Hirnforschung Der Riss im SelbstmodellSeite 3/3
ZEIT: Haben Sie einen Vorschlag?
Metzinger: Ein guter Ausgangspunkt könnte die Idee eines »evolutionären Humanismus« sein. Allerdings ist die Evolution nichts, was man glorifizieren könnte: ein zufallsgetriebener, zielloser Prozess, der Millionen unserer Vorfahren geopfert und unendlich viel bewusstes Leid in die Welt gebracht hat und der keine Gnade kennt. Außerdem geht es nicht nur um uns Menschen, sondern um die Gesamtheit bewusster und leidensfähiger Wesen.
ZEIT: Im Moment scheint es in der Welt nicht sehr gut bestellt zu sein für solche humanistischen Werte.
Metzinger: Ich bin im Grunde stockkonservativ. Wir müssen die Werte der Aufklärung verteidigen. Ich sehe eine Gefahr der Flucht in den Fundamentalismus. Die naturalistische Wende könnte eine Welle der Desäkularisierung, der Gegenaufklärung antreiben. Amerika haben wir schon verloren, ich denke, das ist eigentlich kein westliches Land mehr. Als ich in China einen Vortrag über Neuroethik und Bewusstseinskultur gehalten habe, hat man mich dagegen ausgelacht: »Junge, das ist ein Problem, das nur ihr im Westen habt. Ihr hattet damals schon Theater mit Darwin und der Kirche – wir fanden es einfach interessant, dass wir von Affen abstammen.« Dort gibt es anscheinend keinen kulturellen Widerstand gegen ein neurowissenschaftliches Menschenbild.
ZEIT: Konservative Kritiker warnen davor, dass sämtliche Werte den Bach runtergehen, wenn sich ein solches Menschenbild durchsetzt.
Metzinger: Möglich wäre auch, dass die Gesellschaft in einen vulgären Materialismus abdriftet. Wenn die Leute sagen: Das ist ein kaltes, leeres Universum, wir sind eine bessere Art von Bioautomaten, Ego-Maschinen ohne Willensfreiheit, die aus der Evolution entstanden sind. Wir haben keine Seele, sondern Selbstmodelle, und es wird im Jenseits keine Belohnung für gute schauspielerische Leistungen geben. Da könnte sich, lange bevor die wissenschaftlichen und philosophischen Fragen überhaupt geklärt sind, ein primitiver Hedonismus ausbreiten, der zu einer Entsolidarisierung führt. Das klassische Stichwort lautet »soziale Bindekräfte«.
ZEIT: Wie kann man mit der Vorstellung zurechtkommen, ins Universum geworfen zu sein?
Metzinger: Es ist nicht einfach, damit zu leben. Ich frage mich aber, ob es einen dritten Weg gibt, vielleicht eine radikal individualistische, jenseits vom reaktionären Irrationalismus der organisierten Religion liegende Spiritualität, die dezidiert nichts glaubt und für empirische Erkenntnisse offen ist, die aber weiß, dass es Dinge gibt, über die wir aus prinzipiellen Gründen nicht reden können. Es geht darum, eine gewisse Qualität der Offenheit nicht zu verlieren. Wir stehen noch immer vor einem riesigen Ozean von Nichtwissen – vielleicht werden wir nach dem Durchmarsch der Neurowissenschaft Antworten finden, für die wir jetzt nicht einmal die Fragen formulieren können.
ZEIT: Können wir uns von der Evolution emanzipieren?
Metzinger: Wir haben als einzige Spezies der Natur ein eingebautes Problem. Erstens hat unser bewusstes Selbstmodell einen räumlich kodierten Teil, das Körperbild, und einen »außersinnlichen«, das Denken. Darum sind wir intuitive Dualisten. Zweitens beherrscht uns ein tief in unser Selbstmodell eingebrannter biologischer Imperativ: Du darfst nicht sterben, du musst überleben. Und drittens haben wir bewusste Gedanken, und der präfrontale Kortex, unser kognitives Selbstmodell, sagt uns: Der größte anzunehmende Unfall, der wird kommen, auch für dich. Das ist der existenzielle Riss im Selbstmodell. Niemand von uns ist gefragt worden, ob er existieren will, mit diesem Gehirn, mit dieser Form von Bewusstsein. Und am Ende werden wir auch nicht gefragt werden, ob wir bereit sind zu gehen. Wir sind die ersten Tiere, die das bewusst erleben.
