Musikanlagen Spiel mir das Lied vom TonSeite 3/3
Und die Verstärker! Die Verstärker können gar nicht schwer genug sein, und wenn eine Transistorschaltung das nötige Gewicht nicht mitbringt, dann müssen es eben Röhrenverstärker sein, die neben dem Netztransformator noch kiloschwere Ausgangstransformatoren benötigen. Überhaupt die Röhre, die lange vergessen war, weil sie nur wenig Leistung bringt, weil sie so heiß wird und empfindlich ist und darüber hinaus die Musik konstruktionsbedingt mit Klirr verunreinigt – sie ist die Vollendung dessen, was sich der neue Musiknarr wünscht, der das Schlagwort der High Fidelity zum High End gesteigert hat. Dass sich die Röhre nicht neutral zur Musik verhält, dass sie ihren Eigencharakter mitteilt, ist nicht länger Nachteil, sondern hocherwünscht, weil es die Körperlichkeit, die physische Präsenz der Musikwiedergabe steigert. Denn der Klirr, den die Röhre produziert, ist nicht der Klirr eines Transistors, sondern der sogenannte harmonische Klirr, der den Obertonreihen der Naturinstrumente entspricht, also der wiedergegebenen Musik einen zusätzlich warmen Wohlklang injiziert.
Der Purismus der neuen Audiophilen ist kein Purismus der absoluten Originalklangtreue mehr, sondern der Purismus des Wiedergabematerials, das nicht verborgen, sondern schwelgerisch inszeniert werden soll. Und wenn die Kraft der Röhrenverstärker nicht ausreicht, um konventionelle Lautsprecher anzutreiben? Macht nichts! Dann wird es noch schöner, dann braucht man noch teurere Lautsprecher, riesige ätherische Magnetostaten, in denen hauchdünne Folien in einem Hochspannungsfeld schwingen. Denn längst kann es nicht mehr darum gehen, die Lautsprecher zu miniaturisieren, in der Wohnung zu verstecken oder zu Designgebilden wie von Bang & Olufsen zu adeln. Im Gegenteil sind große, dicke Kisten erwünscht, gerne auch mit dem Rupfenstoff der Vorväter überzogen, die Klipschhörner aus Amerika oder die schrankgroßen Boxen von Tannoy, deren Spitzenmodell nicht zufällig Westminster heißt. Filigran kann auch ein iPod sein, schön und edel aber ist erst ein Lautsprecher, der an ein viktorianisches Vertiko erinnert.
Übrigens ist es ein Vorteil von Röhrenverstärkern, dass man auch sie wuchtig inszenieren kann, die Trioden und Pentoden zu ganzen leuchtenden Kathedralen staffeln kann, und wo alles wuchtig wird, dürfen natürlich die Kabel nicht klein und dünn sein; jenseits des funktionalen Nutzens, über den gestritten werden kann, ist ein schlangendickes Kabel vor allem ein ästhetisches Muss für die highfidele Materialschlacht. Der Humbug und Zauber, der um all das herum noch zusätzlich gemacht wird, die Wunderwässerchen und die besagte Heilerde, haben hier ihren emblematischen Sinn: Auch sie sollen das Körperliche, das Materielle der Musikwiedergabe beglaubigen.
Nur einer hat es schwer, in diesem Trend zum Archaischen mitzuhalten: Das ist der CD-Spieler. Zwar hat man schon versucht, ihm etwas von der Schwere und Umständlichkeit eines Plattenspielers zu geben, auch die Trennung in ein Laufwerk und einen Digital-Analog-Wandler hat ihm vorübergehend eine gewisse Würde geben können. Aber niemals wird er mehrere Dutzend Kilo wiegen wie die deutschen oder englischen Meister der schwarzen Scheibe, wie die Geräte von Transrotor, Linn, Roksan oder Rossner & Sohn. Und noch etwas bringt die arme CD, die doch die ganze Entwicklung ins Rollen brachte, um den Kredit bei der audiophilen Gemeinde: Das ist die Digitalisierung selbst, die auch ohne Datenreduktion ein Moment unerwünschter Abstraktion bedeutet.
Denn Anfang und Ende der Wiedergabekette sind nun einmal nicht digital: Weder besteht der Schall des Instrumentes aus Bits und Bytes, noch kann das Ohr sie hören. Der natürliche analoge Gang der Töne wird also nur durch die Compact Disc unterbrochen, während die Langspielplatte in ihren Rillen das wahre Schwingungsmuster der Musik abbildet. Das ist, in gewisser Hinsicht, ein rein ideologischer Einwand, denn ob man die natürliche Natürlichkeit der Platte wirklich hören kann, ist von vielen – darunter auch eingebildeten – Parametern abhängig. Aber das eben ist das Erstaunliche an der Gegenbewegung gegen die digitale Verflüchtigung der Musik: dass es nicht um praktische Nüchternheit, gerade nicht um technische Messbarkeiten und Bequemlichkeiten geht.
Es geht nicht um die Daten, sondern um den Körper des Klangs. Das Tamagotchi soll wieder durch ein warmes Lebewesen ersetzt werden, recht eigentlich durch den berühmten Hund, der einst aus dem Schalltrichter des Grammophons His Master’s Voice hörte. Und apropos: Auch das Hören von Schellackplatten mit der Stahlnadel ist wieder im Kommen. Es gibt fabelhafte neue Maschinen dafür.
- Datum 26.08.2007 - 08:12 Uhr
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- Quelle ZEITmagazin, 23.08.2007 Nr. 35
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diese Feststellung hat mit Musikwiedergabe und der Technologie mit der diese vollzogen wird, zunächst einmal nichts zu tun. Aber ich komme da schon nochmals drauf zurück.
Schon als ganz junger Mensch kam ich durch meine exzellent Klavier spielende Mutter in den Genuß von Musik. ""Natürlich"
klassischer Musik. Wenige Jahre später wurde ich zum Schrecken der Mutter begeisterter Anhänger der Musik von Elvis. (Viele Jahre später bekannte sie: Also, toll singen konnte er wohl schon). Die Faszination von Elvis verschwand schlagartig mit dem Erscheinen "seltsamer" Lieder wie "muss i denn" oder "La Paloma". Durch einen guten Bekannten wurde ich dann mit der Musik Andres Segovias vertraut gemacht, was de facto meine zweite Bekanntschaft mit klassischer Musik wurde. Das war die Zeit des Kaufs meiner ersten LPs und einer Stereoanlage mit Plattenspieler und röhrenbetriebenem Radio mit integriertem Verstärker. Später nannte man diese Geräte Receiver.
