Außenpolitik wird im Kino traditionell über Aliens abgehandelt, Zombies sind hingegen für die Bürgerkriegsszenarien zuständig. Das gilt vor allem für den modernen Zombiefilm, wie ihn George A. Romero Ende der sechziger Jahre begründet hat. Entweder wird am Umgang mit Zombies das Handeln von faschistischen Regimes oder Militärs unter den Bedingungen des Ausnahmezustands bildhaft thematisiert, oder die Zombies selbst stellen allegorisch unangenehme Bevölkerungsteile dar: Konsumtrottel, rassistische Rednecks und faschistische Hinterwäldler im linken, Junkies, Kanalisationsbewohner, Obdachlose im rechten Zombiefilm.

Was sie aber alle verbindet, ist die Definition von Ausnahmezuständen, in denen es erlaubt, ja geboten ist, Menschen und menschenähnliche Lebensformen nicht nur in großen Mengen und mit großer Brutalität zu töten – erschießen reicht oft nicht. Darüber hinaus werden Charakterstärke und Mannesmut an die Fähigkeit gekoppelt, die Tötungshemmung zu überwinden. Gute Zombiefilme zeigen eindrucksvoll, was eine Logik der Feindschaft und des Ausnahmezustands aus den Leuten macht. Ihr Problem liegt darin, dass sie für diese Perspektive zugleich werben. Der von Rotorblättern geschredderte Spießerschädel und der sauber unterhalb der Nase durchtrennte Kopf von Plappermäulchen sind ja auch ein nicht totzukriegender Spaß für Jung und Alt.

Zurzeit kann man aber eine Zäsur beobachten, die mit einer neuen Generation von Zombiefilmen einhergeht. Die neuen Zombies sind keine mysteriösen Untoten mehr, die sich im Namen ausgerotteter Ureinwohner oder traditioneller Lebensformen am Fortschritt rächen. Stattdessen sind sie Opfer von Viren, Forschungslabors und der Pharmaindustrie. Sie werden, das gilt vor allem für die beiden Filme, um die es hier gehen soll, von einer Armee bekämpft, die mindestens so gemeingefährlich ist wie die hoch ansteckenden, mörderischen Tollwütigen. Am liebsten würde sie ihre eigene Bevölkerung präventiv umbringen. Und schließlich ist das Modell der Auseinandersetzung nicht mehr das Bürgerkriegsszenario aus alten Nationalstaaten, sondern der globale sogenannte Kampf gegen den Terror. Bagdad und 9/11 liefern das Material.

Robert Rodriguez’ Planet Terror war in den USA der düstere, in Schlamm, Blut und Barbecue-Soße watende erste Teil des gemeinsam mit Quentin Tarantino bespielten Grindhouse-Double-Features, dessen zweiter Teil, Tarantinos Death Proof, den heiteren Gegenpart bildet. Dazwischen gab es Fake-Trailer, die dem deutschen Publikum entgehen. Bei Rodriguez ist die Armee nicht nur Ursprung des Zombies produzierenden Bioterrors und dieser ein direktes Ergebnis von Irakkrieg und Bin-Laden-Jagd. Sie ist auch ein Haufen geiler Kotzbrocken-Karikaturen, die eine Willkürherrschaft in einem sumpfigen Ausnahmezustand errichtet haben. Wie etwas gebremster schon in From Dusk Till Dawn hat sich Rodriguez vorgenommen, alle schaurigen Schauwerte des Schocks so weit zu überbieten, wie es eine Mainstream-Produktion gerade noch zulässt. Doch zugleich wird die Horrorshow mit bekannter ironischer Geste eingeklammert: Selbstverständlich will dies alles nichts als eine auf die Gegenwart projizierte Farce aus Elementen des B- und C-Films der Fünfziger bis Siebziger sein – mit gruselig glucksender Garküche und sinister beleuchtetem Barbecue, schicken Miezen in düsterem Gelände und reichlich barem Ekel wie den frisch beim Foltern erbeuteten Hoden in einem schmuddeligen Eimer.

Bei Tarantino werden die Bezugsfilme nicht einfach zitiert, geplündert oder überboten, sondern geradezu didaktisch aufbereitet. Die schicke Mieze etwa behält ihr genrespezifisches Äußeres (oder eine Steigerung davon) und wird dann auch noch Person, was zu allerhand interessanten Konflikten führt. In Rodriguez’ Planet Terror werden die Einzelteile eher unverbunden auf einem Spieß aufgereiht. Auch er hat den Ehrgeiz, es nicht bei der puren Ironie zu belassen. Deren Überschreitung wird nicht aus den aufgegriffenen Formen entwickelt, sondern indem der Film dann doch irgendwie von der Gegenwart handelt. Nicht nur die eher en passant erwähnten Details der »Terrorbekämpfung«, sondern auch das zerfurchte, sumpfige und mit Drähten und Mauern überzogene Land sollen ganz unironisch auf eine undurchsichtige und unkontrollierte Herrschaft irrer militärischer Sachzwänge in der US-amerikanischen Gegenwart verweisen. Leider gelingt es Rodriguez aber nicht, mit diesem Widerspruch umzugehen: Letztendlich siegt die Heiterkeit der Rache. Etwa wenn die durch einen Zombiebiss beinamputierte Cherry Darling (Rose McGowan) ihre Maschinengewehr-Prothese zugleich schwingt wie ein schönes, entblößtes Bein und in derselben Bewegung einen Haufen widerlicher Soldaten umpustet. Eine Groteske über eine von militärischer Eigendynamik entfesselte Apokalypse und ein Schmunzel- und Schenkelklopfstück für College-Boys gehen schwer zusammen.

Bei Rodriguez hört übrigens immer dann der Spaß auf, wenn es um den Status lateinamerikanischer Einwanderer in den USA geht. Da wird er plötzlich straight politisch, deutet aber auch die Stärke an, die in so einem Wechsel der Tonart liegt. Auch die Produzenten von 28 Weeks Later, der Fortsetzung des erzbritischen 28 Days Later wollten, wie sie etwas übertrieben sagen, diesmal einen Regisseur aus einem »anderen Kulturkreis«. Dass es der kaum eine Flugstunde von London entfernt lebende Spanier Juan Carlos Fresnadillo werden sollte, ist trotzdem ein Glücksfall. Sein Bezug auf globale Konflikte der Gegenwart ist weniger anekdotisch als strukturell. Zwar heißt auch im Film die einzige Gegend, die vor dem Zombie-Virus sicher sein soll »Grüne Zone«, ganz wie im richtigen Bagdad. Die eigentliche Parallele ist aber die paranoide Struktur. Jeder, der ein Selbstmordattentäter sein könnte, gehört vernichtet, bevor man ihn fragen kann – dann wäre es nämlich zu spät.