ZEIT: Liegt in diesem Riss, wie sie ihn nennen, der Ursprung der Religion?
Metzinger: Einer der evolutionsgeschichtlichen Ursprünge der Religion könnte die Kompensation für diese neue Schicht im Selbstmodell sein, die uns emotional verletzt. Aber natürlich wäre, rein logisch gesehen, auch eine solche Erklärung kein Beweis dafür, dass Gott nicht existiert.
Die Fragen stellte Ulrich Bahnsen.
- Datum 20.08.2007 - 03:34 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT 16.08.2007
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Thomas Metzinger beweist in diesem Interview einmal mehr, weshalb er kaum in der Philosophie, aber umso mehr in den Neurowissenschaften als Gesprächspartner akzeptiert wird. So sind auch Neurowissenschaftler wie Wolf Singer daran interessiert, ihre empirischen Forschungsgegenstände zu vernachlässigen, um philosophische Erkenntnisse zu verkündigen. Das ist das gute Recht eines Hirnforschers, nur sollte er eben wissen, dass er die These, es gebe keinen freien Willen, nicht mehr naturwissenschaftlich begründen kann - die Behauptung, den Menschen auf biophysikalische Vorgänge reduzieren zu können, beruht auf weltanschaulichen, philosophischen Vorentscheidungen, die sich eben nicht mehr mit Mitteln der Neurowissenschft begründen lassen.
Umgekehrt gibt es Philosophen wie T. Metzinger, die die empirischen Ergebnisse der Neurowissenschaften übernehmen, ohne diese tatsächlich einer philosophischen Reflexion zu unterziehen. Die neurowissenschaftliche Aussage: "Der Mensch ist nur Biologie" wird vielmehr dazu genutzt, eine Neuroethik zu fordern (was natürlich neue Forschungsgelder für T. Metzingers Lehrstuhl bereitstellen könnte...)
Wollte Metzinger sich tatsächlich als Philosoph ausweisen, dann dürfte er nicht unkritisch die Ergebnisse eines Wolf Singers übernehmen, sondern er müsste das tun, was seit den Griechen die Hauptaufgabe der Philosophen ist: Er müsste Fragen stellen!
Wenn z.B. die Behauptung aufgestellt wird, es gebe kein eigenes Selbst, dann müsste der Philosoph doch fragen: Wer stellt denn die Behauptung auf - wenn nicht ein Subjekt? An wen richtet sich dann die Behauptung überhaupt - wenn nicht an ein subjektives Selbst? Und warum stellen wir überhaupt Thesen auf (wobei der Begriff "wir" hier schon bedeutungslos wäre), wenn es doch keine Subjekte gibt, an die wir unsere Erkenntnisse weitergeben könnten?
Wenn ferner behauptet wird, der freie Wille, sämtliche menschliche Gedanken seien allein das Produkt hirnphysiologischer Vorgänge, so soll nicht bestritten werden, dass der Geist natürlich eine materielle Grundlage hat. Aber zu fragen wäre doch, wie aus elektrischen und chemischen´, also materiellen Vorgängen der qualitative Sprung hin zu geistiger Wahrnehmung geschehen kann. Wie ergibt sich aus Materie das, was traditionell als Geist bezeichnet wird?
Das sind nur zwei vielen weiteren einfachsten Fragen, die eigentlich Gegenstand philosophischer Proseminare sind. Doch nicht einmal auf diese simplen, aber für unseren subjektiven Selbstvollzug grundlegenden Fragen bekommen wir von Metzinger eine Antworten. Nein, er stellt noch nicht einmal die Fragen!
Nun gut, wenn man eben zu sehr damit beschäftigt ist, gänzlich neue Forschungsgebiete wie die "Neuroethik" zu fordern und zu deren Realisierung frische Forschungsgelder auftreiben muss, dann hat man wohl auch keine Zeit mehr, etwas gründlicher über die Grundlagen nachzudenken.
