DIE ZEIT: Frau Binder, Sie haben für Ihre Doktorarbeit das Reiseverhalten von Rucksacktouristen untersucht. Wie kam das?

Jana Binder: Ich bin während meines Studiums selbst als Backpacker gereist, weil man mit wenig Geld lange unterwegs sein kann. Mit der Zeit habe ich festgestellt, dass diese Reisen ihre eigenen Rituale haben, dass Backpacker aus Deutschland, Korea oder Mexiko ähnlich agieren. Das wollte ich genauer wissen.

ZEIT: Wer also sind diese Rucksackreisenden?

Binder: In erster Linie Sprösslinge von Bildungsbürgern. Dass Reisen bildet, ist in diesem Milieu stark verankert. Sie sehen sich nicht als Touristen. Das ist denen ganz wichtig. Wer ein Jahr lang unterwegs ist, der versteht das nicht als Urlaub, für den ist selbst ein Backpacker, der vier Wochen reist, ein Pauschaltourist.

ZEIT: Seit wann gibt es die Backpacker, wie sie heute unterwegs sind?

Binder: In den neunziger Jahren hat die Tourismusbranche die Backpacker als Zielgruppe entdeckt. Die Klientel hat sich seither verändert.

ZEIT: Inwiefern?

Binder: Die meisten haben heute kein Interesse mehr, langfristig aus ihrem Leben auszusteigen. Nur etwa zehn Prozent ziehen los, ohne zu wissen, ob sie wiederkehren. Heutzutage als Backpacker unterwegs zu sein ist eine sehr praxis- und berufsorientierte Handlung. Backpacker sind im Grunde wahnsinnig erfolgsorientiert – und kokettieren nur mit den Hippieklischees.

ZEIT: Moment mal. Reisen für die Karriere?