Die musikalischen Vorlieben änderten und erweiterten sich ständig: Jazz, Blues, Klassik, Instrumentalmusik von Big Band bis Soloinstrumenten, Gesang von Bluesgrößen wie Muddy Waters, John Lee Hooker, teilweise live erlebt z.b. dem American Folk Blues Festival, aber z.b. auch Andres Segovia live im Mannheimer Rosengarten, erweiterten meine "Kenntnisse" moderner Musik, wie auch der Klassik.
Selbstverständlich kaufte ich auch Schallplatten, mit denen ich immer sehr sorgfältig umging.
Im gleichen Massstab, in dem sich meine Kenntnisse der Musik entwickelten, sich auch die Liebe dazu ständig erweiterte, wuchs auch das Bedürnis, zu Hause das Klangbild der Originalaufführung und der damit verbundenen emotionalen Erfahrung von Musik nachzuempfinden.
Es begann eine lange Reise durch die Welt der "Musikkonserven" und der Technik, diese auf hohem klanglichen Niveau erlebbar, hörbar, ja "gestaltbar" zu machen. Lautsprecher verschiedenster Hersteller, Plattenspieler, Laufwerke, Tonabnehmer, Bandmaschine, integrierte Gesamtverstärker, getrennte Verstärker, Vorverstärker in Transistortechnik, Röhrentechnik etc.etc.
lösten sich ab. Die Plattensammlung wuchs.
Das Unbehagen an der Wiedergabe der Konserven wuchs nach jedem Konzertbesuch, weil der Vergleich Original/Konserve immer zuungunsten der Konserve ausfiel.
Dann, Anfang der 80er Jahre, ein Gespräch mit einem Bekannten, dessen Liebhaberei Musik ihn sogar in seiner Freizeit dazu brachte, darüber zu schreiben. Sehr sachverständig und offensichtlich ausgestattet mit einem "guten Ohr" gab er mir einen Tipp.
Sie erlauben noch einen kurzen Hinweis: Beim konzentrierten Hören von Musik zuhause gab es immer wieder den eigenartigen Effekt, dass ich mich dabei ertappte, rauszukriegen, "was an der Wiedergabe der Musik nicht stimmte".
Zurück zum Tipp. Besuch eines Händlers in Sachen Musikwiedergabe. Hören einer älteren Klassik_LP aus den 60er Jahren. Meine Reaktion...Zurücksinken im Sitzmöbel, Eintauchen in Musik, die aus der Konserve kam, aber Feinheiten des Klanggeschehens, der Klangfarben, der grob-und feindynamischen Darstellung, musikalische Auflösung, Detailtreue aber vor allem das Erfahren des emotionalen Gehalts der Musik ermöglichte, wie ich es bis dahin noch nie gehört hatte.
Ergebnis: Ein Masselaufwerk mit Basis aus Kunststein, nicht schwermetallglänzendem Schnickschnack, zugegeben ziemlich schwer, ein schöner 12-Zoll-Tonarm, dazu ein ziemlich preiswertes Tonabnehmersystem, Transistorvorverstärker, Röhrenendstufe mit Triode und ganz wichtig ein Paar Lautsprecher mit sehr hohem Wirkungsgrad, ausgestattet mit leichten Papiermembranen, getrieben von Alnico-Magneten, wie bis weit in die 60er jahre auch in der "Massenindustrie" üblich. Die aufeinander exzellent abgestimmten Komponenten erbringen Musikalität, die man genießen kann, weil dadurch das Wichtigste an der Musik erlebbar wird: Die Emotion in der Musik. Alle Versuche, ähnliche Erfahrungen mit CDs zu schaffen, gingen daneben. A/B Vergleiche mit LP und AADs derselben Aufnahme gingen zugunsten der LP aus.
Den Messwertexperten ein kleiner Hinweis: Großorchestrale Klangkörper heißen meistens Symphonieorchester und nicht Sinustonorchester oder Rosa-Rauschorchester.
Gerne würde ich hier noch einige Beispiele von Musikaufnahmen anführen, die über die oben beschriebene Wiedergabekette ausserordentlich gut klingen. Ich erwähne nur eine: Die vier Jahreszeiten, eingespielt für Philips in 1959 mit Felix Ayo als Soloviolonisten und hier die kleine Sequenz im "Winter", in der die Geiger ihre Instrumente pizzicato spielend benutzen, um die Violine Ayos mit der Grundmelodie zu begleiten....durch den hohen Wirkungsgrad des Lautsprechers sind die dynamischen und klanglichen Feinheiten dermassen präzise abgebildet, dass das bislang jeder, der das an dieser Kette einmal gehört hat, konzedierte, es klingt für Konserve ganz, ganz nah am realen Musikgeschehen.
Hier scheint mir ein Hinweis angebracht: Die Toningenieure jüngeren Alters scheinen ihr Wissen und Können ganz auf die Möglichkeiten des digitalen Gestaltens der Musik zu konzentrieren. Toningenieure früherer Generationen arbeiteten näher an der Musik, bemühten sich mit relativ bescheidenem Equipment, das Ergebnis ihrer Arbeit am gehörten Original zu orientieren, erzielten dabei musikalische Ergebnisse, die auch heute noch höchsten Musikgenuss vermitteln können. Ob nun die Musik deshalb auf älteren Aufnahmen besser klingt oder das digitale Medium seiner "Natur" nach übermässig analytisch oder kalt klingt, ist mir zumindest egal. Die gut aufgenommene LP, die ordentlich gefertigt wurde, ist nach meinem persönlichen Empfinden der -musikalisch gesehen- bis heute beste Tonträger, dessen Möglichkeit der Annäherung an das reale Musikerlebnis anzuknüpfen, noch nicht wieder erreicht wurde.
