Fernsehen Schirm ohne Schichten

Die Wahl von TV-Programm und Lieblingssender richtet sich nicht nach dem Bildungsniveau der Zuschauer.

Sage mir, was du siehst, und ich sage dir, wer du bist. Während am Sonntagabend der Abiturient die ZDF-Historiendoku Rom genießt, freut sich die Hauptschulabsolventin über Gülcans Traumhochzeit auf ProSieben. Das allgemeine Urteil über die Fernsehgewohnheiten des Volkes steht fest: Anspruchsvolles für die höheren Bildungsränge und Trash für die niedrigen, wobei die Öffentlich-Rechtlichen wie 3sat, Phoenix oder Arte ganz selbstverständlich den Anspruch für sich verbuchen und den Schund den Kommerziellen überlassen.

Doch das schwarz-weiße Fernsehweltbild wurde jetzt von zwei Forschern der Universität Köln als Vorurteil enttarnt. Der Medienwissenschaftler Jörg Hagenah und der Soziologe Heiner Meulemann untersuchten die soziale Herkunft und den Bildungshintergrund der Zuschauer von ARD, ZDF, RTL, Sat.1 und ProSieben im Zeitraum von 1988 bis 2004. Sie fanden heraus: Die Programmwahl lässt mitnichten auf den Bildungsstand schließen. »Alle sehen alles, damit alle mit allen über alles reden können«, kommentiert Hagenah das Resultat. Obwohl es als Folge der Bildungsexpansion immer weniger Hauptschüler gibt, bleibt das Sozialprofil der Öffentlich-Rechtlichen und der Privaten konstant. Sowohl bei ARD und ZDF als auch bei RTL und Sat.1 bilden Hauptschüler die größte Zuschauergruppe, gefolgt von Personen mit mittlerer Reife und Abitur. Einziger Unterschied: Menschen mit geringerer Bildung sehen etwas länger fern.

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Der Verdacht von Medienkritikern, insbesondere die kommerziellen Sender bedienten die eher »bildungsfernen Schichten« ist damit entkräftet. Die Behauptung des Historikers Paul Nolte, mit der Etablierung von Sendern wie RTL und Sat.1 sei ein spezielles »Unterschichtenfernsehen« entstanden, ist nicht länger haltbar, die Kontroverse öffentlich versus privat eher eine Scheindebatte.

Allein beim Sender ProSieben zeichnet sich ein Wandel ab; er bewege sich allmählich vom »Unter- zum Oberschichtensender«, sagen die Wissenschaftler. Seit 1994 bilden hier die Zuschauer mit mittlerer Reife die größte Gruppe – mit beträchtlichem Abstand vor den Hauptschülern. Der Publikumszuspruch könnte aus einer Veränderung des Programms resultieren, vermuten Hagenah und Meulemann. Zeigte der Sender zu Beginn vor allem Spielfilme und amerikanische Serien, kamen im Laufe der Zeit nicht nur Comedy-Produktionen, sondern auch Wissenschaftsmagazine hinzu. Hella Hoofdmann

 
Leser-Kommentare
    • dito72
    • 28.07.2007 um 13:31 Uhr

    Sie meinen doch hoffentlich nicht Galileo? Das hat in etwas das gleiche unterirdische Niveau wie ehemals die unsägliche Knoff-Hoff-Show im ZDF.

  1. Ehrlich gesagt verwundert mich das Ergebnis dieser Studie keineswegs.
    Insbesondere die jüngere "Bildungsschicht" der Schüler und Studierenden bzw. jungen Absolventen sieht mindestens genauso oft Pro7 wie die öffentlich rechtlichen Sender.
    Natürlich gibt es hier keine brauchbaren Politmagazine und keine besonders seriösen Nachrichtenformate. Die Unterhaltung ist allerdings wesentlich besser. Auf Pro7 laufen (für junge Leute) interessantere Shows, Filme und vor allem wesentlich bessere Comedy. Intelligente Unterhaltung sucht man bei ARD und ZDF vergebens.

