Österreich Auf die echte TourSeite 3/3

Sennerin Resi Ganitzer ist seit 25 Jahren jeden Sommer auf der Ellmaualm. Am Wochenende besucht sie ihr Mann Hans (rechts); ein Junge vom Dorf hilft beim Hüten

Sennerin Resi Ganitzer ist seit 25 Jahren jeden Sommer auf der Ellmaualm. Am Wochenende besucht sie ihr Mann Hans (rechts); ein Junge vom Dorf hilft beim Hüten

Aber in Wahrheit gilt die Regel, die am nächsten Tag Sennerin Resi von der Ellmaualm ausspricht: »Wanderer bringen mehr Geld wies Vieh.« Theresia Ganitzer ist die Schwester des Bauern, dem die Ellmau gehört, eine schmale Frau in Jeans und knappem Ringel-T-Shirt, seit 25 Jahren auf der Alm: die moderne Version der klassischen Sennerin. Schon immer zog es junge Frauen auf die Almen, wo sie manche Freiheit hatten, der dörflichen Sozialkontrolle enthoben, abgeschieden, aber nicht unerreichbar für den Jäger oder den Dorfburschen, den es zum »Dirnei« zog. Heute hat die Sennerin ein Handy. Vor zehn Jahren, sagt die Resi von der Ellmau, hat das angefangen, dass Touristen auch unter der Woche auf die Alm kamen. »Vorher hamma mittags gschlafen.« Nicht, dass sie die Entwicklung bedauern würde. Hirt sein und Wirt sein, Kühe melken und Gäste melken, eins schließt das andere nicht mehr aus. Aber es gefällt ihr nicht, dass es heute Almen gibt, die drei Sorten Eis anbieten und eine Speisekarte wie im Gasthaus. Bei ihr gibt es »a Brettljausn, a Gulaschsuppn und a Frittatnsuppn«, fertig. Eine Alm soll eine Alm bleiben, oder net?

Der Salzburger Almenweg streift neue Häuser mit drei Eissorten (Loosbühelalm) ebenso wie die kaminlose Karsegghütte aus dem Jahr 1620 mit offenem Feuer und gestampftem Lehmboden, deren alter Senn sich weigert, für die Gäste Sonnenschirme aufzustellen. Weil rot-weiße Cola-Schirme nicht passen zu seiner alten Alm. Man kehrt hier ein und dort ein und merkt nach einer Weile, dass dieser Almenweg klug konzipiert ist. Er lehrt, worauf es ankommt. Eine Alm bleibt eine Alm, auch mit drei Eissorten, Dusche und Ponderosa-Look – solange auf ihr Sennerinnen und Hirten die Hochweiden nutzen, Almtiere hüten, eigene Produkte herstellen. Das ist der Unterschied zum Etikettenschwindel von hoch gelegenen Etablissements, die sich »Strudel-Alm« oder ähnlich nennen, Ausflugslokalen mit Großparkplatz und Kleintierzoo, mit Schau-Käsen und »lustigen Musikanten«.

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Der Wanderer ist früh von der Ellmaualm aufgebrochen, zwei Stunden lang hat er niemand getroffen, der Morgen ist frisch und klar, als er vom Spatkar zur Spatalm herunterkommt. Die Hütte ist verschlossen, ihr altes Holz duftet unter der Sonne. Jungvieh grast, die Grate glänzen, es blaut der Himmel über fernen Gipfeln. Die Glockkuh läutet kompetent. Unter ihm im Nebel liegt das Tal und der Alltag. Hier bleiben den ganzen Sommer, das wärs jetzt. Sommer, Herbst, so lang, bis der Schnee kommt.

Information

Anreise:
Die möglichen Ausgangsorte für den Almenweg erreicht man über Salzburg und Bischofshofen gut mit Bahn und öffentlichen Bussen oder auf der Autobahn mit dem Pkw

Unterkunft:
Auf den Almen Matratzenlager oder einfache Mehrbettzimmer, in den Talorten Hotels und Gasthäuser jeder Kategorie. Übernachtung mit Frühstück kostet auf den Almen 12 bis 16 Euro

Routenplanung:
Die ganze Rundtour ist 350 Kilometer lang und in 30 Tagesetappen unterteilt. Sie verläuft in der Almregion zwischen 1500 und 2000 Meter Höhe und berührt etwa ein halbes Dutzend Alpentäler. In jedem der Talorte kann man die Tour beginnen oder beenden, auch Etappen abkürzen, überspringen oder Abstecher zu nahen Gipfeln machen. Die Wege sind für trittsichere Bergwanderer einfach zu begehen, tägliche Gehzeit vier bis neun Stunden

Wanderzeit:
Die Saison dauert von Mitte Juni, wenn das Vieh hinaufgetrieben wird, bis zum Almabtrieb Mitte September, auf tiefer gelegenen Almen und bei schönem Herbstwetter auch bis Ende September

Auskunft:
Salzburger Land Tourismus, Markt 1, A-5620 Schwarzach, Tel. 0043-6415/7212, www.salzburger-almenweg.at

 
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