Film Blut, Schlamm und BarbecueSeite 2/2
Die Fortsetzung konzentriert sich auf London, den Straßen-, Häuser-, und U-Bahn-Tunnel-Kampf und auf die Entfaltung der militärischen Logik der totalen Prävention. Kein anderer als Idris Elba, schönster Mann der Welt und dem HBO-Publikum als Stringer Bell aus der Serie The Wire bekannt, kommandiert hier die Truppen, die je nach Krise unterschiedlich farbige Codes ausprobieren, bis sie mit »Code Red« auf alles schießen, was sich bewegt.
Auch 28 Weeks Later bedient sich bei bekannten Bürgerkriegsfilmen, namentlich bei denen des frühen John Carpenter, vor allem Anschlag bei Nacht (1976) und Die Klapperschlange (1981): Wir begegnen einer computerspielartig übersichtliche Situation, Weglaufen und Sichverstecken an bekannten, aber plötzlich unvertrauten Orten. Filmische Perspektiven, die die Bilder generieren (Hubschrauber, Nachtsichtgerät et cetera), werden in den Ablauf einbezogen. In der entscheidenden Passage wechselt der Film in die Wahrnehmung der Heldin, die durch ein Nachtsichtgerät schaut. Als sie plötzlich angegriffen wird, sehen wir nicht den Abgriff selbst, sondern erleben, wie der Film selbst zu stocken und stolpern beginnt.
So ergreift das Virus das Bildermachen selbst, und das ist logisch; denn es geht nicht mehr um allegorisierte Kämpfe zwischen Bevölkerungsteilen, Minderheiten und Klassen, sondern um den Kampf des Prinzips der Sicherheit und der Kontrolle gegen alle, gegen jede Störung, egal, von wem. Das durchdachte Durcheinander von Reißschwenks und greller Überbeleuchtung ist hier kein Special Effect – das Leben selbst zerfällt in spektakuläre Bilder im Ausnahmezustand. Ihre Unordnung, Drastik und Untauglichkeit zur Orientierung ist buchstäblich das Problem der Protagonisten. Überblick heißt Rettung, nämlich Flucht im Hubschrauber.
So entsteht ein tendenziell totales Kino, das den »Krieg gegen den Terror« zu einem bioterroristischen Weltkrieg verlängert. Dieses Kino ist so beeindruckend wie in letzter Instanz auch distanzlos gegenüber dem paranoiden Kern der aus dem Ruder geratenen Prävention. Immerhin, bei Rodriguez vergessen wir keine Sekunde, dass wir im Kino sitzen – bis zu den gelegentlichen angetäuschten Projektorausfällen und Celluloid-Bränden, die das ganze Grindhouse-Projekt durchziehen. Kritik sollte der eigenen Intelligenz, die eine Tendenz zur Totalität zu Ende denkt, gegenüber skeptisch bleiben. Indem sie die Herausforderung des Zombiefilms im Zeitalter von Kontrollgesellschaft und Biopolitik mit komplementären Schwächen annehmen, ergänzen sich diese stilistisch so gegensätzlichen Filme ganz gut bei der Begründung dieses neuen Genres.
- Datum 13.09.2007 - 06:18 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 23.08.2007 Nr. 35
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