    Was mich persönlich angeht, so muss ich sagen, dass ich von der angeblich objektiven Berichterstattung von ARD und ZDF immer öfter enttäuscht werde. Hier werden teilweise extrem einseitige Berichte erstellt und Informationen gewollt manipuliert nur um den Meinungen der Zielgruppe (der oftmals älteren Zuschauer) gerecht werden zu können.

  2. Was brachte die Studie Neues?? Dass sowohl Menschen mit Hauptschulabschluß sowohl öffentliches als auch privates Fernsehen schauen ?? Wenn es stimmt, dass das ZDF mehrheitlich von Zuschauern über 50 Jahre gesehen wird, ist da natürlich der Anteil der Leute mit Hauptschulabschluß hoch, denn die mittlere Reife oder Abitur war zu deren Schulzeit noch nicht allgemein üblich.
    Und die Kausalkette Hauptschule=bildungsfern=Unterschicht ist gelinde geschrieben Unsinn.
    Wären die Sehgewohnheiten der Altersklasse von 25 - 40 Jahren analysiert worden, dann könnte man Schlußfolgerungen treffen.
    Aber alle Generationen in einen Topf zu hauen, ist ähnlich sinnvoll, wie das Errechnen des durchschnittlichen Geldvermögens der Deutschen.

  3. Sowas blödes politisch Korrektes habe ich schon lange nicht mehr gelesen. Schon wieder will man uns linkslastiger Weise mitteilen, dass Intelligenz gleich verteilt sei und sei es auch mit einer Studie, die sagt, dass auch der Oberstudienrat sich mal gerne nackte Titten bei RTL anschaut.
    Einerseits sagt man, dass die Hauptschülerzahl gesunken sei, um gleich daraufhin zu postulieren, dass der Anteil Realschüler bei RTL und Co gestiegen ist. Dabei ist doch wohl nur eins offensichtlich: Auch wenn man durch Absenkung des Anforderungsniveaus bei den Realschulen, mehr faktische Hauptschüler herüberholt, so ändert das eben nichts an der Intelligenz der Unterschichts-fernsehenden Schüler. Nur linkslastige Soziologen möchten hier den Untergang der Intelligenzija erkennen. Und wo bitteschön ist hier der Effekt der ja wohl gerade in den letzten Jahren absoluten Verflachung des Programms von ARD und ZDF zu erkennen? Der Vergleich hätte zwischen RTL / SAT1 und 3SAT /ARTE erfolgen müssen. Wetten dass hier die Ergebnisse signifikant anders ausgesehen hätten?

  4. Ich denke, bei der Programmqualität spielt weniger der Sender als die Sendung eine Rolle: Selbst RTL2 bringt (selten, aber immerhin) Spielfilme mit Niveau. Und das Volksmusikprogramm in den Öffentlich-Rechtlichen ist dafür bestimmt nicht jedermanns Sache...

    Vielleicht hat die Studie hier einfach die falsche Frage gestellt?

  5. Wo, liebe Forscher, sind die Nichtfernseher in Eurer Studie geblieben?

    Die Kontroverse öffentlich-rechtlich versus privat ist in der Tat eine Scheindebatte. Fernsehen ist schlecht für die Sinne. Spätenstens seit seiner Übernahme durch die Marketingzombies ist Fernsehen auch zur Gefahr für die freie Gesellschaft geworden. Wenn sich mal jemand mit Talent dorthin verirrt, so ist das reiner Zufall und auf keinen Fall gewollt. An diesem System ist nichts mehr zu retten, Leute. Nur Abschalten hilft.

    Gruß,
    v.

    • rudi
    • 31.07.2007 um 16:47 Uhr

    Mag sein das gebildete öfter mal in RTL reinschauen,
    umgekehrt schauen ungebildete aber kaum ARTE.
    Eigene Erkenntnis. Da brauche ich keine Studie zu.

    Man sollte mal eine Studie über das selbige Unwesen machen.

    Gruss

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  • Quelle DIE ZEIT, 26.07.2007 Nr. 31
  • Kommentare 7
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  • Schlagworte Fernsehen | Phoenix | Medien | RTL | ProSieben | Sender | Sat.1 | Universität Köln | ZDF | ARD
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