In den vergangenen 30 Jahren lautete die Standardantwort der Dermatologen auf die Frage, ob Akne mit der Ernährung zusammenhängen kann, unisono: Nein, Diäten helfen nicht gegen die Pickel, die Ursache der Akne ist letztlich unbekannt, wahrscheinlich ist sie genetisch bedingt. Besonders Jugendliche könnten nur hoffen, zu der großen Mehrheit zu gehören, bei der die Überproduktion der Talgdrüsen mit dem Erwachsenwerden auf ein normales Maß zurückgeht.

Die Belege für diese Einschätzung sind aber erstaunlich dünn. Es gibt einen Versuch zur Schokolade aus dem Jahr 1969. Dabei bekam die eine Hälfte der Testpersonen einen Schokoriegel, die andere ein gleich aussehendes, aber kakaofreies Zucker-Fett-Gemisch. Es ließ sich kein Unterschied bei der Akne feststellen, woraus man allenfalls schließen kann, dass die Kakaobestandteile der Schokolade keinen besonderen Einfluss auf die Hautkrankheit haben. Die zweite Studie über Akne und Ernährung von 1971 genügt modernen statistischen Anforderungen nicht.

In den vergangenen Jahren melden sich vermehrt Experten zu Wort, die sich aber durchaus einen Einfluss der Ernährung auf die Akne vorstellen können. Unter Verdacht stehen dabei nicht die Fette, wie man vielleicht denken könnte, sondern vor allem Zucker und Milchprodukte. Da das jedoch die ideologisch am meisten belasteten Lebensmittel sind, sollte man mit schnellen Urteilen vorsichtig sein. Immerhin gibt es Hinweise, dass der Insulinspiegel des Körpers in den Hormonhaushalt eingreift und Akne begünstigt. Gerade ist im American Journal of Clinical Nutrition ein Artikel einer australischen Forschergruppe erschienen, die bei einer Blindstudie mit 43 männlichen Aknepatienten gute Ergebnisse durch eine Diät mit einem niedrigen glykämischen Index (sprich: weniger Zucker) erzielte.

Fazit also: Die spezifischen Inhaltsstoffe etwa der Schokolade sind gewiss nicht pickelfördernd, aber es kann nicht schaden, einmal eine gesündere Ernährung auszuprobieren. Christoph Drösser

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