So müssen wir wohl doch einigen unserer hoch dotierten Berufsphilosophen zurufen: Si tacuisses, philosophus mansisses...
Ihr Kommentar:
...Wenn z.B. die Behauptung aufgestellt wird, es gebe kein eigenes Selbst, dann müsste der Philosoph doch fragen: Wer stellt denn die Behauptung auf - wenn nicht ein Subjekt? An wen richtet sich dann die Behauptung überhaupt - wenn nicht an ein subjektives Selbst?...
Besonders gründlich scheinen Sie den Artikel nicht gelesen zu haben. Natürlich leugnet Metzinger, wie auch keiner der Hirnvermesser, dass es ein subjektives Empfinden gibt. Metzinger selbst hat da gar ein 600-Seiten Schmöker darüber verfasst. Er hat sich also ziemlich gründlich mit dieser Frage beschäftigt. Können Sie das auch von sich behaupten?
Metzinger:
... Ja, ich nenne das ein phänomenales Selbstmodell. Es gibt eine Struktur im Gehirn, in der sich der Körper repräsentiert findet, die Emotionen und auch der Geist....
Ihr Kommentar:
...Wenn z.B. die Behauptung aufgestellt wird, es gebe kein eigenes Selbst, dann müsste der Philosoph doch fragen: Wer stellt denn die Behauptung auf - wenn nicht ein Subjekt? An wen richtet sich dann die Behauptung überhaupt - wenn nicht an ein subjektives Selbst?...
Besonders gründlich scheinen Sie den Artikel nicht gelesen zu haben. Natürlich leugnet Metzinger, wie auch keiner der Hirnvermesser, dass es ein subjektives Empfinden gibt. Metzinger selbst hat da gar ein 600-Seiten Schmöker darüber verfasst. Er hat sich also ziemlich gründlich mit dieser Frage beschäftigt. Können Sie das auch von sich behaupten?
Metzinger:
... Ja, ich nenne das ein phänomenales Selbstmodell. Es gibt eine Struktur im Gehirn, in der sich der Körper repräsentiert findet, die Emotionen und auch der Geist....
Auch, wenn wir Herrn Metzinger bei uns einmal zum Thema Bewußtsein zitiert haben, scheint das, was er hier von sich gibt, doch ein recht subjektives Weltbild zu sein. Es geht wie der Epikurismus den wesentlichen Fragen einfach aus dem Weg und geht davon aus, dass der Materialismus wahr sei - also dass es nur die Materie gebe, sonst nichts. Das ist Ansichtssache - mehr aber leider auch nicht. Insofern diskutiert Herr Metzinger hier sein eigenes Denkmodell (ist ja logisch), das aber automatisch eine ganze Menge anderer Modelle ablehnt - ohne das sonderlich zu begründen.
http://theolounge.wordpre...
Offenbar weiss Herr Bahnsen nicht, wen er im Gespräch vor sich hat: Seine Fragen an Herrn Metzinger deuten darauf hin, dass er seinen Gesprächspartner als eine Art Prophet, Schamane oder fleischgewordenes Orakel von Delphi ansieht, dabei beweist schon der Text unter dem Bild von Herrn Metzinger, dass es sich bei ihm um ein gewöhnliches menschliches Individuum handelt, dass wie wir alle in Raum und Zeit existiert, nämlich jetzt gerade in Mainz lehrt. Höchst verwunderlich allerdings ist, was dieser "Philosoph" da lehrt: Während er zuerst auf die Frage der Seele mit einem bescheidenen Ignoramus, besser gesagt mit einem Zweifel beginnt ("Wer weiss das schon so genau ?"), wird er danach zum Sprachphilosophen ("Doch wir brauchen diese Begriffe nicht, um Hypothesen über das Bewusstsein zu formulieren) und er endet dann, kategorisch wie ein Politiker vom Range Catos: Ich sage sogar: Es gibt nicht nur keine Seele, es gibt überhaupt kein substanzielles Selbst." Ja, und hier ist er, der Prophetenton: Ich aber sage euch...., und wahrschenlich ist das der Grund, warum Herr Bahnsen ihn von nun an als Prophet behandelt. Und was wohl die Sekretärin von Herrn Metzinger sagen würde ? Sie würde vermutlich sagen: Das ist aber sehr schade für den guten Herrn Metzinger, dass er kein substanzielles Selbst hat...
