USA Auferstanden aus RuinenSeite 2/2

Bei der Auswahl seiner Klienten ist der Berater Giuliani nicht wählerisch

Giuliani Partners beriet auch die Fluglinien Delta, US Airways und Aloha Air, die nach 9/11 Konkurs anmeldeten. Allein dafür erhielt die Firma mehr als zehn Millionen Dollar. Andere Kunden waren Ecosphere, die Wasserfilter und Dekontaminationstechnik anbieten (hier ist Thomas Von Essen inzwischen Vizepräsident), CamelBak, die wassergefüllte Rucksäcke für Soldaten im Wüsteneinsatz produzieren, und Entergy Nuclear Northeast, die Atomreaktoren betreiben. »Giuliani benutzt die Reputation, die er in New York gewonnen hat, um sie an Firmen zu vermieten, die eine Aura von heroischer Integrität brauchten«, erklärt Barrett. Dazu zählte auch Applied DNA Sciences, deren Technologie gefälschte Markenwaren und Kreditkarten erkennen soll. Der Vertrag zwischen Giuliani Partners und Applied DNA, durch den die Berater 1,25 Millionen Dollar einnahmen, wurde im August 2004 unterschrieben, noch im gleichen Jahr stieg der Aktienkurs von rund 50 Cent auf fast zwei Dollar. Das Problem: Einer der Investoren der Firma war Richard Langley, dem die Börsenaufsicht SEC nach einem Betrugsverfahren untersagt hatte, mit Penny-Stocks wie eben denen von Applied DNA zu handeln. Nachdem die Presse darüber berichtet hatte, ließ Giuliani die Firma fallen.

Problematischer war die Tätigkeit für Seisint Inc, ein Start-up aus Florida, das Software zur Datensuche vertreibt, mit der Milliarden von Dokumenten durchsucht werden können. Codename: The Matrix. Seisint-Gründer Hank Asher war nicht gerade der ideale Lieferant für sicherheitsrelevante Software: Er hatte dem FBI gestanden, in den achtziger Jahren mehrere Kilo Kokain von Kolumbien nach Florida geschmuggelt zu haben. Trotzdem bekam Asher, der sich der Hilfe von Giuliani versichert hatte, einen Auftrag über zwölf Millionen Dollar vom Department of Homeland Security. Als Zeitungen in Florida darüber berichteten, trat Asher zurück. »Ich bewundere sehr, was Hank macht«, verteidigte Giuliani seinen Freund damals. »Es ist wichtig, aus seinen Fehlern zu lernen.«

Ob Giuliani im Fall von Seisint seinen Einfluss geltend gemacht hatte, wurde nie nachgewiesen, wohl aber, dass er seinen guten Draht zu Asa Hutchinson genutzt hat, dem Chef der Drug Enforcement Administration (DEA), als es um Purdue Pharma ging. Purdue engagierte Giuliani, nachdem die DEA gegen den Pharmakonzern zu ermitteln begonnen hatte, es ging um das Schmerzmittel OxyContin.

Während Kerik eine Purdue-Fabrik in New Jersey in Sachen Sicherheit überprüfte, traf sich Giuliani mindestens zweimal mit Hutchinson. Eine Woche vor dem Jahrestag des 11. Septembers organisierte Giuliani sogar eine Gala, bei der 20.000 Dollar für ein DEA-Museum gesammelt wurden. Letztlich zahlte Purdue zwei Millionen Dollar Strafe, durfte das profitable Medikament aber weiter verkaufen – sehr zum Ärger der Beamten bei der DEA, die gegen den Konzern ermittelt hatten. »Ich hätte die wesentlich lieber in Handschellen vor Gericht gesehen«, sagte Laura Nagel, die bei der DEA zuständige Abteilungsleiterin, zur Washington Post. Aus seiner Sicht hat sich Giuliani nur dafür eingesetzt, die Firma »zu beraten und Lösungen zu finden, um den Missbrauch solcher Medikamente zu verhindern«.

Der Kandidat sucht die Nähe zu »Big Oil« – wie zuvor George W. Bush

Inzwischen dreht Giuliani ein weit größeres Rad. Anfang 2005 wurde er Teilhaber der Kanzlei Bracewell & Patterson – heute Bracewell & Giuliani – im texanischen Houston. Die Kanzlei arbeitet nach eigenem Bekunden »seit ihrer Gründung 1945 eng mit der internationalen Öl- und Benzinindustrie zusammen«. In Washington tritt Bracewell als Lobbyist auf, man kooperiert mit »Vorstandsvorsitzenden und Industrieführern, was politische Leitlinien und Gesetzesberatung betrifft«. Bracewell-Chef Patrick Oxford ist ein glühender Unterstützer von George W. Bush. Und auch Giuliani könnten diese Kontakte den Weg ins Weiße Haus ebnen.

