Film

Triumph der Hirnlosigkeit

Michael Bays Science-Fiction-Film "Transformers" führt den Blockbuster zum Exzess und in die Sackgasse.

Nun hat Hollywood, diese Reproduktionsmaschine, die unablässig Sequels, Serienadaptionen und Remakes ausspuckt, einen perfekten Recyclingfilm fabriziert. Michael Bays Sommerspektakel Transformers beruht auf einer japanisch-amerikanischen Spielzeugserie, deren Roboterfiguren die Gestalt von Autos, Flugzeugen und anderem technischen Gerät annehmen. Die Transformers existieren bereits als Computerspiel, Comic und Fernsehserie, wurden in den Achtzigern schon einmal fürs Kino verfilmt und ausgiebig von einer französischen Autoreklame kopiert. In ihrer Spielzeug-Mythologie bekriegen sich zwei Robotervölker vom Planeten Cybertron auf der Erde. Während die machthungrigen Deceptions den Planeten in ihre Gewalt bringen wollen, verbünden sich die Frieden und Freiheit liebenden Autobots mit den Menschen. Kriegsentscheidend ist eine Energiequelle namens Allspark, die in der Kinoversion wie ein gigantischer Brühwürfel aussieht und von einer Geheimabteilung der amerikanischen Regierung aus nicht ganz klaren Gründen unter dem Hoover-Damm versteckt wird.

Der Regisseur Michael Bay (Bad Boys 1 + 2 , Armageddon, Pearl Harbor) hat den Roboterkampf mit etwa drei Dutzend bekannten Blockbuster-Motiven zu einer sagenhaft kruden Handlung zwischen patriotischem Kriegsfilm, Action-Spektakel und Highschool-Lovestory verrührt. Er bedient sich bei E. T. , Robocop und Stirb langsam, klaut die esoterisch wabernde Mächte-Philosophie von Star Wars, die harten Jungs bei der amerikanischen Armee, die seinen Film bereitwillig unterstützte, und die hormongetränkten Highschool-Witze bei American Pie. Neutral gesagt, ist Transformers ein einziger lang gezogener Transformationsprozess und damit ein Kino, das sich selbst zur Metapher wird.

Gegen gutes Recycling ist natürlich nichts einzuwenden. Das Problem ist aber, dass Michael Bay all diese Versatzstücke aus der bunten Welt des Popcornkinos geist- und ironiefrei und mit jener augenbetäubenden Routine aneinanderklatscht, die ihm selbst in der keineswegs unterhaltungsfeindlichen amerikanischen Presse Titel wie »Fast Food Frankenstein« und »Anabolika-Regisseur« einbrachten. Hinter der kreischenden, krachenden Tonspur seines neuen Films bleibt nur das ideologische Grundrauschen des Drehbuchs vernehmbar: Da sich Regierung und Geheimdienste als unfähig erweisen, nimmt eine im Wüstenkampf abgehärtete Einheit amerikanischer GIs den Kampf gegen die Invasionsroboter in die Hand. Flankiert werden die properen Jungs mit den schweißglänzenden Muskeln und Camouflagewesten von der US-Army, die ihr militärisches Gerät wie auf einer Waffenmesse spazieren führt. Auch das übrige Filmpersonal bleibt von der Militarisierung nicht verschont. »Du bist jetzt Soldat«, sagt der Autobotführer während der finalen Straßenschlacht zum jugendlichen Helden. Ein Invasorenflugzeug, das in ein Hochhaus kracht, fungiert hier als Ausrufungszeichen der wehrhaften Botschaft, die seit dem 11. September in Umlauf ist. Streckenweise wirkt Transformers wie eine Mischung aus Autoreklame und Rekrutierungsvideo.

Ein gängiger Vorwurf an Hollywoods neuere Science-Fiction- und Action-Filme lautet, dass sie ihre Seele, oder was auch immer damit gemeint sein mag, an die Überbietungslogik der Computereffekte verkaufen. In Transformers verhält es sich genau umgekehrt: Enthusiasmus und spielerische Freude versprühen hier allein die Auftritte der computergenerierten Riesen und ihre Verwandlungstricks. Als Kreuzung von Schwarzenegger-Silhouette und Metallskelett verbreiten sie eine Unschuld, die den Fantasiewelten unaufgeräumter Kinderzimmer entsprungen scheint. Wenn sie sich in Sekundenschnelle von einem verkratzten 1970er Chevrolet in einen großen gelben Elektrokumpel verwandeln, durch Häuserschluchten rumpeln oder mit schwereloser Eleganz einen Highway entlangskaten, dann durchweht den Film jener ewig spätpubertäre Geist, mit dem Regisseure wie George Lucas oder der Transformers- Produzent Steven Spielberg einmal ausgezogen sind, die Welt zu unterhalten.