"Wer heilt hat recht" war die Erklärung eines Arztes, der damit die Berechtigung der von ihm praktizierten unkonventionellen Heilungsmethoden begründete. Im übertragenen Sinne kann das für die Musik aus der Konserve, hier LP, auch gesagt werden.
Eine Nachbemerkung: Diesen Beitrag sehe ich auch als Kommentar zu dem Gespräch mit Herrn Schütt und den daraus resultierenden Leserbriefen.
Der gesamte Artikel und v. a. die Kritik an MP3-Files findet unter absolut unzulässigen Voraussetzungen statt:
Erstens ist dem Autor offensichtlich unbekannt - oder er verschweigt gezielt -, dass es MP3-Files in unterschiedlichen Kompressionsgraden gibt, so dass die angesprochenen Kritikpunkte sehr unterschiedlich stark zu Gehör kommen. Außerdem gibt es inzwischen mehrere Kompressions-Verfahren, die ohne Klangverluste komprimieren.
Zweitens geht der Artikel davon aus, dass die normale Rezeptions-Situation für Musik absolute Stille und Konzentration ist - bzw. dass das früher so war und immer seltener wird. Dies wird nicht belegt, und daher behaupte ich dreist, dass früher wie heute nur sehr wenige Menschen in sehr seltenen Situationen diese ideale Hörsituation hergestellt haben bzw. herstellen - und daher die Unterschiede zwischen LP, CD, MP3 etc. für die allermeisten Menschen in den allermeisten Hörsituationen völlig irrelevant sind.
Drittens geht der Artikel davon aus, dass das, was einen an Musik begeistert, nur bei bester Klangabstrahlung wahrnehmbar ist. Meine Erfahrung ist, dass die allermeisten Sound-Fetischisten von der Musik selbst gar keine Ahnung haben. Wen eine bestimmte Musik begeistert, für den sind klangliche Einbußen meistens zweitrangig.
Die vierte unvollständige Prämisse ist die, dass Musik nun mal analog entstehe und man dieses analoge Entstehen bitteschön auch hören wolle. Diese Prämisse negiert, dass ein großer Anteil der heutigen Musik (E- wie U-) von Anfang an digital produziert wird. Diese Genres sind aber anscheinend von vornherein minderwertig.
Zur Recherche hätte ein simpler Blick in den Artikel "MP3" der Wikipedia vielleicht schon zu mancher Relativierung führen können. Dort heißt es unter anderem:
"Die hörbaren Verluste hängen von der Qualität des Kodierers, von der Komplexität des Signals, von der Datenrate, von der verwendeten Audiotechnik (Verstärker, Verbindungskabel, Lautsprecher) und schließlich auch vom Gehör des Hörers ab. Das MP3-Format erlaubt neben festen Datenraten von 8 kbit/s bis zu 320 kbit/s auch beliebige freie Datenraten (Freeform-MP3). Die Qualitäts-Eindrücke sind recht subjektiv und von Mensch zu Mensch sowie von Gehör zu Gehör unterschiedlich. Die meisten Menschen können jedoch ab einer Bitrate von etwa 160 kBit/s und bei Nutzung eines ausgereiften Enkodierers auch bei konzentriertem Zuhören das kodierte Material nicht mehr vom Ausgangsmaterial unterscheiden."
Peter Hamburger
P.S.: Zum Kommentar von vsteinkuhle: Den Ansatz, im heimischen Wohnzimmer eine Konzertsituation nachempfinden zu wollen, halte ich ehrlich gesagt für albern - und ignorant, denn weder in Klassik noch in Pop oder Jazz wird eine Platte unter solchen Gesichtspunkten produziert.
@kapomuk Den Anspruch, im heimischen Wohnzimmer eine Konzertsituation nachempfinden zu wollen, habe ich in meinem Beitrag nie erhoben. Dieser Anspruch wurde von Ihnen in das von mir Geschriebene hinein interpretiert. Eine Aussage aus meinem Beitrag war: "Im gleichen Massstab, in dem sich meine Kenntnisse der Musik entwickelten, sich auch die Liebe dazu ständig erweiterte, wuchs auch das Bedürfnis, zu Hause das Klangbild der Originalaufführung und der damit verbundenen emotionalen Erfahrung von Musik nachzuempfinden."
Ich schrieb bewußt vom Klangbild und der emotionalen Erfahrung, die Musik vermitteln kann. Eine Annäherung daran erreichen zu wollen kann ich beim besten Willen weder für albern , noch für ignorant halten.
Das als Erwiderung zu Ihrem lesenswerten Beitrag.
Beim nochmaligen Nachdenken über Wirkung von Musik auf Menschen, die Musik mögen und die auch Konzert-Hör-Erfahrung haben, kam mir die Idee, das Thema Emotion aus und mit der Musik mit der Weinbereitung bei guten Winzern zu vergleichen: Ende der 60er Jahre machten in der Weinwirtschaft Begriffe wie "reintönig", "sauber" etc. die Runde. Letztlich ging es da um den Einsatz sogenannter Separatoren, also Drehschleudern, zum Entfernen ungewünschter Bestandteile bereits im unvergorenen Traubenmost. Ähnlich, wie Musik nicht aus Sinustönen und deren Aneinanderreihung besteht, ist Wein nicht das Produkt aus vergorenem Zucker und reintönigem Traubensaft(Most). Durch den gewaltigen Schleuder- und Filtereffekt wurden bereits vor!! Beginn der Gärung wesentliche Stoffe für die Vinifaktion vom Most entfernt, (separiert). Stoffe, die zur Bildung des Weines, seiner speziellen Boden-und Jahrgangseigenschaften notwendig sind. Das Ergebnis: Saubere, reintönige Weine ohne Charakter und alle die Merkmale, die einen guten Tropfen auszeichnen. Gott sei Dank hat sich der Einsatz dieser Geräte inzw. bei guten Winzern weitgehend erübrigt, bzw. fand nie Eingang in ihre Methoden der Vinifikation.