Giuliani leitet das New Yorker Büro, das in einem Art-déco-Wolkenkratzer an der Avenue of the Americas liegt. Die wichtigsten Kunden von Bracewell & Giuliani kommen aus der Öl- und Rüstungsindustrie, darunter Shell Oil, Bechtel, Raytheon oder die Association of National Petrochemical and Refiners und die Association of Gas Processors. »Die repräsentieren praktisch jeden bad guy, was Umweltschutz angeht«, meinte Frank O’Donnell von der Umweltschutzorganisation Clean Air Trust. Wie Ölproduzenten in Saudi-Arabien, Algerien oder Libyen. Kunde ist aber auch Rupert Murdochs Medienimperium News Corp mit dem Ableger DirectTV.

Bracewell hilft außerdem bei Konkursen und Korruptionsvorwürfen und vertritt Manager strafrechtlich bei Verdacht auf Aktienbetrug, Anlageberatungsbetrug, Verstoß gegen Kartellauflagen, Geldwäsche, Insiderhandel, Steuerverstoß und Umweltsünden. Der einzige Kunde der Kanzlei, der Giuliani bisher Image-Probleme bereitete, war ein Geschäftsmann, einer von rund 200 Saudis, die von Familien von 9/11-Opfern verklagt wurden, weil sie angeblich den Terror mitfinanziert haben. Der Vertrag wurde aufgelöst, nachdem der Bürgermeister der Kanzlei beitrat. »Das war für Giuliani eine sehr emotionale Angelegenheit«, meinte Bracewell-Geschäftsführer Patrick Oxford zum Fachblatt American Lawyer.

Giuliani handelt im Rahmen des Gesetzes, aber ist das die ideale Geschäftsidee für einen Präsidentschaftskandidaten, der für Recht und Ordnung eintritt? Ed Koch sieht da kein Problem. »Es ist völlig in Ordnung, wenn ein Anwalt Geld verdient«, sagt er. Anders denkt Craig Holman, der beim Verein Public Citizen ein Auge auf die Wahlkampffinanzierung hat. Giuliani verhalte sich zwar legal, denn er halte kein Regierungsamt. »Aber er begibt sich damit in einen Interessenkonflikt, erst recht, wenn die Ölfirmen, für die er heute arbeitet, demnächst für seinen Wahlkampf spenden.«

Für Giuliani sind vor allem die Verbindungen nach Texas bedeutsam, denn dort sitzen die Leute, die bereits George W. Bush geholfen haben, die Wahl zu gewinnen. Patrick Oxford unterstützte Bush erst als Gouverneur von Texas, dann als Präsidentschaftskandidat. Im Wahlkampf 2000 stellte Oxford sogar ein Team von rund 1500 Anwälten auf, die Mighty Texas Strike Force, das in umkämpfte Staaten geschickt wurden. In Florida überprüfte die Gruppe die Nachzählung von Stimmen, die zwischen Bush und Al Gore umstritten waren. Im Wahlkampf 2004 wurde das Team in Ohio eingesetzt. »Wir bewegen uns im Rhythmus von Gewehrschüssen«, sagte Oxford damals zu Newsweek.

Knüpft Giuliani da an? »Er ist schon mehrfach in Texas aufgetaucht, um Spenden zu sammeln«, sagt Wayne Madsen, ein investigativer Journalist aus Washington. »Meistens tritt er dort mit Ölleuten auf.« Geld für seinen Wahlkampf dürfte Giuliani also bekommen. Nur als er selbst spenden sollte, zeigte sich der Exbürgermeister eher zugeknöpft. Für das World Trade Center Memorial werden 300 Millionen Dollar gebraucht, Giuliani und seine Frau gaben im fünfstelligen Bereich. Sein Nachfolger Michael Bloomberg spendete 15 Millionen Dollar.

 
Leser-Kommentare
    • Anonym
    • 12.08.2007 um 13:05 Uhr

    wußte schon Kaiser Vespasian vor rund 2000 Jahren und das hat sich bis heute nicht geändert. Auch in Deutschland soll es ranghohe Politiker geben, die wissen, daß z.B. auch Gas nicht stinkt. Also hat es keinen Zweck, sich darüber aufzuregen.

    • Anonym
    • 12.08.2007 um 15:26 Uhr

    der ehemalige Bürgermeister von New York hat sein ehemaliges Amt genutzt um viel Geld zu verdienen. Es sei ihm gegönnt aber als möglicher Präsident der USA ist er für dieses Amt, nach meiner Meinung, nicht geeignet. Er wird, wenn er sich für dieses Amt bewirbt, nicht gewinnen.

  1. Zum "straw poll" in Iowa vorige Woche ist Giuliani gar nicht erst erschienen, denn er wusste, dass er dort keine Chance hatte. Neben den dort gekürten Hauptkandidaten der Republikaner spielt nach wie vor der "Nichtkandidat" Fred Thompson hinter den Kulissen eine bedeutende Rolle, obwohl er ebenfalls nicht in Iowa auftauchte. Dennoch könnte Fred Thompson sich als der endgültige Kandidat entpuppen. Die Kandidatenauswahlen sind keine Popularitätswettbewerbe innerhalb der eigenen Partei, sondern es geht immer darum, jemanden zu finden, der auch die Wähler aus der Gegenpartei überzeugen kann.

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