Es mag absurd anmuten, die Spielzeughelden einer weltweit erfolgreichen Megaproduktion gegen ihren eigenen Film in Schutz zu nehmen. Aber Michael Bay hat das Hollywood-Entertainment in einen Exzess geführt, der eine Sackgasse ist. Er ist ein Transformator, der Schauspieler, Computereffekte, Spielzeuge und Filmgenres zu einem spannungslosen Einerlei verbindet, das alles enthält und nichts mehr erzählt. Dieser Triumph der Hirnlosigkeit führte zu einem weiteren erfolgreichsten Filmstart aller Zeiten.

Aber vielleicht hat es ja auch etwas Beruhigendes, dass einer 150-Millionen-Dollar-Produktion immer noch anzusehen ist, ob in ihrem Kern so etwas wie ein Fünkchen Haltung, ein Geist existiert. Ob sie aus dem dumpfen Unterhaltungsbegriff eines Jungfrankensteins entstanden ist oder aus den kleinen Überbleibseln jener Spielfreude, mit der wir alle einmal unsere Märklinzüge mit Silvesterkrachern aus den Schienen gesprengt haben.

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Leser-Kommentare

  1. haben solche Filme mehr Einfluss auf die Jugend, als Schule, oder Elternhaus jemals ausüben können. Es sollte ein neues Pflichtfach eingeführt werden: "Medienkritik", wenn schon "Politische Bildung" nicht gegeben wird.

  2. ... nicht dass der Film damit richtig beschrieben ist.
    Er ist zwar ein perfekter Publikumsfilm, der wirklich übermäßig offensichtlich für jede Altersklasse attraktive Elemente beeinhaltet, um natürlich Geld fließen zu lassen, doch ich glaube, dass der banale oberflächliche Humor und die ebenso banale Darstellung der Transformer eher selbsironisch die Standards im Filmgeschäft, nicht unbedingt kritisiert, sondern anschneidet.
    Und von wegen bedauerlicher Einfluss auf die Jugend ...
    Die Probleme der Jugend in Filmen zu suchen ist lächerlich und eher eine Ausrede als eine Feststellung.

    • 03.08.2007 um 10:38 Uhr
    • Naegra

    ...wie oft man diesen Mist von wegen "Einfluss auf die Jugend" lesen muss.

    Ich frage mich, wie naiv man sein kann, dass man allen Ernstes annimmt, dass jugendliche Straftäter von irgendwelchen Computerspielen oder Actionfilmen animiert werden.
    Die "Volksverdummungsmaschinerie" Fernsehen trägt mit 2Pac, 50Cent, DSDS, BigBrother & Co. viele eher dazu bei, dass der "Jugend" heutzutage vorgegaukelt wird: "Macht nix, wenn Du in der Schule nicht bestehst. Als Rapper, Gangster oder Superstar verdient man eh mehr als genug."

    Aber in welche Richtung soll es mit der Gesellschaft auch gehen, wenn Harry Potter als Lebensweisheit propagiert wird und inzwischen als Unterrichtsstoff in Gymnasien herangezogen wird.

    Da sind die "Bösewichter" Film und Computer natürlich sehr angenehm, diese können nämlich keine Widerworte geben.

    Wenn ich mir einen Actionfilm anschaue, erwarte ich keine Dialoge wie in Faust mit Gustaf Gründgens. Dass die US-Army nicht nur Filme sondern auch Computerspiele benutzt, um eine ganz besonders subtile art der "Nachwuchsförderung" zu betreiben, ist nicht erst seit 2007 und Transformers bekannt. Von daher ist es etwas daneben, einen ausgewiesenen Actionfilm unter Gesichtspunkten von pädagogisch wertvoller Unterhaltung zu betrachten. Der Film ist was er sein sollte, seichte Unterhaltung auf einem anspruchslosen geistigen Niveau, das einzig der Zerstreung dient, dafür aber mit bombastischen Special Effects. Wem eher nach gehaltvoller Unterhaltung mit grossartigen Schauspielern ist, der sollte sich lieber "Die wundervolle Welt der Amelie" o.ä. anschauen.

    In diesem Sinne, viel Spass im rosaroten Wunderland.

  3. Das Mr. Spielberg nicht der nette Onkel sondern ein
    extrem mächtiger und einflussreicher Mann ist sollte
    mittlerweile bekannt sein. Das er jedoch so einen infantilen
    Müll produziert hätten vielleicht nicht einmal seine schärfsten Kritiker erwartet. Hier wird der totale Krieg als Popcornkino verkauft und das ist eine Schande.

    Da wird mal so nebenbei das Ischtar Tor, mitsamt einem arabischen Dorf zerstört, teenager zu Soldaten erklärt, Kampjets in MTV Ästhetik verpackt und der Verteidingsminister darf mit der Pumpgun drauf los ballern.

    Danke Hollywoood für diesen Propaganda Rülpser..

    PS. @ naegra
    also 2Pac mit 50Cent in einem Atempunkt zu nennen zeugt mit Verlaub nicht von grossem Musik Verständniss..

  4. Ein vortrefflicher Artikel, der sich wohltuend unterscheidet von der Fülle der Filmrezensionen (zum Beispiel der Zeit Artikel über Borat) der die Trashkultur nicht sein lassen kann, was sie ist, sondern sie mit den höchsten Weihen aussatffiert. Allzuoft ist es dann "der Herren eigener Geist" der sich selbstgefällig in der Renzension ausschüttet, anstatt dass versucht werden würde, dem Film gerecht zu werden. Herzlichen Dank also, Frau Nicodemus....

  5. Ich finde, wenn man sich diesen Film anguckt, um einen tieferen Sinn zu finden, ist man vielleicht wirklich verkehrt. Darauf ist der Film aber auch nicht ausgelegt. Es geht mehr darum, Spaß beim Gucken des Films zu haben und den hat man definitiv. Spielberg ist eigentlich auch für sehr gute Filme und Stories bekannt. Bay hingegen ein Meister der Special Animationen (In diesem Fall CGI Technik). Beide haben ihren Part zu diesem Film beigetragen und es ist ein sehr gutes Popcorn Kino draus geworden. Man sollte auch schon sehen, dass man die Filme in die richtige Kategorie einordnet. Daher gibs ja auch Genres wie Horror, Thriller, Drama, Action, Fantasy, Politik-Drama etc.. Ich fand den Film sehr unterhaltsam und sehr gut gemacht!

  6. Also, (ich weiß, thread is schon nicht mehr n, aber torzdem mal noch nen post dazu)die erste Frage ist doch welche zielgruppe hat der film?ich denke nicht wirklich (ohne zu verallgemeinern) dass dieser film auf die alters- und "verhaltens"gruppe von "Die Zeit" lesern zugeschnitten ist. Dieser film ist mehr für 6-16 jährige.Ich persönlich (bin 17) sah mir den film an wegen der umwerfenden Megan Fox (Mikaela im Film)doch den film als film mit tiefem sinn zu sehen ist definitv falsch, dieser film soll der unterhaltung und dem spass dienen.desweiteren auch sehenswert wegen der unglaublichen cgis und rendersequenzen.zudem ganz schlecht lief der film weltweit nun auch nicht mit 706,2 Millionen US-Dollar umsatz! :word:wie ich auf diesen mir nicht gefallenden artikel gekommen bin? google-->transformers (recherche für eine GFS in der gymnsialen oberstufe).wer denkt: ein 17-jähriger, ohne gute zeichensetzung, bal bla bla... das juckt mich nen :fu: ...wir sind hier im internet und mir gehen leute die meinen einen dauernd korrigieren zu müssen auf die nerven, das is mir so was von :wayne:!das ist das VL und ned RL !in diesem sinne DJ CBB

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  • Von Katja Nicodemus
  • Datum 2.8.2007 - 11:14 Uhr
  • Quelle DIE ZEIT, 02.08.2007 Nr. 32
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