Nordpol Die Schlacht der Eismänner

Vor 130 Jahren begann das Rennen um den Pol. Bis heute gibt es keinen klaren Sieger

Es gibt ihn nur, weil die Europäer ihn erfunden haben, ein mathematisches Konstrukt auf schwimmendem Eis, sechs Monate ins Dunkel gehüllt, sechs Monate strahlend beleuchtet. Wer will dahin? Lange Zeit: keiner. Die Wikinger ruderten lieber nach Süden. Die Seefahrer des Mittelalters, die den Kompass benutzten, vermuteten dort den sagenhaften Magnetberg, der den Schiffen die Nägel aus den Planken zieht.

Erst im 16. Jahrhundert brechen Engländer und Holländer notgedrungen in die eisige Kälte der Arktis auf. Da die Spanier und Portugiesen die Seewege nach Indien, China und Amerika kontrollieren, muss man eine andere Route finden. 25.000 Gulden liegen in Amsterdam für den bereit, der die Nordwest- oder die Nordostpassage entdeckt. 1879 stellt sich heraus, dass beide Seewege für die Schifffahrt ungeeignet sind.

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Längst ist ein spannenderes Rennen unter den Nationen entbrannt: der Kampf um die letzten weißen Flecken auf dem Globus. Unterstützt von der eigens dafür gegründeten Royal Geographical Society sind es vor allem die Briten, die danach streben, dem Empire die Ehre zu sichern, die Ersten zu sein. 1875 versucht es George Nares am Nordpol. Als die Schiffe im Packeis festsitzen, steigt er auf Schlitten um. Schafft es bis zur Position 83˚ 20' nördlicher Breite und kabelt ernüchtert nach London: »North Pole impracticable!«

Das reizt den amerikanischen Marineleutnant De Long. Er studiert die Meeresströmungen und glaubt, dass es eine von West nach Ost gerichtete Drift gibt. Man muss sich also bloß mit seinem Schiff einfrieren und von der Strömung zum Pol treiben lassen. Das Geld dafür bekommt De Long vom amerikanischen Zeitungskönig Gordon Bennett, dem Besitzer des New York Herald .

Der Plan ist gut, das Schiff ungeeignet. Noch bevor es in die Nähe des Nordpols kommt, wird es zerdrückt. Der Leutnant und seine neunzehn Männer verhungern jämmerlich. Die Bergung der Toten und die Verwertung ihrer Tagebücher liegt exklusiv beim New York Herald. Bennett macht ein Buch daraus. Es wird ein Bestseller.

Der Norweger Fritjof Nansen zieht aus dem Schiffbruch die richtigen Konsequenzen. Dem Schiff, das er konstruiert, kann das Eis nichts anhaben. Sein Rumpf weicht dem Druck nach oben aus. Ausgedacht hatte sich das Prinzip Jules Verne, dessen Romanheld Kapitän Hatteras mit seinem Schiff Forward schon 1866 den Nordpol erreichte. Als Zeichen seiner Hochschätzung für den Schriftsteller tauft Nansen sein Schiff ebenfalls Vorwärts, norwegisch Fram.

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