Wo liegt nun die Vergleichbarkeit mit der Musik? Ähnlich wie beim Wein ist Musik und ihre Wirkung nie etwas "Reintöniges". Raumakustik, Menge des Publikums, die Kleidung der Hörer...ja auch diese wirkt klangbildend!!, weil dämpfend, und natürlich die Kunst der Musiker, ihre Spielfreude und ihre Hingabe tragen zur Atmosphäre und damit zur emotionalen Wirkung auf den Hörer (Rezipienten..,wenn Sie wollen *g*) bei. Dies trifft natürlich nur im Konzert zu, nicht in allen Punkten im Studio...aber auch dort kann z.B. die "Spielfreude" der Musiker eingefangen werden...vorausgesetzt, der Aufnahmeleiter will das überhaupt!
Mit der Einführung der digitalen Aufnahmemöglichkeiten begann zur Freude der Toningenieure das "Zeitalter des gestaltenden Toningenieurs", die dann auch die Möglichkeiten des gezielten Filterns, Veränderns in ihrem Sinne (nach ihrem Gusto) zu gebrauchen lernten.Die Ergebnisse sind bekannt.(Dass auch in der Analogära der heftige Einsatz von Reglern und Mischpulten üblich war, weiß ich natürlich auch).
Wie vorübergehend beim Wein: Reintönigkeit, die es in der Natur nicht gibt, Trennung (Separierung!!) akustischer Art von Instrumenten und Interpreten...etc. Es entstanden Musikkonserven, die, wie es ein guter Bekannter (professioneller Musiker) einmal formulierte "nicht so sind, wie die Musik ist".
Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass z.B mit Audio-DVDs dieselben Qualitäten der Musikreproduktion möglich sind, wie es bei guten analogen Aufnahmen der Analogära der Fall war. Voraussetzung dafür sind aber Toningenieure, die wollen, dass mit ihrer Arbeit "ganzheitliches Musikhören"..so nahe am Original wie möglich, wieder erlebbar wird.
Bis dahin werden analoge Aufnahmen und Wiedergabe über LPs ihre Liebhaber finden...und das mit Recht. Am Rande: gute, sehr erfogreiche Musiker, wie Mick Jagger, Ry Cooder u. etliche andere auch, bestehen bei Aufnahmen häufig, wenn nicht fast immer, auf hochwertigen analogen Parallelaufnahmen, die auch auf LPs veröffentlicht werden. Ich vermute, dass die wissen, weshalb sie das wünschen.
@kapomuk Den Anspruch, im heimischen Wohnzimmer eine Konzertsituation nachempfinden zu wollen, habe ich in meinem Beitrag nie erhoben. Dieser Anspruch wurde von Ihnen in das von mir Geschriebene hinein interpretiert. Eine Aussage aus meinem Beitrag war: "Im gleichen Massstab, in dem sich meine Kenntnisse der Musik entwickelten, sich auch die Liebe dazu ständig erweiterte, wuchs auch das Bedürfnis, zu Hause das Klangbild der Originalaufführung und der damit verbundenen emotionalen Erfahrung von Musik nachzuempfinden."
Ich schrieb bewußt vom Klangbild und der emotionalen Erfahrung, die Musik vermitteln kann. Eine Annäherung daran erreichen zu wollen kann ich beim besten Willen weder für albern , noch für ignorant halten.
Das als Erwiderung zu Ihrem lesenswerten Beitrag.
Beim nochmaligen Nachdenken über Wirkung von Musik auf Menschen, die Musik mögen und die auch Konzert-Hör-Erfahrung haben, kam mir die Idee, das Thema Emotion aus und mit der Musik mit der Weinbereitung bei guten Winzern zu vergleichen: Ende der 60er Jahre machten in der Weinwirtschaft Begriffe wie "reintönig", "sauber" etc. die Runde. Letztlich ging es da um den Einsatz sogenannter Separatoren, also Drehschleudern, zum Entfernen ungewünschter Bestandteile bereits im unvergorenen Traubenmost. Ähnlich, wie Musik nicht aus Sinustönen und deren Aneinanderreihung besteht, ist Wein nicht das Produkt aus vergorenem Zucker und reintönigem Traubensaft(Most). Durch den gewaltigen Schleuder- und Filtereffekt wurden bereits vor!! Beginn der Gärung wesentliche Stoffe für die Vinifaktion vom Most entfernt, (separiert). Stoffe, die zur Bildung des Weines, seiner speziellen Boden-und Jahrgangseigenschaften notwendig sind. Das Ergebnis: Saubere, reintönige Weine ohne Charakter und alle die Merkmale, die einen guten Tropfen auszeichnen. Gott sei Dank hat sich der Einsatz dieser Geräte inzw. bei guten Winzern weitgehend erübrigt, bzw. fand nie Eingang in ihre Methoden der Vinifikation.
Wo liegt nun die Vergleichbarkeit mit der Musik? Ähnlich wie beim Wein ist Musik und ihre Wirkung nie etwas "Reintöniges". Raumakustik, Menge des Publikums, die Kleidung der Hörer...ja auch diese wirkt klangbildend!!, weil dämpfend, und natürlich die Kunst der Musiker, ihre Spielfreude und ihre Hingabe tragen zur Atmosphäre und damit zur emotionalen Wirkung auf den Hörer (Rezipienten..,wenn Sie wollen *g*) bei. Dies trifft natürlich nur im Konzert zu, nicht in allen Punkten im Studio...aber auch dort kann z.B. die "Spielfreude" der Musiker eingefangen werden...vorausgesetzt, der Aufnahmeleiter will das überhaupt!
Mit der Einführung der digitalen Aufnahmemöglichkeiten begann zur Freude der Toningenieure das "Zeitalter des gestaltenden Toningenieurs", die dann auch die Möglichkeiten des gezielten Filterns, Veränderns in ihrem Sinne (nach ihrem Gusto) zu gebrauchen lernten.Die Ergebnisse sind bekannt.(Dass auch in der Analogära der heftige Einsatz von Reglern und Mischpulten üblich war, weiß ich natürlich auch).
Wie vorübergehend beim Wein: Reintönigkeit, die es in der Natur nicht gibt, Trennung (Separierung!!) akustischer Art von Instrumenten und Interpreten...etc. Es entstanden Musikkonserven, die, wie es ein guter Bekannter (professioneller Musiker) einmal formulierte "nicht so sind, wie die Musik ist".
Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass z.B mit Audio-DVDs dieselben Qualitäten der Musikreproduktion möglich sind, wie es bei guten analogen Aufnahmen der Analogära der Fall war. Voraussetzung dafür sind aber Toningenieure, die wollen, dass mit ihrer Arbeit "ganzheitliches Musikhören"..so nahe am Original wie möglich, wieder erlebbar wird.
Bis dahin werden analoge Aufnahmen und Wiedergabe über LPs ihre Liebhaber finden...und das mit Recht. Am Rande: gute, sehr erfogreiche Musiker, wie Mick Jagger, Ry Cooder u. etliche andere auch, bestehen bei Aufnahmen häufig, wenn nicht fast immer, auf hochwertigen analogen Parallelaufnahmen, die auch auf LPs veröffentlicht werden. Ich vermute, dass die wissen, weshalb sie das wünschen.
@kapomuk Den Anspruch, im heimischen Wohnzimmer eine Konzertsituation nachempfinden zu wollen, habe ich in meinem Beitrag nie erhoben. Dieser Anspruch wurde von Ihnen in das von mir Geschriebene hinein interpretiert. Eine Aussage aus meinem Beitrag war: "Im gleichen Massstab, in dem sich meine Kenntnisse der Musik entwickelten, sich auch die Liebe dazu ständig erweiterte, wuchs auch das Bedürfnis, zu Hause das Klangbild der Originalaufführung und der damit verbundenen emotionalen Erfahrung von Musik nachzuempfinden."
Ich schrieb bewußt vom Klangbild und der emotionalen Erfahrung, die Musik vermitteln kann. Eine Annäherung daran erreichen zu wollen kann ich beim besten Willen weder für albern , noch für ignorant halten.
Das als Erwiderung zu Ihrem lesenswerten Beitrag.
Beim nochmaligen Nachdenken über Wirkung von Musik auf Menschen, die Musik mögen und die auch Konzert-Hör-Erfahrung haben, kam mir die Idee, das Thema Emotion aus und mit der Musik mit der Weinbereitung bei guten Winzern zu vergleichen: Ende der 60er Jahre machten in der Weinwirtschaft Begriffe wie "reintönig", "sauber" etc. die Runde. Letztlich ging es da um den Einsatz sogenannter Separatoren, also Drehschleudern, zum Entfernen ungewünschter Bestandteile bereits im unvergorenen Traubenmost. Ähnlich, wie Musik nicht aus Sinustönen und deren Aneinanderreihung besteht, ist Wein nicht das Produkt aus vergorenem Zucker und reintönigem Traubensaft(Most). Durch den gewaltigen Schleuder- und Filtereffekt wurden bereits vor!! Beginn der Gärung wesentliche Stoffe für die Vinifaktion vom Most entfernt, (separiert). Stoffe, die zur Bildung des Weines, seiner speziellen Boden-und Jahrgangseigenschaften notwendig sind. Das Ergebnis: Saubere, reintönige Weine ohne Charakter und alle die Merkmale, die einen guten Tropfen auszeichnen. Gott sei Dank hat sich der Einsatz dieser Geräte inzw. bei guten Winzern weitgehend erübrigt, bzw. fand nie Eingang in ihre Methoden der Vinifikation.
Wo liegt nun die Vergleichbarkeit mit der Musik? Ähnlich wie beim Wein ist Musik und ihre Wirkung nie etwas "Reintöniges". Raumakustik, Menge des Publikums, die Kleidung der Hörer...ja auch diese wirkt klangbildend!!, weil dämpfend, und natürlich die Kunst der Musiker, ihre Spielfreude und ihre Hingabe tragen zur Atmosphäre und damit zur emotionalen Wirkung auf den Hörer (Rezipienten..,wenn Sie wollen *g*) bei. Dies trifft natürlich nur im Konzert zu, nicht in allen Punkten im Studio...aber auch dort kann z.B. die "Spielfreude" der Musiker eingefangen werden...vorausgesetzt, der Aufnahmeleiter will das überhaupt!
Mit der Einführung der digitalen Aufnahmemöglichkeiten begann zur Freude der Toningenieure das "Zeitalter des gestaltenden Toningenieurs", die dann auch die Möglichkeiten des gezielten Filterns, Veränderns in ihrem Sinne (nach ihrem Gusto) zu gebrauchen lernten.Die Ergebnisse sind bekannt.(Dass auch in der Analogära der heftige Einsatz von Reglern und Mischpulten üblich war, weiß ich natürlich auch).
Wie vorübergehend beim Wein: Reintönigkeit, die es in der Natur nicht gibt, Trennung (Separierung!!) akustischer Art von Instrumenten und Interpreten...etc. Es entstanden Musikkonserven, die, wie es ein guter Bekannter (professioneller Musiker) einmal formulierte "nicht so sind, wie die Musik ist".
Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass z.B mit Audio-DVDs dieselben Qualitäten der Musikreproduktion möglich sind, wie es bei guten analogen Aufnahmen der Analogära der Fall war. Voraussetzung dafür sind aber Toningenieure, die wollen, dass mit ihrer Arbeit "ganzheitliches Musikhören"..so nahe am Original wie möglich, wieder erlebbar wird.
Bis dahin werden analoge Aufnahmen und Wiedergabe über LPs ihre Liebhaber finden...und das mit Recht. Am Rande: gute, sehr erfogreiche Musiker, wie Mick Jagger, Ry Cooder u. etliche andere auch, bestehen bei Aufnahmen häufig, wenn nicht fast immer, auf hochwertigen analogen Parallelaufnahmen, die auch auf LPs veröffentlicht werden. Ich vermute, dass die wissen, weshalb sie das wünschen.
Die Lossless-Formate (zurück dekodiert 1:1 zum originalen WAVE-File) wie APE, FLAC, WAVPACK komprimieren aber nur auf etwa 3/4 bis 4/5 der Ausgangsdatei.
Ich archiviere in Lame-MP3 und parallel in OGG/Musepack in 256 kbit/s mit variabler Bitrate und "bete" den Unterschied zur Original-CD nicht hören zukönnen, sollte ich mir mal eine deutlich bessere Anlage kaufen. 128er MP3s hören sich in der Tat oft matschig an.
