Universitäten ohne das exklusive Promotionsrecht ihr wichtigstes Personal zu verlieren: hochkarätige Professoren und vielversprechende Nachwuchsforscher.

Es wird den Universitäten aber kaum helfen, allein auf Vorrechte der Vergangenheit zu pochen. Vielmehr müssen sie sich ihrer in der Gegenwart auch würdig erweisen. Diese Wahrung eigener Standards ist – höflich ausgedrückt – nicht immer gewährleistet. Manche Universitätsprofessoren forschen heutzutage weniger als ihre Kollegen von der Fachhochschule. Der Wissenschaftsrat hat deshalb schon einmal erwogen, ob man manchen Uni-Fakultäten mangels Forschungsaktivität das Promotionsrecht aberkennen sollte. Diese Überlegung ist leider berechtigt.

Falsch wäre es auch, sich aus Angst vor der feindlichen Übernahme der Zusammenarbeit mit der Konkurrenz zu verschließen. Vielmehr müssen die Universitäten die Kooperation suchen. Nichts spricht etwa gegen Promotionsprogramme mit Fachhochschulen, an denen auch FH-Professoren als Gutachter beteiligt sind – solange die Universität die Regie führt.

Auch gemeinsam mit Max-Planck- und Helmholtz-Instituten organisierte Graduate Schools sind eine gute Idee, um Forschungskräfte zu bündeln. Nur sollten die Universitäten häufiger selbst den Anstoß für diese Einrichtungen geben und deren Existenz nicht – wie es zurzeit geschieht – von den Fördergeldern der Exzellenzinitiative abhängig machen. »Öffnung, nicht Isolation« lautet die Überlebensstrategie.