Am Morgen lassen wir Dominik in Malaga zurück. Bis zum Fährhafen in Tarifa, dem südlichsten Zipfel Spaniens, sind es noch mehr als zwei Autostunden. Der Kastenwagen hält durch. Hamid hat seinen Bruder nach Tanger bestellt.

Als unsere Autofähre Afrika erreicht, rufen die Lautsprecher von Tangers Minaretten zum Gebet. Wir treffen Hamids Bruder, während Zollbeamte zuerst das Gepäck des R19 und dann den Kofferraum des Kastenwagens durchsuchen. Als ein Beamter die Einfuhrpapiere verlangt, geht alles ganz schnell. Amina kann die Mappe mit den Dokumenten nicht schnell genug finden. Hamids Jähzorn explodiert. Als er die Fäuste erhebt, drängt mich sein Bruder, in den Wagen zu steigen. Die Stimmen überschlagen sich, ich höre Aminas Schreie.

Eine halbe Stunde später sitze ich mit Hamid im R19. 160 Euro und eine elektronische Herdplatte hat es ihn gekostet, die Zollbeamten zu schmieren. Amina fährt mit Hamids Bruder hinter uns. »Die Deutschen sind immer für die Frauen«, sagt Hamid. »Dabei verstehen sie nichts. Es gibt keine Männer in Deutschland.« In Hamids Leben waren es immer die Frauen, die ihn betrogen.

Vor Kurzem habe sich Amina heimlich mit einem anderen Marokkaner auf dem Flohmarkt getroffen, sagt er. »Ich wusste nichts davon.« Seither lässt er seine Frau nirgends mehr allein.

Die Seitenstraßen der Autobahn in Richtung Rabat teilen sich überladene Lkw mit Fahrradfahrern, Schafherden und beladenen Eseln. Taxifahrer, Vespas und Straßenhändler verstopfen die Kleinstädte, die wir gen Süden durchqueren.

Es ist wieder Nacht, als wir in dem Neubaugebiet ankommen, wo Hamids Wohnung liegt. Ich möchte mit dem letzten Zug weiter nach Casablanca. Hamid hat bereits ein Taxi angehalten, das mich zum Bahnhof bringen soll. Nabil schläft hinter uns in seinem Kindersitz. Ich drücke Hamid das Fahrtgeld in die Hand und packe meinen Rucksack in den Kofferraum des Taxis. Dann drehe ich mich noch einmal um.

Amina steht im Licht einer Straßenlaterne vor dem Eingang ihres Hauses. Erst jetzt sehe ich, dass ihr rechtes Auge angeschwollen ist. Ein blauer Schatten zieht sich vom Nasenbein zur Schläfe.

Ich hebe die Hand und kann nichts sagen. Amina lächelt.

* Alle Namen von der Redaktion geändert