"Am Rande: gute, sehr erfogreiche Musiker, wie Mick Jagger, Ry Cooder u. etliche andere auch, bestehen bei Aufnahmen häufig, wenn nicht fast immer, auf hochwertigen analogen Parallelaufnahmen, die auch auf LPs veröffentlicht werden. Ich vermute, dass die wissen, weshalb sie das wünschen."
Als 1979 "Bop Till You Drop" von Ry Cooder erschien war es eine der ersten digital aufgenommenen Platten und Ry Cooder war Hin und Weg von der neuen Technik. So ändern sich die Zeiten und Einstellungen.
Musik kann man nicht nur mit teuren High End Geräten genießen und Musik löst auch Emotionen aus wenn sie nicht bestimmte Frequenzen überschreitet. Jeder kennt sicher das Gefühl, wenn er im Radio mit einem Titel aus seiner Jugendzeit überrascht wird, mit dem er oder sie etwas verbindet. Die Empfindungen, die damit ausgelöst werden, können schon ganz schön intensiv sein. Aber zurück zur Technik. Meinen ersten Plattenspieler bekam ich von meiner Tante zur Konfirmation. Es war eines dieser bombastischen Radiogeräte mit dem "grünen Auge" und unter dem Deckel steckkte dann ein Schallplattenabspielgerät, dass sich nach und nach als Plattenvernichtungsmaschine herausstellte. Mit der Zeit habe ich mich vom Equipment her doch verbessert, zum High End hat es mangels Kohle aber nicht gereicht. Spaß am Musikhören hatte ich aber immer.
Zur Kritik an er Digitalisierung und Komprimierung brauche ich nichts mehr zu sagen, das haben andere schon erledigt. Sie hat allerdings ihre Vorteile: Bei all den schnarchlangweiligen Radiosendern ist es ein Genuß, sich durchs Internet zu bewegen und wieder neue Seiten mit Hörbeispielen zu finden. Sei es tonspion, prog-rock, breath of life (sehr zu empfehlen!) oder von mir aus auch my space: diese Vielfalt an Musik und -stilen findet man sonst nirgends. Dafür ist die mp3 Komprimierung ideal. Und was sind in der Vergangenheit alles für Platten auf CD erschienen, die es vorher nur als teure Raritäten auf irgendwelchen Sammlerbörsen gab. Das ich aber meine Musik gegen Geld aus dem Netz beziehen und dafür nur ein paar Euro weniger bezahlen soll als für die herkömmliche CD finde ich schon ein starkes Stück: Die Qualität ist objektiv schlechter, trotz aller tollen Komprimierungen, den Rohling (falls mir die Musikindustrie überhaupt gestattet, das Stück zu brennen) kann ich auch noch kaufen und das Booklet auf eigene Kosten ausdrucken. Dafür hat die Musikindustrie eine Menge Geld gespart (keine Lagerkosten, Herstellungskosten fallen nicht an usw.) und sie hat auch noch den Daumen drauf, wie oft ich mir das Stück anhören kann. Das wäre bei der guten alten Schallplatte ja nie möglich gewesen. Von denen werde ich mich mit Sicherheit auch nicht trennen. Denn trotz aller Wiederveröffentlichungen gibt es immer noch genug, was nicht auf CD erschienen ist und, das sollte man auch bedenken, die Schallplatte ist immer noch, zumindest für Musik, das sicherste und langlebigste Speichermedium, dass es gibt.
"zu Hause das Klangbild der Originalaufführung [...] nachempfinden" zu wollen, halte ich allgemein für eines der größten Missverständnisse, dem Audiophile erliegen: denn das ist so gut wie unmöglich - und zwar umso mehr noch, wenn es sich um eine Stereo-Aufnahme handelt. (Denn daß man über zwei Schallquellen (Lautsprecher) nie den Originalklang eines Symphonieorchesters am Aufnahmeort reproduzieren kann, dürfte jedem einleuchten. Wenn überhaupt, funtkioniert das nur mittels Surround-Technik.) Außerdem:
1. Dafür wäre es notwendig zu wissen, wie das Schallereignis am Aufnahmeort geklungen hat.
2. Da aber Musikaufnahmen in den unterschiedlichsten Räumen produziert werden, müßte man seine Hi-Fi Anlage jedesmal dem Aufnahmeort anpassen.
3. Bei Studioaufnahmen (vor allem in der U-Musik) gibt es in dem Sinne keinen Aufnahmeort (und somit kein "Klangbild der Originalaufführung"), da der Aufnehmende immer bestrebt ist, das Schallereignis direkt aufzuzeichnen und zwar mit so wenig Raumanteil wie möglich. Der "Raum" wird dann später hinzugefügt.
4. Eine Aufnahme ist immer abhängig vom Geschmack des Aufnehmenden (von den handwerklichen Fähigkeiten mal abgesehen), also eine sehr subjektive Angelegenheit. Vielleicht war der Aufnehmende gar nicht bestrebt, den Aufnahmeort mit in der Aufnahme abbilden zu wollen?
Meines Erachtens ist nicht die CD Schuld am schlechten Klang, sondern schlechte AD/DA-Wandler, schlechte Musiker und schlechte Aufnehmende, zu wenig Zeit und Geld für gute Produktionen, schlechte Aufnahmeräume (!) etc. pp.
Daß das mp3 Format u.U. nicht unbedingt das qualitativ beste Klangergebnis liefert, ist ja unbestritten. Aber für die Wiedergabe im Auto o.ä. ist es einfach qualitativ gut genug. Wie kapomuk schon gepostet hat ist das eine Hörsituation, in der eine High-End-Technik völlig übertrieben und unnötig wäre...
„Dummheit und Geld“
Da hat sich nichts geändert. Viele schöne Geräte, viele teure Geräte, unsägliches HiFi-Zubehör.
Und eine zu 99.9% unveränderte Lautsprechertechnologie, die ins Mittelalter gehört.