Wenn Herr Metzinger aufgrund seines bilogischen Materialismus sagt, es gibt kein substanzielles Selbst, dann gleicht er einem Schildbürger-Philosophen, der versucht, die Seele mit einem Mikroskop einzufangen - er schliesst ein Auge, betrachtet seinen winzigen Ausschnitt der Wirklichkeit, wo ihm zugestandenermassen die Seele nicht in das Blickfeld geraten kann, und dann verkündigt er, dass es da auch sonst nichts zu sehen gibt, ergo, dass keine Seele vorhanden ist. Quod erat demonstrandum.
Was ist hierauf zu antworten ? Vielleicht dies: Wer wäre auch so dumm, zu glauben, dass es sich bei der Seele um ein gegenständlich-fixierbares Ding handelt ? Selbstverständlich ist die Seele transzendent, etwas zu Glaubendes, das aber beim Menschen durch den Körper hindurch erscheint, was Jeder bezeugen kann, der seine Freizeit nicht nur mit materialistischen Hirngespinsten (o wunderliches Paradox) verbringt, sondern der einmal gesehn hat, welch leiblich-seelische Flecken etwa die Schamesröte auf den Wangen eines Mädchens hinterlässt. Wir wünschen Herrn Metzinger, dass er sobald eine Seklretärin da ist, noch einmal dieser Erkenntnis teilhaftig werden wird ! Ansonsten zeigt das Gespräch einen Einblick in ein groteskes Denksystem: die Vermengung von Heiligen und Meditierenden mit Epileptikern zeugt nicht von einem philosophischen Scharfsinn, sondern von Science Fiction. Will MJetzinger uns weismachen, dass die Vorstellung einer Seele das Ergebnis von pathologischen Bewusstseintrübungen ist ? Wo sind eigentlich Vernunft und Wahrscheninlichkeit geblieben ? Und es kommt ja noch besser: Metzinger belehrt den Interviewer darüber, dass es "die Philosophen" nicht gibt - ja, das ist auch nicht schwer, das zu denken, denn wenn man schon glaubt, dass es keine Seele gibt, dann kann man auch glauben, dass es keine Philosophen gibt. Und wenn Metzinger eben noch behauptet hat, dass es keine Philosophen gibt, so widerspricht er sich schon im nächsten Satz, denn da heisst es (Viele gehen davon aus, dass...) Ja, was denn nun Herr Metzinger ? Und die Theologen greifen zu Tricks......Da unterstellt Metzinger einem ganzen Berufsstrand Unehrlichkeit, bloss um selber als der Gipfel der hartgestottenen Wahrhaftigkeit darzustehen. Und so geht es immer weiter....Nur an einer einzigen Stelle ähnelt Metzinger einem Philosophen: Da, wenn er sich wundert warum seine Theorie der Personhlosigkeit in Asien nicht auf Hemmungen trifft. Hier wundert er sich philosophisch über Selbstverständliches. Es hat ihm ja auch keiner sagen können, dass in einem kollektivistischen Termitenstaat die Negation von Personalität keine Furore machen muss......
Ihr Kommentar:
...Wenn z.B. die Behauptung aufgestellt wird, es gebe kein eigenes Selbst, dann müsste der Philosoph doch fragen: Wer stellt denn die Behauptung auf - wenn nicht ein Subjekt? An wen richtet sich dann die Behauptung überhaupt - wenn nicht an ein subjektives Selbst?...
Besonders gründlich scheinen Sie den Artikel nicht gelesen zu haben. Natürlich leugnet Metzinger, wie auch keiner der Hirnvermesser, dass es ein subjektives Empfinden gibt. Metzinger selbst hat da gar ein 600-Seiten Schmöker darüber verfasst. Er hat sich also ziemlich gründlich mit dieser Frage beschäftigt. Können Sie das auch von sich behaupten?
