Antisemitismus Das verbotene Land

Das grausige Schicksal der norwegischen Juden unter der deutschen Besatzung 1940 bis 1945 hat eine düstere Vorgeschichte. Bis 1851 war Juden der Aufenthalt in Norwegen untersagt

Die Juden haben in Norwegen mehr Unheil angerichtet als in vielen anderen Ländern mit höherem Judenanteil«, klagte im Frühjahr 1941 Vidkun Quisling, der Vorsitzende der norwegischen Nazi-Partei Nasjonal Samling, in einer Rede, die er in Deutschland hielt – ein Jahr nach der Besetzung des skandinavischen Landes durch die Wehrmacht. Seine Worte wurden in der Zeitung Fritt Folk veröffentlicht. Er schien bereit, sich der »Endlösung der Judenfrage« in seiner Heimat nicht verweigern zu wollen.

Tatsächlich hat kein anderer Staat Nordeuropas, einschließlich des mit Hitlers Reich verbündeten Finnlands, so wenig zur Rettung der Juden im eigenen Land getan wie Norwegen unter dem Marionettenregime Vidkun Quislings. Der Pfarrerssohn und fanatische Nationalsozialist, der zunächst als deutscher Vertrauensmann ohne Amt und seit Februar 1943 als norwegischer Ministerpräsident von Hitlers Gnaden agierte, hatte die Begriffe »Jude«, »Halbjude« und »Vierteljude« noch enger definiert als die Rassenbürokraten in Berlin. Zur Kollaboration beim Holocaust musste er nicht erst gedrängt werden.

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Im Herbst 1942 verhafteten norwegische Landsleute, nicht die Besatzer, 532 Juden. Das war ein Viertel der jüdischen Gemeinde in Norwegen. Man brachte sie zu einem Schiff der deutschen Kriegsmarine, das von Oslo aus die erste Etappe auf dem Weg nach Auschwitz zurücklegte. Eine wichtige Rolle dabei spielte Knut Rød, der Leiter der staatlichen Polizei in Oslo. Er trägt die Verantwortung dafür, dass die Deportation der jüdischen Bevölkerung so »wohlorganisiert« und »reibungslos« verlief.

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Nach dem Krieg wurde Rød angeklagt. Doch der Norwegische Gerichtshof sprach ihn 1948 frei: »Was für sich genommen wie ein Akt der Kollaboration anmutet, war notwendig, um Widerstandsarbeit von viel größerer Bedeutung leisten zu können. Er hat die ganze Zeit seinen Plan verfolgt, dem Feind zu schaden und seinen Landsleuten zu nutzen.« Hatte der Schutz der Juden also nur eine geringe Bedeutung? Wer war in dem Urteil des Gerichtes eigentlich der Feind? Und, vor allem: Waren die Juden denn keine »Landsleute«? Als bezeichnend galt der Umstand, dass der Freispruch am 9. April erging, dem achten Jahrestag der deutschen Invasion. Knut Rød blieb bis zu seiner Pensionierung 1965 im Dienst der Polizei. Während Vidkun Quisling noch im Herbst 1945 zum Tode verurteilt und erschossen worden war, starb Rød 1986 als ehrenhafter Bürger.

Nicht zuletzt um dieses dunkle Kapitel der eigenen Geschichte aufzuklären, hat im vergangenen Jahr in Oslo ein Zentrum zur Erforschung des Holocaust seine Arbeit aufgenommen. Es ist in der Villa Grande untergebracht, dem Prachtbau, den Quisling zwischen 1941 und 1945 bewohnte. Eines der ersten Zeichen, die das Zentrum, das zugleich Museum ist, medienwirksam setzte, war die Enthüllung einer Statue auf dem Villengelände, die Knut Rød mit Hitlergruß zeigt. Eine Provokation – soll dieses bizarre »Denkmal« doch so lange dort stehen bleiben, bis der Freispruch des Jahres 1948 aufgehoben ist. In der Zeitung Aftenposten charakterisierte der Leiter der Villa Grande, Odd-Bjørn Fure, derweil das NS-Regime in Norwegen als eines der extremsten aller europäischen Regime, die mit Nazideutschland zusammenarbeiteten.

Inzwischen gibt es auch neue Literatur zu diesem Thema. So erschien 2005 das umfangreiche Buch Vom Judenhass aus der Feder von Einhart Lorenz, Trond Berg Eriksen und Håkon Harket. Viel Düsteres wurde ans Licht gebracht oder neu beleuchtet. So kämpften Norweger als Freiwillige der Wehrmacht an der Ostfront und waren 1941 in der Division Wiking möglicherweise sogar direkt am Holocaust in der Ukraine beteiligt. Der Staat raffte das Eigentum der verschleppten und ermordeten Bürger an sich, wie es das »Gesetz zum Einzug jüdischen Vermögens« vom 26. Oktober 1942 vorsah. Und selbst nach dem Krieg noch zeigte man den Überlebenden die kalte Schulter und versuchte mit allerhand Schikanen, Entschädigungen abzuwehren.