Mozart würde sich im Grabe rumdrehen wenn er seine Musik über sogenannte High-End-Anlagen
Hören würde. Da wird über Datengrößen von 27 Stellen hinter dem Komma diskutiert,
aber die mindestens 50% Fehler die normale Lautsprecher machen interessieren nicht. Und dementsprechend Falsches, Verschobenes Fehlendes und Hinzugemischtes landet in unseren Ohren: Das gekaufte Buch würde umgehend zurückgebracht wenn
Seiten fehlen , Teile eingeschwärzt sind und unsinniges hinzugefügt wäre usw.
Warum machen die Ohren das mit? Die Erklärung ist relativ einfach . Keines unserer Sinnesorgane lässt sich so “betrügen“ wie die Ohren.
Die müssen mit der absoluten Redundanz von Information klarkommen: Über ein Diktiergerät der billigsten Variante kann ich hören
ob ein Hund bellt, eine Frau singt oder jemand Klavier spielt. Und dann wird beim Kauf entschieden über Preis Farbe und Größe und Image !
Und die Lautsprechersysteme die es technisch im Griff haben dass rüberzubringen was auf der CD oder worauf auch immer drauf ist. –
die werden seit Jahren unter den Teppich gekehrt. Klar – sie halten ewig und brauchen kein Sammelsurium von Geräten und Zubehör –
passen nicht in die Marktökonomie !
Habe dass mal in einem fiktiven Verkaufsgespräch dargestellt.
Kunde: Ich möchte mir gerne Aktivlautsprecher anhören.
Verkäufer: Da rate ich Ihnen aber ab; In Aktivboxen bauen die Konstrukteure nämlich schlechte Endstufen ein.
Kunde: Wie im Märchen: die guten ins Kröpfchen, die schlechten ins Töpchen? Meines Wissens sind die Schaltungen der besten HighEnd-Verstärker allgemein bekannt und es werden in den Aktivlautsprechern die gleichen Bauteile verwendet wie in den Verstärkern, die neben den Boxen stehen. Und die Feinheiten der Verstärkertechnik, wie z.B. Konstantstromverstärker, können überhaupt nur in Aktivboxen genutzt werden, da der Zwang zur breiten Kompatibilität den separaten Endstufen enge Fesseln anlegt. Ich möchte mir gerne Aktivlautsprecher anhören.
Verkäufer: Da rate ich Ihnen aber ab; die Verstärker in Aktivboxen haben doch nur so um die hundert Watt, während separate Komponenten ein Mehrfaches leisten.
Kunde: Dafür habe ich bei den Aktiven gleich mehrere Verstärker in einer Box und fünf mal 150 Watt ergeben bereits stattliche 750 Watt pro Seite. Ist es nicht im Gegenteil so, dass passive Frequenzweichen nicht nur den Klang, sondern auch die Leistung mindern? Ich möchte mir gerne Aktivlautsprecher anhören.
Verkäufer: Da rate ich Ihnen aber ab; Aktivboxen können ja nicht einmal hochwertige Lautsprecherkabel und vergoldete Lautsprecherklemmen bieten.
Kunde: Das verstehe ich nicht: War es nicht so, dass die Konstrukteure von Aktivboxen als Erste das Problem mit der Verkabelung auf die beste denkbare Art dadurch gelöst haben, dass durch feste Verbindungen zwischen Verstärker und Chassis die Kontaktstellen ganz entfallen, die Kabelwege radikal verkürzt werden und das dabei gesparte Geld auch noch in Chassis und Elektronik investiert werden konnte? Ich möchte mir gerne Aktivlautsprecher anhören.
Verkäufer: Da rate ich Ihnen aber ab; Unsere bewährten Passivboxen haben doch die besten Luftspulen und hochbelastbare Widerstände.
Kunde: Aber Drosselspulen und Lastwiderstände in Filtern sind doch immer von Nachteil und aktive Konstruktionen ganz ohne Drosseln sind doch prinzipiell überlegen. Außerdem verbessert die Anordnung der elektronischen Weiche einer Aktivbox vor den Endstufen allein schon das Gesamtsystem. Zudem können nur so die Vorteile der Regelungstechnik genutzt werden. Ich möchte mir gerne Aktivlautsprecher anhören.
Verkäufer: Da rate ich Ihnen aber ab; Bei Aktivlautsprechern sind die Verstärker im Innern der Box nämlich dem Schalldruck ausgesetzt und diese Erschütterungen übertragen sich auf die Elektronik und verschlechtern dadurch den Klang.
Kunde: Sie meinen das, was Fachleute Mikrofonieeffekt nennen? Das Wesentliche am Aktivprinzip ist aber nicht die räumliche Anordnung von Elektronik und Chassis im gleichen Gehäuse, sondern die Filterung vor statt hinter den Endstufen und separate Verstärker für jedes Chassis. Hier verwechseln Sie offenbar das Aktivprinzip mit einer möglichen Bauart. Tatsache ist, dass es Bauteile und Schaltungen gibt, die mikrofonieempfindlich sind und es gibt andere Bauteile und Schaltungen, die dagegen immun sind. Wenn dieser Effekt von irgendeiner Relevanz wäre, dann würden die Konstrukteure die Elektronik sicher in ein externes Gehäuse einbauen. Verfechter der Passivtechnik sollten mit diesem Argument aber sehr vorsichtig umgehen: zu den ausgesprochen mikrofonieempfindlichen Bauteilen gehören nämlich gerade die großvolumigen Kondensatoren der Passivweichen und dort gibt es zudem noch verzerrungsträchtige magnetische Verkopplungen zwischen Drosselspulen und den Schwingspulen der Chassis. Sollen wir Ihre Behauptung einmal durch ein ganz einfaches Experiment ad absurdum führen? Wir brauchen dazu nur bei einem Aktivlautsprecher ohne Eingangssignal auf die angeblich so erschütterungsempfindliche Elektronik zu klopfen, um festzustellen, dass sich auf diese Weise auch nicht der geringste hörbare Effekt einstellt. Ich möchte mir gerne sensorgeregelte Aktivlautsprecher anhören.
Verkäufer: Da rate ich Ihnen aber ab; die Regelung kommt doch immer zu spät, also erst dann, wenn der Fehler schon passiert ist.
