Wenn die Zeiten schlecht sind, hilft es manchmal, sie schönzureden. »Die Menschen schätzen unser Verantwortungsbewusstsein«, sagt Bryan Stockton, Vorstand bei Mattel und verantwortlich für das internationale Geschäft. »Wir bekommen von unseren Kunden zwar auch Kritik, aber noch mehr Unterstützung, weil wir die Sicherheit unseres Spielzeugs so ernst nehmen.«

Das klingt harmlos, verglichen mit den Horrormeldungen der vergangenen Wochen. Gleich mehrfach rief der US-Konzern Spielwaren zurück, die in seinem Auftrag in China gefertigt und weltweit verkauft worden waren. Erst ging es um Plastikmusikinstrumente, die giftiges Blei enthielten. Vor gut einer Woche dann 43.6000 Spielzeugautos, die ebenfalls mit bleihaltiger Farbe bemalt waren. Und mehr als 18 Millionen Puppen der Marken Polly Pocket, Doggie Day Care und Barbie samt Zubehör. Sie enthielten Magnete, die herausfallen und von kleinen Kindern verschluckt werden könnten. In den USA haben die ersten Eltern angekündigt, Mattel zu verklagen.

Fälle wie dieser sind keine Seltenheit. Immer häufiger tauchen Produktwarnungen im europäischen Alarmsystem Rapex auf, im ersten Halbjahr 2007 waren es 713, das sind 40 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Meist ist es Kinderspielzeug, das mal Blei und mal Quecksilber enthält oder in Flammen aufgeht. In acht von zehn Fällen stammt das Risikospielzeug aus chinesischen Fabriken. Allerdings finden sich bei Rapex nur jene Vorfälle, die europäischen Behörden überhaupt bekannt werden.

Erstmals traf es mit Mattel jetzt einen Hersteller, dessen Name bislang für Qualität stand. Ein Unternehmen, das mit Barbiefiguren bekannt wurde und heute mit 5,6 Milliarden Dollar Umsatz größter Spielzeugkonzern der Welt ist. Seit zwei Jahrzehnten schon lässt Mattel in China fertigen. Mittlerweile stammen 60 Prozent der Produkte von dort, je zur Hälfte aus eigenen Fabriken und solchen von Subunternehmern. Li Da Toys war eines dieser Unternehmen. Es soll Farbe nicht – wie angeblich mit Mattel vereinbart – bei einem zertifizierten Zulieferer gekauft haben, sondern bei einem Kumpel des Firmenchefs. Diese Farbe allerdings enthielt Blei. Der Chef beging Selbstmord, als die Sache aufflog.

»Wer unsere Regeln nicht einhält, arbeitet nicht mehr für uns«

Mattel-Manager Stockton betont, das Spielzeug habe lediglich die strengen konzerneigenen Grenzwerte für Blei überschritten. Die offiziell in den USA geltenden Werte habe man eingehalten. Zu den europäischen Normen könne er nichts sagen. Fest steht nur, dass sich Mattel hierzulande einer Initiative des Spielzeugverbandes angeschlossen hat. Diese soll den Mitgliedsunternehmen – gemeinsam mit dem TÜV Rheinland – helfen, die Einhaltung von europäischen Standards in den Fabriken aufzuspüren.

Als Konsequenz aus dem Fall werde Mattel noch schärfer kontrollieren, sagt Stockton. »Außerdem arbeiten wir mit Unternehmen grundsätzlich nicht mehr zusammen, wenn sie unsere Regeln nicht einhalten.« Allerdings fragt sich, wer für den Schaden aufkommt, der Mattel entstanden ist. »Rechtlich wird jedes Unternehmen in so einem Fall prüfen, ob der Zulieferer die Kosten für den Produktrückruf jedenfalls teilweise übernimmt«, sagt Ina Brock, Rechtsanwältin bei der Großkanzlei Lovell’s in München und Spezialistin für Produkthaftungsrecht. Westlichen Auftraggebern macht sie aber kaum Hoffnung. Es sei »fraglich, ob sich das Geld in den teilweise kleinen chinesischen Betrieben auch wirklich eintreiben lässt.« Mattel-Vorstand Stockton sagt nicht, ob er Subunternehmen in Regress nehmen will: »Wir kommentieren keine laufenden Verhandlungen.«