Natürlich darf über all diese Verbrechen und Schandtaten nicht in Vergessenheit geraten, dass es auch in Norwegen großartige Helfer im Kampf gegen Nazismus und Antisemitismus gab. Erinnert sei nur an den Studenten Hans Christen Mamen, der 25 jüdischen Kindern über die Grenze nach Schweden half. Ermuntert und unterstützt wurde er just von jenem stockreaktionären Theologen Ole Hallesby, der im norwegischen Kulturkampf vor dem Krieg wider alles Liberale und Aufgeklärte gewütet hatte.

Leser-Kommentare
  1. zur Genugtuung und zum sich Entlastet-Fühlen als Deutsche(r) !
    Aber es zeigt dennoch, dass jeder sich um die Leichen im eigenen Keller kümmern muss, bevor er auf Andere zeigt.
    Und Rassismus ist ein universelles Problem, leider.

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    "... Rassismus ist ein universelles Problem, leider."

    Und er geht in alle Richtungen. Er ist vor allem nicht so, wie es sich die Antifa-Spießer vorstellen.

    "... Rassismus ist ein universelles Problem, leider."

    Und er geht in alle Richtungen. Er ist vor allem nicht so, wie es sich die Antifa-Spießer vorstellen.

  2. Norwegen ist in der Tat das israelfeindlichste Land Europas, aber das weitgehend islamisierte Schweden, mit einer erheblichen palaestinensischen Diaspora, folgt ihm auf den Fersen.

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    Immer wieder höre ich, dass man durchaus Kritik an Israels Landraub- und Unterdrückungspolitik üben dürfe, ohne Antisemit zu sein. In der Realität jedoch finde ich stets immer wieder diese Gleichsetzung: wer Israel (und by extension die USA George W. Bushs) kritisiert, der kann dafür nur sinistre Beweggründe haben.
    Wie hätte sie denn nun auszusehen, die nicht- antisemitische Israel- Kritik?

    Immer wieder höre ich, dass man durchaus Kritik an Israels Landraub- und Unterdrückungspolitik üben dürfe, ohne Antisemit zu sein. In der Realität jedoch finde ich stets immer wieder diese Gleichsetzung: wer Israel (und by extension die USA George W. Bushs) kritisiert, der kann dafür nur sinistre Beweggründe haben.
    Wie hätte sie denn nun auszusehen, die nicht- antisemitische Israel- Kritik?

  3. "... Rassismus ist ein universelles Problem, leider."

    Und er geht in alle Richtungen. Er ist vor allem nicht so, wie es sich die Antifa-Spießer vorstellen.

    Antwort auf "KEIN Grund"
  4. Schön, dass das mal klar gesagt wurde. In der kurzen Geschichte Norwegens, die ich in meinem Norwegischunterricht zu lesen bekam, stand zur Eidsvoller Verfassung, sie habe Religionsfreiheit garantiert. Da ich Paragraf 2 kenne, ist mir das sauer aufgestoßen.

  5. Es gab in praktisch allen besetzen oder verbündeten Ländern wenig Gegenwehr gegen diese Vorgänge. Aber auch die USA, GB und anderen Länder haben zigtausende jüdische Flüchtline zurückgewiesen. Das sollte man der Fairness halber vielleicht dazu sagen.

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    Redaktion

    Das ist nicht ganz richtig. Dänemark hat die dänischen Juden gerettet, indem sie quasi über Nacht ins nicht besetzte Schweden gebracht wurden.

    Redaktion

    Das ist nicht ganz richtig. Dänemark hat die dänischen Juden gerettet, indem sie quasi über Nacht ins nicht besetzte Schweden gebracht wurden.

    • Fahad
    • 26.08.2007 um 10:04 Uhr

    Siehe in diesem Zusammenhang auch Philip Roths "The Plot Against America", Houghton Mifflin 2004.

    http://www.washingtonpost...

    • Akakor
    • 26.08.2007 um 13:22 Uhr

    Ich bin dafür unser Weltbild neu zu justieren. Durch jahrzehntelange Anschauung bin ich zu dem Schluß gekommen, dass sich unsere Erde gar nicht um die Sonne dreht. Nein, sie dreht sich vielmehr um Juda.

    Hiermit ist keinerlei Wertung verbunden, ob dies gut oder schlecht ist, vermag ich nicht zu beurteilen, es ist eine reine Feststellung.

    Deshalb solltem man einige Lehrbücher neu verfassen, dies zum Ausdruck bringen, damit jeder weiß, wie der Hase läuft. Man kann damit viel Diskussion und Streit ersparen. Mit dem neuen Weltbild wäre es gar möglich, übertragen gesprochen, einstmals heidnische Religionen wie Sonnenanbetung wieder zu Ehren kommen zu lassen. Los geht's!

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    @Akakor:
    Sie haben insofern Recht, dass sich für Antisemiten alles um Juden dreht. Da muss man schon von einigen Fixideen besessen sein, um einer verschwindend kleiner Minderheit so viel Böses anzudichten.

    @Akakor:
    Sie haben insofern Recht, dass sich für Antisemiten alles um Juden dreht. Da muss man schon von einigen Fixideen besessen sein, um einer verschwindend kleiner Minderheit so viel Böses anzudichten.

    • plamen
    • 26.08.2007 um 23:25 Uhr

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