Im Computer bekomme ich regelmäßig Angebote. Dr. John Githongo aus Nairobi schreibt auf Englisch, er sei ehemaliger Antikorruptionsberater des kenianischen Präsidenten Mwai Kibaki. In dieser Eigenschaft habe er auf einem unter dem Regime des früheren Präsidenten Arap Moi angelegten Schmiergeldkonto eine größere Summe herrenlosen Geldes entdeckt. Diesen Betrag, genau 58,1 Millionen Dollar, wolle die kenianische Regierung nun diskret in krisensicheren europäischen Werten anlegen und suche dazu, gegen Zahlung einer angemessenen Kommission, einen Strohmann. Dem Staate Kenia sei speziell ich als vertrauenswürdiger Investor und seriöser Geschäftsmann aufgefallen. Da war ich verwirrt, als ich das gelesen habe.

Inzwischen habe ich durch Recherchen herausgefunden, dass es sich um eine neue Spielart von Kriminalität handelt. In Wirklichkeit bin ich einem Mann, der sich Dr. John Githongo nennt, als jemand aufgefallen, den man übers Ohr hauen kann. Er würde, falls ich ihm antworte, sehr bald unter einem Vorwand darum bitten, ihm Geld zu schicken. Ein anderes Angebot erreichte mich aus Osteuropa.

„Hallo!!! Du der schone und sexuelle Mann. Ich will dich besser und naher sehr erfahren. Ich habe solches Gefuhl dass du ein Mann meines Traumes sein darfst. Ich das einfache Russische die Frau. Mir 30 Jahre. Ich lebe in einer Wohnung zusammen mit der Mutti und der Vater. Ich arbeite in die Transportgesellschaft. Ich plane die Beforderung der grossen Ladungen nach ganzem Russland. Leider bei mir das kleine Gehalt. Aber fur mich das Wesentliche die Liebe und das Gluck.“ Ich habe herausgefunden, dass solche Briefe von Computerprogrammen übersetzt werden. Eigentlich finde ich die Sprache, die auf diese Weise entsteht, sehr schön. Ohne Umlaute bekommt das Deutsche so etwas Samtiges.

„Viele Manner und die Frau suchen seine Liebe und das Gluck. Meine Freundin beratete mir, nach dem Mann in Deutschland zu suchen. Sie hat den deutschen Mann verheiratet. Sie sehr glucklich jetzt. Sie haben seine Firma. Das grosse Geld und das Business. Aber das Geld bin fur mich nicht wichtig. Ich suche der gute und gute Mann. Moglich es du? Kuss Deine Maria.“

Ich antwortete so: „Dear Maria. I liked your letter, I like your style. You are a good woman. You are the woman of my dreams. I do not even need a photo. Please come to Germany. I want to send you a lot of money. But to send you money, I have to go to Switzerland, a nice little country nearby, where I have a big fat Bankkonto. The taxman took all my money in Germany, but I still have 3 million dollars in this little country called Switzerland. Please send me some Euros, my sweet Maria, so that I can go to Switzerland and make you happy. You will live in the ,Saus and Braus, as we say in Germany, and, much more important, you will find true love, rivers full of affection, seas of sense and sensitivity and oceans of happiness.“

Das habe ich mit einem Übersetzungsprogramm ins Russische übertragen. Man kann es im Computer auch ins Deutsche übersetzen lassen, dann entsteht in Sekundenschnelle ein samtiger Text. Dr. Githongo schrieb ich: „Most Investments in Europe are not good anymore. I am sorry, my friend, but it’s true. There is only this one business left. Send your 58 Millions to Martenstein Enterprises, Berlin. They are the good, the fast and the serious. They will make Kenia a rich and happy country very soon.“ Wenn man einen Computer hat, kann man ansatzweise verstehen, was Globalisierung bedeutet.