Ich habe einen Traum Quentin Tarantino

Der Regisseur träumte schon früh vom Filmemachen. Und von Begegnungen mit Robert Mitchum und John Wayne. Heute, sagt Tarantino, lebe er seinen Traum

Als Kind hatte ich besonders lebhafte Träume, wenn ich mir etwas sehnsüchtig wünschte. Ein Spielzeug zum Beispiel. Es begann mit einem sprechenden „Viewmaster“. Das ist ein kleiner Bildbetrachter aus Plastik, in den man eine Scheibe mit Dias steckt. Er hatte einen kleinen Soundtrack und erzählte eine Geschichte zu den Bildern. Es war das erste Mal, dass ich etwas so sehr wollte, dass ich begann, davon zu träumen. Als ich aufwachte, hatte ich ihn dann doch nicht. Wie fast alle Spielzeuge bekam ich ihn erst, als meine Obsession schon etwas abgeklungen war.

Ähnlich war es mit meinem Traum, Filme zu machen. Ich war ein Fan des Regisseurs Howard Hawks. Er war künstlerisch eine Art Vaterfigur für mich. Ich träumte, dass ich ihn in seinem Haus besuchte. Meine Erinnerung an diesen Traum ist noch sehr lebendig. Ich betrat seine Villa, die großen Flügeltüren öffneten sich vor mir. Es lief gerade eine Party. Ich durchschritt einen riesigen Vorraum und trat auf einen Balkon, von dem aus man ein riesiges Beverly-Hills-Anwesen überblickte.

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Auf dem Balkon stand Robert Mitchum, einen Drink in der Hand, er drehte sich zu mir um und sagte: „Hey Quentin, komm her.“ In meinem Traum kannte Mitchum mich. Wir waren Kumpel. Ich ging zu ihm rüber. „Hast du den alten Mann schon gesehen?“, fragte Robert. „Er ist da unten.“ Er zeigte über die Brüstung. Da war Howard Hawks, in Bermudashorts und Hawaii-Hemd, einen Drink in der Hand, auf einer Chaiselongue am Pool. Er sprach mit John Wayne, der auf seinem Schoß saß. John sah hoch und rief: „Hey Quentin, wie geht’s dir? Komm runter, setz dich zu uns.“

Ich glaube, ungefähr in diesem Augenblick wachte ich auf. Aber ich war nicht wirklich enttäuscht; der Traum war mir so real erschienen, dass ich noch eine Weile glaubte, es sei tatsächlich geschehen.

Meine Mutter war 16 Jahre alt, als sie mit mir schwanger wurde. Sie nannte mich nach Quint Asper, einer Figur aus der Westernserie Rauchende Colts, die zur Zeit meiner Geburt von Burt Reynolds gespielt wurde. Quint Asper in Rauchende Colts war ein Halbblutindianer wie meine Mutter, die halb irisch und halb Cherokee war. Sie stand auf Burt Reynolds. Sie hat sogar kurz darüber nachgedacht, mich Burt zu nennen. Heute bin ich froh, dass ihre Vorliebe für ungewöhnliche Namen stärker war und sie beschloss, mich Quint zu nennen, die Kurzform von Quentin. Meine Mutter hat mich allein großgezogen. Ich war ein Einzelkind, verbrachte viel Zeit mit mir selbst und hatte immer starke Wünsche und Sehnsüchte.

Kein Wunder, dass ich unbedingt Schauspieler werden wollte. Als ich älter wurde, merkte ich, dass es nicht so sehr das Schauspielern war, sondern das Machen des ganzen Films. Ich stellte fest, dass ich Filme zu sehr liebte, um bloß in ihnen zu spielen. Ich wollte, dass es meine Filme waren. So wurden die Regisseure zu meinen Helden.

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