Libanon Hisbollah? Halb so schlimmSeite 4/4

Und Hisbollah würde kaum anders können, als in den Kampf einzusteigen, Unifil hin oder her. Gerade sei er dabei, sagt Graziano, eine Telefonhotline zu seinem Counterpart bei den israelischen Streitkräften aufzubauen. Im Falle eines erneuten Angriffs müsse er sofort deeskalieren können. Neulich sei ihm das noch gelungen.

Tatsächlich entpuppen sich die palästinensischen Flüchtlingscamps im Libanon seit einigen Monaten als Brutstätten des Dschihad-Fanatismus. Im Lager Nahr al-Bared nahe Tripoli liefert sich die libanesische Armee seit Wochen Gefechte mit der schwer bewaffneten Fatah al-Islam, einer Gruppe von Terroristen und Selbstmördern, die Gedankengut von al-Qaida entlehnt. Beobachter halten es für möglich, dass ihre Anhänger im Südlibanon ein ideales Betätigungsfeld ausgemacht haben, denn dort lassen sich zwei Erzfeinde auf einen Schlag angreifen: Israel und die verhassten »Kreuzzüglertruppen« aus den Nato-Staaten. »Die libanesische Armee nimmt an ihren Checkpoints jeden Tag Leute fest, die nicht die richtigen Papiere haben, um in den Süden zu fahren«, berichtet die zivile politische Beratin der Unifil, die Deutsche Cornelia Frank. »Sie stammen zumeist aus Syrien und aus Palästina.« Die »Warnhinweisdichte« für die Unifil-Truppen, sagt ein deutscher Offizier, sei »unheimlich hoch«.

Während der Waffenschmuggel über See dank der deutschen Marineboote spürbar eingedämmt zu sein scheint (von 8000 Schiffen, die die Deutschen bisher anhand der Transportpapiere auf Plausibilität überprüften, seien der libanesischen Küstenwache 34 als verdächtig gemeldet und durchsucht worden), wird die israelische Regierung nicht müde, zu betonen, dass aus Syrien jede Woche Transporte mit Raketen, Granatwerfern und Panzerfäusten in den Libanon gelangten. Zwar hat Tel Aviv dafür noch keine Beweise vorgelegt. Aber selbst die Vereinten Nationen halten die Grenze zu Syrien für völlig porös. An kaum einem Grenzübergang gibt es Lastwagenscanner, und die Pfade über das Antilibanon-Gebirge seien ohnehin nicht kontrollierbar, sagt ein europäischer Diplomat. Als Beispiel nennt er den sogenannten Ameisenschmuggel: Ziegen und Schafen würden einfach Pakete unter den Bauch geschnallt. Die Tiere liefen dann von allein über die Grenze und würden auf der anderen Seite erwartet. Dem Diplomaten zufolge funktioniert der Handel so: »Saudische Stiftungen liefern den sunnitischen Extremisten Geld, die kaufen damit Waffen, die über Syrien in den Libanon gelangen.«

In der New Yorker UN-Zentrale drängt Israel schon, das Mandat für die Unifil am 31. August nicht nur zu verlängern, sondern zu erweitern. »Wir möchten, dass das Mandat auf die Grenzsicherung zu Syrien ausgedehnt wird«, sagt ein israelischer Diplomat. Aber würde ein solcher Schritt die neuen sunnitischen Terrorgruppen nicht zu weiteren Anschlägen auf die internationale Schutztruppe verleiten? Der Israeli zieht die Augenbrauen hoch. »Falls wir kein verstärktes Mandat bekommen«, sagt er, »müssen wir selbst etwas unternehmen.«

So steckt die neue Unifil an ihrem ersten Geburtstag gehörig in der Zwickmühle. Erhöht die Staatengemeinschaft den Druck gegenüber Syrien, rücken die Blauhelme stärker ins Visier der Sunni-Milizen. Tut sie es nicht, könnte irgendwann die israelische Generalität überkochen ob der vermeintlichen Trägheit der UN. Und wenn es in Zukunft zur Friedenswahrung vor allem darauf ankommt, sunnitische Terroristen aus der Grenzregion fernzuhalten, dann könnte Hisbollah – so bizarr es klingen mag – noch als Schutztruppe für die Unifil gebraucht werden. Wer weiß, vielleicht hat am Ende Yussif Ali recht, ein 70-Jähriger, der seit Jahrzehnten einen Gemischtwarenladen gegenüber dem Unifil-Hauptquartier betreibt, wenn er augenzwinkernd die Pointe setzt: »Keine Sorge, mein Freund, keine Sorge. Hisbollah passt schon auf die Unifil auf.«

 
Leser-Kommentare
  1. internationalen Kräfte, vor allem die Europäer in einen Konflikt hineinzuziehen, weil er im eigenen Land keine Unterstützung für einen neuen Krieg mehr hat ?

  2. 2. was...

    ...würde denn passieren wenn keine schutztruppen da wären???
    bürgerkrieg?
    wie in den 70'ern und 80'ern???
    ich würde ja sagen alle raus eus dem mittleren osten und der gesamten muslimischen welt, nen großen zaun drum und die alle mal mit sich alleine lassen. nach 200 jahren voller mord und totschlag sind die vielleicht dann mal soweit demokratie zu verinnerlichen!
    die brauchen dort keine amerikaner um sich gegenseitig fertig zu machen!
    demokratie muss man verinnerlichen nicht vorgelebt bekommen, das reicht anscheinend nicht!
    beschützt israel, die einzige funktionierende demokratie dort unten!

  3. 3. was...

    ...würde denn passieren wenn keine schutztruppen da wären???
    bürgerkrieg?
    wie in den 70'ern und 80'ern???
    wie man sieht sind es nicht christliche milizen die dort gegen die un truppen gehen sondern die hisbollah, womit ersichtlich ist dass die nen staat im staat war. wo waren die ach so humanistischen kommentare dazu in all den jahren.
    ich würde ja sagen alle raus aus dem mittleren osten und der gesamten muslimischen welt, nen großen zaun drum und die alle mal mit sich alleine lassen. nach 200 jahren voller mord und totschlag sind die vielleicht dann mal soweit demokratie zu verinnerlichen!
    die brauchen dort keine amerikaner um sich gegenseitig fertig zu machen!
    demokratie muss man verinnerlichen nicht vorgelebt bekommen, das reicht anscheinend nicht!
    beschützt israel, die einzige funktionierende demokratie dort unten!

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