Kunde: Es ist schon erstaunlich: Bei offenkundiger Überlegenheit des aktiven Prinzips wollen Sie einfachste Zusammenhänge nicht verstehen, wenn es aber darum geht, Aktivlautsprecher schlecht zu machen, dann bemühen Sie sogar das zweieinhalbtausend Jahre alte Paradoxon von Zenon und versuchen, die Infinitesimalrechnung auszutricksen, als hätten Leibniz und Newton nie gelebt.
Verkäufer: Leibniz erinnert mich an Butterkeks, aber was ist Zenon?
Kunde: Der Sophist Zenon wollte seinen Mitmenschen weismachen, dass Achilles einen Wettlauf mit einer lahmen Schildkröte niemals gewinnen kann, wenn man der Schildkröte nur anfangs einen Vorsprung gewährt: In der Zeit, die auch ein Athlet wie Achilles braucht, um den Vorsprung einzuholen, hat die Schildkröte nämlich wieder eine kleine Wegstrecke zurückgelegt, mithin wieder einen Vorsprung. Bei ständiger Wiederholung dieses Vorganges wird zwar der jeweilige Vorsprung der Schildkröte immer kleiner, bleibt aber im Prinzip immer bestehen, so dass die Schildkröte nie eingeholt wird und Achilles wie die elektronische Regelung stets zu spät kommt. Ein ebenso merkwürdiges Verständnis haben Sie von kybernetischen Systemen und dem Prinzip der Regelung.
Ohne Regelung würden die Menschen nicht aufrecht gehen können sondern dauernd umfallen, Radfahren wäre unmöglich und der Mond würde auf die Erde fallen. Kein Wunder, dass die Ingenieure ständig dabei sind, dieses Prinzip zu nutzen und von der numerisch gesteuerten Werkzeugmaschine über Antiblockiersysteme im Auto bis zu sensorgeregelten Lautsprechermembranen enorme Fortschritte erzielen. Große Teleskope für die astronomische Forschung waren schon immer eine besondere Herausforderung für die besten Optiker und Feinmechaniker und weil die Regelungstechnik gerade zusammen mit präzisester Mechanik besonders effektiv ist, werden dort enorme Fortschritte mit aktiver Optik, also mit Sensoren und Regelung erzielt.. Sogar unser neuer Wäschetrockner arbeitet mit Regelung, damit die Wäsche nicht unkontrolliert in einer Seite klumpt.. Übrigens kann selbst der primitivste Passivlautsprecher nicht ganz auf Regelung verzichten: Der von der Bewegung der Schwingspule induzierte Strom wird im Sinne einer Regelung zur Dämpfung benutzt und der Gummiring, der die Membran am Rand festhält, dient unter anderem dazu, nach einer Auslenkung die Membran immer wieder in die Ruhelage zurückzuziehen. Ohne diese Lageregelung würde die Membran nach kurzer Zeit außerhalb der Box unkontrolliert herumbaumeln. Sie wäre dann ein schönes Beispiel dafür, dass auf dieser Welt nur die Regelung das Chaos von der Berechenbarkeit trennt. Ich möchte mir gerne sensorgeregelte Aktivlautsprecher anhören.
Verkäufer: Da rate ich Ihnen aber ab; die Passivboxen in unserem Laden haben so gute Membranen, die brauchen gar keine Regelung mehr.
Kunde: Ist es nicht eher so, dass jede Membran eine Fläche mit freien Enden darstellt und damit eine ganze Reihe von Schwingungsmoden aufweist, die gerade dadurch entscheidend verbessert wird, dass an der Schwingspule aus einem frei schwingenden ein festes Ende wird? Ich möchte mir gerne Aktivlautsprecher anhören.
Verkäufer: Da rate ich Ihnen aber ab; ich habe nämlich gar keine sensorgeregelten Aktivlautsprecher im Laden. Im Übrigen finde ich es unfair, dass Sie mich ständig mit Grundsatzfragen der Lautsprechertechnik konfrontieren. Es gibt nämlich noch eine Logik jenseits von Technik und Klangqualität: Die HiFi-Branche lebt schließlich ' nicht von ein paar High-End-Perfektionisten sondern vom Massengeschäft mit Passivboxen und hat keine Lust, dieses Geschäft mit einer abweichenden Technologie bei den meinungsbildenden Spitzenmodellen zu konterkarieren.
Kunde: Wollen Sie - damit der eingefahrene Geschäftsbetrieb mit Hunderten von profitablen Artikeln, von Endstufen über Kabel bis Zubehör ungestört bleibt - den Anachronismus auf Dauer fortsetzen, oder nur so lange, bis die Kunden merken, dass es beim heutigen Stand der Technik bessere Alternativen gibt?
Wohnraum-Studio für Musik-Kultur Johannes Krings
www.johannes-krings.com
Es ist schön, wenn die über 40-Jährigen wie Jens Jessen (und ich) mal wieder ins Schwärmen geraten. Und die Beobachtung, dass die Zahl derer wächst, denen das "Physische" der Elektronik (dazu gehören selbstverständlich auch Stereoverstärker) wieder wichtiger wird, ist zutreffend und an Zahlen wie verkauften Plattenspielern und Vinyl-LPs belegbar.Aber es gibt auch die anderen: Denen ist es wichtig, beim Inlinern auf dem Domplatz Musik hören zu können; die Umgebung ist sowieso zu laut für die akustischen Diffenrenzen, die in einem mucksmäuschenstillen Wohnzimmer hörbar sind (falls die Encodierung des MP3-Files es hergibt). Oder die Menschen, die sich freuen, beim täglichen Bahnpendeln zur Arbeit Musik hören zu können. Müssen wir es für jene besser wissen, wie sie "ihre" Musik zu hören haben?Ich halte es persönlich eher so wie Jessen: mit bewusst ausgewählten Komponenten (allerdings auch Mehrkanal, tschuldigung!) im Wohnzimmer. Wer es aber anders mag: Bitte sehr. Schließlich sind die Musikanlagen für die Menschen da, nicht umgekehrt.Anbei füge ich noch selbstironisch ein Zitat von Karl Kraus bei, das lange an der Fassade des Bremer Theaters hing: "Die Zukunft war früher auch besser."Trotzdem (oder besser: gerade deswegen) danke für den subjektiven Text, Herr Jessen. Es macht mir Freude, ihn zu lesen.
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