Fundraising Betteln will gelernt sein
Einige Universitäten dürfen sich über Millionenspenden freuen. Vom professionellen Spendensammeln sind viele Hochschulen aber noch weit entfernt, wie eine neue Studie zeigt
Manchmal kommt das Geld fast von allein. So erging es dem Rektor der Düsseldorfer Universität, Alfons Labisch, mit der Spende eines Industriellen. Immer wieder war Labisch dem Mäzen begegnet. Meist sprach man über die gemeinsame Leidenschaft für Musik, mitunter über die Zukunft der Hochschule. Einmal erzählte der bildungsbewusste Unternehmer von seinem Plan, das Studium Universale in Düsseldorf zu einem festen Programm auszubauen. Kurze Zeit später versprach er eine Million Euro für das Projekt – ohne dass der Uni-Chef nach Unterstützung gefragt hatte. Weder um eine Spendenbescheinigung noch um eine öffentliche Erwähnung bat der Gönner. »Er fand die Idee einfach gut«, sagt Labisch.
So leicht fällt das Spendensammeln den deutschen Hochschulen selten – auch wenn man angesichts jüngster Meldungen den gegenteiligen Eindruck gewinnen kann. Innerhalb weniger Monate durften sich verschiedene Universitäten über mehrstellige Millionengaben von Privatleuten freuen. Anfang Juli stiftete der Spediteur Klaus-Michael Kühne der Technischen Universität Hamburg-Harburg 30 Millionen Euro für ein neues Logistik-Institut. Eine Woche später meldete die Frankfurter Universität ein Vermächtnis von 33 Millionen Euro zu ihren Gunsten.
Kurze Zeit vorher hatte der ehemalige Wursthändler und Philanthrop Peter Krüger der sächsischen Bergakademie Freiberg den größten Teil seines Immobilienbesitzes überschrieben. Geschätzter Jahresertrag: mehrere Millionen Euro. Über die größte Spende aller Zeiten darf sich die International University Bremen (IUB) seit vergangenem November freuen. 200 Millionen Euro stellt die Stiftung des ehemaligen Kaffeerösters Klaus J. Jacobs der Hochschule bis 2011 in Aussicht, die nun Jacobs University heißt.
Der überraschende Geldregen entfacht die Fantasie von Hochschulpräsidenten und Bildungsmanagern. Sind die privaten Gaben der Beginn einer neuen Spendenwelle, oder handelt es sich bloß um eine Zufallserscheinung? Ist die Botschaft, dass Deutschlands Zukunft in der Wissenschaft liegt, endlich bei den Vermögenden im Land angekommen? Und müssen die Hochschulen tatsächlich kostspielige Fundraising-Apparate aufbauen, oder reicht es vielleicht, den Uni-Rektor mit ein paar Millionären in Kontakt zu bringen?
Fest steht: Das Studienjahr 2006/07 wird als das finanziell einträglichste in die deutsche Universitätsgeschichte eingehen. »Bisher hieß es immer, Großspenden in dieser Höhe seien hierzulande nicht möglich. Nun ist das Gegenteil bewiesen«, sagt Marita Haibach. Auch sonst beobachtet die Präsidentin der European Fundraising Association eine leichte Aufbruchstimmung: Universitäten überlegen, wie sie ihre Mittelakquise professionalisieren können; Rektoren unternehmen Fortbildungsreisen zum Thema Sponsoring in die USA; die wenigen erfahrenen Fundraiser im deutschen Wissenschaftsbetrieb sehen sich von Headhuntern umworben.
Von einer Trendwende will Haibach dennoch nicht sprechen. Dafür fielen die Spendenerträge insgesamt noch »viel zu gering« aus, seien zu wenige Hochschulen bereit, ins Geschäft mit dem Geldsammeln ernsthaft zu investieren. Haibachs verhaltener Optimismus wird bestätigt von einer neuen Studie zum Thema Hochschulfundraising in Deutschland, die das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) gemeinsam mit der ZEIT und dem Deutschen Fundraising Verband veröffentlicht. Danach
• nahmen die Universitäten im letzten Jahr (ohne die Bremer Großspende) im Schnitt 2,5 Millionen Euro an Zuwendungen ein, 500000 Euro mehr als im Vergleichsjahr 2004,
• erzielten sieben der an der Umfrage beteiligten Universitäten Spendeneinnahmen von mehr als fünf Millionen Euro,
- Datum 08.08.2007 - 10:48 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | Auf einer Seite lesen
- Quelle DIE ZEIT, 02.08.2007 Nr. 32
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:








Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren