Mittlerer Osten Märchen vom guten Diktator

Wie wird der Mittlere Osten friedlich? George W. Bush glaubt: durch Bomben.

Amerikanische Regierungen haben schon so manche Methode ausprobiert, um aus dem Nahen und Mittleren Osten eine Region des Friedens und der Freunde Amerikas zu machen. Der Idee dahinter verpasst das politische Washington dann gern ein Etikett: Realismus oder Idealismus, Isolationismus oder Neokonservatismus. Jeder US-Präsident hatte seine Vorlieben und entschied sich für eine Methode. Manche hatten damit Erfolg. Präsident George W. Bush aber hebt sich von seinen Vorgängern dadurch ab, dass er in kaum sechs Jahren alle Strategien mal ausprobiert hat, und das durchaus mit Misserfolg.

Seine neueste Phase könnte man die neorealistische nennen. Außenministerin Rice kündigte ein gigantisches Rüstungsprogramm an, mit dem »verlässlichen« Verbündeten am Golf geholfen werden soll, ihre Einnahmen aus Öl und Gas in amerikanische Eisenwaren zu investieren. Und die Bedürftigeren, in diesem Fall Israel und Ägypten, werden mit einer Art Rüstungssozialhilfe von immerhin 30 und noch mal 13 Milliarden unterstützt. So viel Aufrüstung war nie seit dem Kalten Krieg.

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Ziel und Zweck der strategischen Verkaufstour ist Iran. Das Land, das die Nuklearzentrifugen rotieren lässt, soll von hochgerüsteten US-Verbündeten eingekreist, eingedämmt, am liebsten eingemauert werden. George Bush nennt die Bundesgenossen an Golf und Nil die »moderaten arabischen Länder«. Das Wort moderat bezieht sich hier weder auf die Durchschnittstemperatur im Sommer noch auf die Methoden der Regime, das eigene Volk in Schach zu halten. Bush meint die moderate Haltung zu Amerika oder besser: die Kunst, die Abneigung zu verschweigen.

Spätestens hier fragt man sich, was denn von der neokonservativen Passion des George Bush geblieben ist. Was wurde aus der weltumstürzenden Idee, mit F-16-Bombern die Demokratie in jener Region zu verbreiten, die einst die Attentäter des 11.September ausgesandt hat? Nicht viel. Nach Niederlagen im Irak und im Libanon hat der Weltumsturz Pause. Und was bleibt vom Idealismus, mit dem Bush die Demokratie als das beste aller schlechten Systeme fördern wollte? Rhetorik. Der Präsident möchte auf die Demokratie in keiner Rede verzichten. Er redet konsequent, handelt aber nicht so. Seit die US-Außenpolitik nicht mehr auf Demokratie in Nahmittelost pocht, sitzen dort nun viele Demokraten im Gefängnis.

Der Demokratieschock kam aus Palästina. Den Sieg der islamistischen Hamas bei den Wahlen hätte ein unbeirrter Demokratieprediger auch als Erfolg verbuchen können. Doch Bush fühlte sich bemüßigt, als Antwort seinen Isolationismus in der Palästinafrage ad acta zu legen. Statt sich wie bisher rauszuhalten, greift er nun ein. Er stützt eine alte Bewegung, die Fatah, mit einem alten Mann an der Spitze. Mahmud Abbas hat nun Waffen und Geld, aber leider kein Land. Braucht er auch nicht, denn seine Funktion beschränkt sich darauf, Hamas kleinzuhalten. Und damit sind wir wieder beim aktuellen Bush und der Frage: Kann sein Realismus mehr Erfolg haben als die bisher ausprobierten Ismen?

Schwerlich. Denn Bush hat sein prinzipielles Missverständnis nicht überwunden: die Aufteilung des Nahen und Mittleren Ostens in Gute und Böse. Doch wer will die auseinanderhalten? Die Iraner werden als Reaktion auf das US-Rüstungsprogramm die Zentrifugen nur noch schneller drehen lassen. Ein Kompromiss mit Teheran oder nur ein Hinauszögern des Atomprogramms wird verhindert. Die Regime in Kairo und Riad dürfen sich belohnt fühlen für die Knebelung von Liberalen und Förderung von radikalen Gedanken im eigenen Land. Es ist kaum vorstellbar, dass in den Irak künftig weniger saudische Kämpfer gehen werden, dass von saudischen Privatkonten fürderhin weniger Geld an den sunnitischen Widerstand gegen die von Schiiten dominierte Regierung in Bagdad fließen wird. Nun also noch mehr Waffen für den sunnitisch-schiitischen Konflikt, für Riad gegen Teheran? Eine Region, die mehr als alle anderen ein Abrüstungsabkommen braucht, wird an diesem wirklichkeitsfremden Realismus nicht genesen.

Um den Irrsinn zu beenden, kann man nur auf ein Land hoffen: Amerika. Gerade dort brandet heftige Kritik am Rüstungsprogramm auf. Bush muss seinen Stahlplan noch durch den Kongress bringen. Und der könnte ihn in einer Aufwallung von Pragmatismus einfach stoppen.

 
Leser-Kommentare
  1. Frieden, Freiheit und Demokratie immer wieder mit Bush und seinen Aktionen in Zusammenhang zu bringen?
    Sicher, als Frage freilich erlaubt, aber nicht als gebetsmühlenartiges Herunterplappern.
    Nach dem Motto: man muss es nur oft genug sagen, dann wird es auch geglaubt.
    Ich behaupte: für Bush und seine Krieger sind obige Zustände im Weg.
    Aber offenbar gibt es keine Alternative zu dieser selbsternannten Weltpolizei, oder?

  2. schlimm was Drogen und Alkohol aus Menschen machen kann, und wenn die dann als Söhne einer Erbdynastie ganz nach oben gespühlt werden , und Verantwortung für die menschheit tragen sollen, dann haben wir eben das , was wir jetzt haben.

    • Rommel
    • 01.08.2007 um 10:31 Uhr

    Einmal mehr wird hier deutlich, das es Herrn Bush und seinen Weltrettern überhaupt gar nicht um Stabilität im Nahen Osten geht. Auch die bürgerkriegsähnliche Lage im Irak ist von den USA gewollt auch wenn gebetsmühlenartig von Freiheit und Demokratie die Rede ist, weil ein zerfallener Irak keine Gefahr mehr darstellt für die Existenz Israels. Es wird darauf hinauslaufen, das der Irak in drei Gebiete geteilt wird (Sunniten/Schiiten/Kurden). Die Ölfelder bleiben so unter amerikanischer Kontrolle und der Irak wird nie wieder die alte Stärke zurückerlangen.
    Dann bleibt ja nur noch der Iran, der von Israel als Bedrohung angesehen und propagiert wird. Aber da hat Herr Bush sich ja was Tolles einfallen lassen, indem er in die Länder des Nahen Ostens Waffen liefert, die mit Freiheit und Menschenrechten nicht viel anfangen können. Weder in Ägypten noch in Saudi-Arabien gibt es eine Demokratie. Dort herrschen viel eher grausame DDR-Zustände. Und Herr Mubarak hat schon lange keine Mehrheit mehr im Volk, auch wenn er in den letzten 20 Jahren mit 99 % der Stimmen "wiedergewählt" wurde. Aber der Amerikaner ist flexibel und hat ein großes Herz ;-)

    • ambln
    • 01.08.2007 um 10:35 Uhr

    Eigentlich wäre das offenkundig dilettantische strategische und taktische Vorgehen der USA unter Präsident Bush zum Lachen- wenn es nicht traurige Realität wäre. Dass man im, leider konventionell nicht zu gewinnenden und sich damit selbst perpetuierenden Krieg gegen den Terror auf einem Auge blind wird: schade. Aber dass die USA mittlerweile beide Augen vor der Realität verschliessen und sich jenseits jeglicher Vernunft in opportunistische, ausschließlich gegenwärtige (Wirtschafts)Politik flüchten, ist ein Drama von eigentlich absehbar globalen Ausmaßen. Was diese amerikanische Regierung in ihrer sicher gut gemeinten, aber ideologisch dumpf verbohrten Weise angerichtet hat, lässt sich mit Worten kaum beschreiben. Bleibt zu hoffen: Et hätt noch immer jot jejange. Irgendwie.

  3. Saddam Hussein wurde doch hierzulande gerade erst als guter Diktator gepriesen.
    Hierzulande ist wohl ein böser Diktator einer der von den USA unterstützt wird und ein guter Diktator einer der gegen den Westen kämpft. J.S.

  4. Es ist einfach unglaublich, aber dieser mental so simpel gestrickte Präsident mit der Sensibilität eine Rhinozerus schafft es, seine bisherige desaströse Bilanz noch zu toppen. Man kann nur hoffen, dass seine restliche Amtszeit schnell vorbeigeht und die Welt sie halbwegs unbeschadet übersteht.
    Die USA hat seinerzeit den Schah von Persien unterstützt, hat Saddam anfangs als Freund unterstützt, ist in Afghanistan mit eigenen Waffen, die den “Freunden” zuvor geliefert wurden, bekämpft worden – wer garantiert, dass nicht in wenigen Jahren in Saudi Arabien
    ”Schurken” die Oberhand gewinnen ? Der Obermissionar in Sachen Demokratie, Freiheit, westliche Werte unterstützt ein Land, in dem öffentlich Köpfe abgeschlagen werden !
    Die USA wird vom selbst ernannten Weltpolizisten mehr und mehr zur grössten Bedrohung für die Welt. Bush’s Politik erschöpft sich im Einsatz und der Demonstration militärischer Macht, rücksichtslose egoistische Durchsetzung eigener Interessen unter Ignorierung der UNO, völlige Fehlanzeige bei der Kooperation auf anderen Feldern ( Stichwort Kyotoprotokoll ).
    Eine Frage steht noch im Raum – sind Bush und seine Adlaten die Handelnden oder nur Marionetten der amerikanischen Rüstungsindustrie, die an dem angekündigten Handel fett verdient ?

  5. Aber hierzulande gilt eben der Schah, weil US unterstützt, als Bösewicht während man für Khomeini Verständnis hat.
    Wir hatten sogar schon den Fall das ein Showmaster gezwungen wurde sich öffentlich für eine Satire über den Ayathollah zu entschuldigen und zudem einen schweren Karrieredämpfer hinnehmen musste. Der Ayathollah, weil US-feindlich, hat eben hierzulande eine Menge Freunde. J.S.

  6. Sollte es Bush tatsächlich noch einmal schaffen, seine Eisenwaren im Nahen Osten meistbietend loszuschlagen, dann wird damit ja wohl auch immer deutlicher, wie sehr sich bereits die Argumentation für eine Raketenabwehr in Polen und Tschechien tatsächlich an einer möglichen Zukunft orientierte.

    Vor diesem Hintergrund gesehen wird Putin, der seit München nur noch als kalter Krieger Nummer eins gehandelt wird, fast wieder sympathisch.

    Die Amerikaner lassen wirklich keine Dummheit mehr aus bzw. zeigen die Regierenden ihr wahres Gesicht. Das Furchtbare ist, dass immer wenn ein Bush im Weissen Haus regierte, etwas nach hinten losging.

    Denn auch die "New Worlds Order" des alten Bush wurde von niemandem verstanden. Dem "Mauerfallpräsidenten" hatte sein Erfolg in Europa viel Ansehen verschafft, dass er aber durch weitergehende Gelüste wieder verspielte.

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