Metzinger:
... Ja, ich nenne das ein phänomenales Selbstmodell. Es gibt eine Struktur im Gehirn, in der sich der Körper repräsentiert findet, die Emotionen und auch der Geist....
Wenn Metzinger sagt, dass sich im Rahmen des von ihm entworfenen "phänomenalen Selbstmodells" eine Struktur vorfindet, "in der sich der Körper repräsentiert findet, die Emotionen und auch der Geist", dann behauptet er damit doch implizit nichts weniger, als dass es die Erfahrung des Selbst und eben den Geist doch gibt.
Umso erstaunlicher ist es folglich, wenn Metzinger im gleichen Interview behauptet, dass es gar kein "Selbst", also auch gar keinen Geist gebe. Sprachlich und logisch hebt Metzinger innerhalb weniger Sätze seine eigenen Aussagen wieder auf.
Ich erspare mir daher, einen 600-Seiten-Schmöker eines
Autors zu lesen, der bereits in einem kurzen, populärwissenschaftlichen Interview seine eigenen Aussagen ad absurdum führt. Die reduktionistischen, bereits in ihrem Denkansatz widersprüchlichen Theorien, die Metzinger und andere Verteter einer randständigen "philosphy of mind"-Ideologie publizieren, wollen den Menschen in seiner Selbserfahrung entkernen. Doch wie die Aporien des hier vorliegenden Interviews unfreiwillig, aber sehr augenscheinlich aufzeigen, können diese biologistischen Ansätze kaum dazu beitragen, das Geheimnis des Geistes zu kären, da sie den Ausgangspunkt solcher Überlegungen nicht ernstnehmen: Die Selbstevidenz der Ich-Erfahrung. Die grundlegende Bedingung des Forschens und Fragens wird vorausgesetzt und zugleich als Illusion abgelehnt - da kann es nicht wundern, dass die verqueren Widersprüche entstehen, die ja in der Überschrift des Interviews schon anklingen: "Riss im Selbstmodell"
Wenn Metzinger sagt, dass sich im Rahmen des von ihm entworfenen "phänomenalen Selbstmodells" eine Struktur vorfindet, "in der sich der Körper repräsentiert findet, die Emotionen und auch der Geist", dann behauptet er damit doch implizit nichts weniger, als dass es die Erfahrung des Selbst und eben den Geist doch gibt.
Umso erstaunlicher ist es folglich, wenn Metzinger im gleichen Interview behauptet, dass es gar kein "Selbst", also auch gar keinen Geist gebe. Sprachlich und logisch hebt Metzinger innerhalb weniger Sätze seine eigenen Aussagen wieder auf.
Ich erspare mir daher, einen 600-Seiten-Schmöker eines
Autors zu lesen, der bereits in einem kurzen, populärwissenschaftlichen Interview seine eigenen Aussagen ad absurdum führt. Die reduktionistischen, bereits in ihrem Denkansatz widersprüchlichen Theorien, die Metzinger und andere Verteter einer randständigen "philosphy of mind"-Ideologie publizieren, wollen den Menschen in seiner Selbserfahrung entkernen. Doch wie die Aporien des hier vorliegenden Interviews unfreiwillig, aber sehr augenscheinlich aufzeigen, können diese biologistischen Ansätze kaum dazu beitragen, das Geheimnis des Geistes zu kären, da sie den Ausgangspunkt solcher Überlegungen nicht ernstnehmen: Die Selbstevidenz der Ich-Erfahrung. Die grundlegende Bedingung des Forschens und Fragens wird vorausgesetzt und zugleich als Illusion abgelehnt - da kann es nicht wundern, dass die verqueren Widersprüche entstehen, die ja in der Überschrift des Interviews schon anklingen: "Riss im Selbstmodell"
Wenn Metzinger sagt, dass sich im Rahmen des von ihm entworfenen "phänomenalen Selbstmodells" eine Struktur vorfindet, "in der sich der Körper repräsentiert findet, die Emotionen und auch der Geist", dann behauptet er damit doch implizit nichts weniger, als dass es die Erfahrung des Selbst und eben den Geist doch gibt.
Umso erstaunlicher ist es folglich, wenn Metzinger im gleichen Interview behauptet, dass es gar kein "Selbst", also auch gar keinen Geist gebe. Sprachlich und logisch hebt Metzinger innerhalb weniger Sätze seine eigenen Aussagen wieder auf.
Ich erspare mir daher, einen 600-Seiten-Schmöker eines
Autors zu lesen, der bereits in einem kurzen, populärwissenschaftlichen Interview seine eigenen Aussagen ad absurdum führt. Die reduktionistischen, bereits in ihrem Denkansatz widersprüchlichen Theorien, die Metzinger und andere Verteter einer randständigen "philosphy of mind"-Ideologie publizieren, wollen den Menschen in seiner Selbserfahrung entkernen. Doch wie die Aporien des hier vorliegenden Interviews unfreiwillig, aber sehr augenscheinlich aufzeigen, können diese biologistischen Ansätze kaum dazu beitragen, das Geheimnis des Geistes zu kären, da sie den Ausgangspunkt solcher Überlegungen nicht ernstnehmen: Die Selbstevidenz der Ich-Erfahrung. Die grundlegende Bedingung des Forschens und Fragens wird vorausgesetzt und zugleich als Illusion abgelehnt - da kann es nicht wundern, dass die verqueren Widersprüche entstehen, die ja in der Überschrift des Interviews schon anklingen: "Riss im Selbstmodell"
Es scheint als müsse sich Herr Prof. Metzinger mit breiterer Publizität auf den Besuch wütender Pöbelhaufen einstellen.
Auch auf die Gefahr hin, dass derjenige, der an bestimmten anthropologischen Konzepten Kritik übt, hier im Forum als "wütender Pöbelhaufen" bezeichnet wird, muss ich doch der deutlichen Kritik an Metzingers Konzepten zustimmen.
Mehr noch, in letzter Konsequenz scheint die hier diskutierte "Philosophie des Geistes" geradezu gefählich zu sein. Prof. Metzingers These besagt in aller Kürze, dass kein Geist, keine Seele, also gewissermaßen keine Personalität des Menschen existiert. Wie einige der Vorkommentatoren überzeugend dargelegt haben, entbehrt diese Aussage sowohl der empirischen als auch einer letztgültigen philosophischen Begründung.
Philosophisch ist das von Metzinger Gesagte also nicht interessant, aber umso mehr gesellschaftspolitisch. Wenn es nämlich, wie im Interview behauptet, kein Selbst und damit keine Personalität gibt, dann gibt es auch keine personale Würde. In einer gesellschaftlichen Situation, in der die finanziellen Mittel für soziale Fürsorge immer knapper werden, liefert diese "Philosophie" die ideale Grundlage, um -z.B. mittels aktiver Sterbehilfe- die finanziell belastenden Subjekten zu entsorgen: Denn wenn ein alter, kranker Mensch letzten Endes doch eh kein Selbst ist, keine Person ist, dann -so die doch gar nicht so weit entfernt liegende Konsequenz des von Metzinger vorgestellten Konzepts- dann können wir uns doch der Alten und Kranken entledigen. Wir tun ja damit keinem "Selbst" Unrecht, denn die Würde dieses "Selbst" würde ja die Existenz von Personen voraussetzen.
Daher kann ich mit Blick auf die sogenannte "Philosophie des Geistes" nur hoffen, dass nicht etwa, wie Metzinger sagt, die Stunde dieser Philosophie noch kommt. Zu hoffen ist, dass sie angesichts ihrer fatalen gesellschaftlichen Folgen niemals erst anfängt!
Auch auf die Gefahr hin, dass derjenige, der an bestimmten anthropologischen Konzepten Kritik übt, hier im Forum als "wütender Pöbelhaufen" bezeichnet wird, muss ich doch der deutlichen Kritik an Metzingers Konzepten zustimmen.
Mehr noch, in letzter Konsequenz scheint die hier diskutierte "Philosophie des Geistes" geradezu gefählich zu sein. Prof. Metzingers These besagt in aller Kürze, dass kein Geist, keine Seele, also gewissermaßen keine Personalität des Menschen existiert. Wie einige der Vorkommentatoren überzeugend dargelegt haben, entbehrt diese Aussage sowohl der empirischen als auch einer letztgültigen philosophischen Begründung.
Philosophisch ist das von Metzinger Gesagte also nicht interessant, aber umso mehr gesellschaftspolitisch. Wenn es nämlich, wie im Interview behauptet, kein Selbst und damit keine Personalität gibt, dann gibt es auch keine personale Würde. In einer gesellschaftlichen Situation, in der die finanziellen Mittel für soziale Fürsorge immer knapper werden, liefert diese "Philosophie" die ideale Grundlage, um -z.B. mittels aktiver Sterbehilfe- die finanziell belastenden Subjekten zu entsorgen: Denn wenn ein alter, kranker Mensch letzten Endes doch eh kein Selbst ist, keine Person ist, dann -so die doch gar nicht so weit entfernt liegende Konsequenz des von Metzinger vorgestellten Konzepts- dann können wir uns doch der Alten und Kranken entledigen. Wir tun ja damit keinem "Selbst" Unrecht, denn die Würde dieses "Selbst" würde ja die Existenz von Personen voraussetzen.
Daher kann ich mit Blick auf die sogenannte "Philosophie des Geistes" nur hoffen, dass nicht etwa, wie Metzinger sagt, die Stunde dieser Philosophie noch kommt. Zu hoffen ist, dass sie angesichts ihrer fatalen gesellschaftlichen Folgen niemals erst anfängt!
Auch auf die Gefahr hin, dass derjenige, der an bestimmten anthropologischen Konzepten Kritik übt, hier im Forum als "wütender Pöbelhaufen" bezeichnet wird, muss ich doch der deutlichen Kritik an Metzingers Konzepten zustimmen.
Mehr noch, in letzter Konsequenz scheint die hier diskutierte "Philosophie des Geistes" geradezu gefählich zu sein. Prof. Metzingers These besagt in aller Kürze, dass kein Geist, keine Seele, also gewissermaßen keine Personalität des Menschen existiert. Wie einige der Vorkommentatoren überzeugend dargelegt haben, entbehrt diese Aussage sowohl der empirischen als auch einer letztgültigen philosophischen Begründung.
Philosophisch ist das von Metzinger Gesagte also nicht interessant, aber umso mehr gesellschaftspolitisch. Wenn es nämlich, wie im Interview behauptet, kein Selbst und damit keine Personalität gibt, dann gibt es auch keine personale Würde. In einer gesellschaftlichen Situation, in der die finanziellen Mittel für soziale Fürsorge immer knapper werden, liefert diese "Philosophie" die ideale Grundlage, um -z.B. mittels aktiver Sterbehilfe- die finanziell belastenden Subjekten zu entsorgen: Denn wenn ein alter, kranker Mensch letzten Endes doch eh kein Selbst ist, keine Person ist, dann -so die doch gar nicht so weit entfernt liegende Konsequenz des von Metzinger vorgestellten Konzepts- dann können wir uns doch der Alten und Kranken entledigen. Wir tun ja damit keinem "Selbst" Unrecht, denn die Würde dieses "Selbst" würde ja die Existenz von Personen voraussetzen.
Daher kann ich mit Blick auf die sogenannte "Philosophie des Geistes" nur hoffen, dass nicht etwa, wie Metzinger sagt, die Stunde dieser Philosophie noch kommt. Zu hoffen ist, dass sie angesichts ihrer fatalen gesellschaftlichen Folgen niemals erst anfängt!
was damit gewonnen wäre, wenn wir tatsächlich ein neuronales Korrelat unseres Bewusstseins fänden und wenn wir wüssten, wie es Information verarbeitet. Die Art und Weise, wie wir uns selbst erleben und was Bewusstsein denn nun tatsächlich ist, wäre damit immer noch nicht erklärt.
Ich habe das Gefühl, dass Neurowissenschaftler wie Metzinger einfach nicht eingestehen wollen, dass sie etwas in unserer Welt fundamental nicht zu verstehen imstande sind.
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