Humor Kommt 'ne Frau ins KanzleramtSeite 4/4

Manchmal sagt sie komische Sachen, dann fragen sich viele ihrer Zuhörer: Ist das Absicht? Einmal sprach sie über das Verhältnis zwischen Staat und Einzelnem und sagte sinngemäß: „Wir wollen der Gärtner sein und nicht der Zaun.“ Einmal wurde sie gefragt, was ihr zu Deutschland einfalle, und sie sagte: „Schöne dichte Fenster.“ Das Publikum muss dann lachen, weil das so untertourig ist für eine Staatenlenkerin. Merkel ist dann fast traurig, dass einfache Wahrheiten in Deutschland oft verlacht werden. Sie meint so etwas durchaus ernst.

So wie Merkels politischer Erfolg häufig durch das Scheitern der anderen entsteht, so entsteht Merkels Komik eher durch Unterlassen statt durch absichtsvolle Spaßigkeit. Ist die Kanzlerin nun lustig? Ist sie nicht, sagt Harald Schmidt. Aber lustig sei ja auch nicht dasselbe wie witzig. Lustig zu sein, sagt Schmidt, „ist ja eher ein Defekt“. Witz hingegen, zitiert er Oscar Wilde, sei „Intellekt auf Reisen“, und für witzig hält Schmidt die Kanzlerin allemal.

Schmidt selbst hat frühzeitig beschlossen, dass plattes Merkel-Bashing unter Niveau ist, und hat sich stattdessen für hemmungsloses Gutfinden des Merkelschen Minimalismus entschieden. Schröder, das sei Rotwein, Basta, Fußball beim Benefizspiel gewesen, „und bei Bedarf wird die Gattin rausgeholt oder der Hund“. Dass die Gattenrolle bei Merkel entfalle, empfinde er als „extrem wohltuend“, sagt Schmidt. Wenn die Politik eine Soap wäre, was wäre Merkels Rolle? „Ganz klar: die Herrin auf Schloss Irgendwas, während sich unten im Burggraben die Tumulte abspielen.“ Auch Merkels Händchen für Personal imponiert ihm: Ronald Pofalla oder die Gebrüder Siegfried und Volker Kauder – „einfach toll. Da erschließt sich mir rückwirkend der ganze Schulhof.“

Im Grunde, sagt Schmidt, seien Merkel und ihr Getreuer Münte nicht geeignet fürs komische Fach, sondern eher Brecht-Figuren. „Bei Müntefering erwarte ich immer, dass er mit einer Schiebermütze die Bühne betritt und sagt: Die Fabrik wird geschlossen. Worauf ein melancholisch-munterer Chor im Hintergrund einsetzt und alle singen: Aber wir kämpfen weiter.“ Merkel hingegen sei „die tragische Mutter oder Tochter, der die ganze Familie weggeschossen wurde. Sie kommt überhaupt erst im zweiten oder dritten Akt vor, vielleicht erst nach der Pause, schießt sich den Weg frei und nimmt es mit dem Unhold auf, an den sich bislang niemand herangewagt hat.“

Je länger er darüber nachdenkt, desto mehr kommt Schmidt zu dem Schluss, dass der adäquate Ort für Merkel nicht das Kanzleramt sei, sondern das Berliner Ensemble. Zum Beispiel für ein Theaterstück, in dem Schauspieler Politiker spielen, die Schauspieler spielen und so weiter. Aber dann als Regisseurin.

 
Leser-Kommentare
  1. Schmidts Idee, Frau Merkel auf dem Theater zu verorten, wurde bereits an einer seiner früheren Wirkungsstätten verwirklicht: im Sommernachtstraum am Augsburger Stadttheater tritt sie als Frau Petra Squenz auf und führt als solche Regie bei dem Laienspiel im Stück, "Pyramus und Thisbe".

  2. Sehen wir es, wie es ist: Es macht einfach keinen Spaß, Angie mittels Satire zu verletzen. Die Vorstellung, daß sie einen enttäuscht oder verletzt ansieht, bringt einen nicht wirklich zum Lachen. Dies, verbunden mit einer Engelsgeduld, ist ihre stärkste Waffe. Der Kabinetts-Rest wirkt zwar insgesamt auch humorlos, ist aber wenigstens dank "Wir sind die Kompetenten"-Gehabe gelegentlich lustig, jedenfalls satirisch angreifbar.

  3. Dass alles von ihr abprallt, hat Angela gemeinsam mit Reagan, den man deshalb zum Teflon-Präsidenten kürte. Aber ihn konnte man wenigstens prima karikieren, während die meisten Karikaturen ihr kaum ähnlich sehen. Beiden gemeinsam ist aber die Fähigkeit, über sich selbst zu lachen. Offenbar ist es leichter, über die Großkopfeten zu spotten, die sich selbst zu ernst nehmen.

  4. Frau Hildebrand Sie sehen die falschen Sendungen. Einmal im Monat kommt im ZdF zu guter Sendezeit direkt nach dem heute-journal die Sendung "Neues aus der Anstalt". Die Hauptprotagonisten sind Urban Priol und Georg Schramm, zwei mit sämtlichen Kabarettpreisen der Nation ausgezeichnete Kabarettisten. Da können Sie reichlich von dem sehen, was Sie in Ihrem Artikel vermissen. Leider wird viel zu wenig Kritik an unserer "Worthülsenfrucht aus der Uckermark" geübt.

  5. Die Zeit, ja die Zeit findet immer etwas um Merkel abzufeiern. Die Zeit, die Hofberichterstatter Nr.1, definitiv.

    • andrku
    • 24.08.2007 um 6:46 Uhr
    6. Merkel

    Ich kann nicht über sie, aber auch nicht mit ihr lachen. Ich finde sie nach wie vor extrem verlogen, viele schöne Worte für den dummen Wähler, knallharte Interessenpolitik für die Wirtschaft, wenn man etwas genauer hinschaut.

    Eine Machtpolitikerin durch und durch. Damit erreicht sie einiges, fragt sich nur für wen. Das Durchboxen der EU-Verträge z.B. trotz Ablehnung durch mehrere Referenden verursacht immer noch einen ekligen Nachgeschmack bei mir.
    Ebenso die Rückenstärkung für Schäubles kranke Ideen, die Blockierung des Mindestlohns, Ablehnung der Liberalisierung des Strom/Gasmarktes usw.

    Ich könnte gut auf die Frau verzichten.

    MfG
    AKu

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Sie schreiben:

    "Ebenso die Rückenstärkung für Schäubles kranke Ideen, die Blockierung des Mindestlohns, Ablehnung der Liberalisierung des Strom/Gasmarktes usw."

    Ich vermute, Sie sind überzeugt, die Wahrheit zu besitzen oder gar zu sein.

    Sie schreiben:

    "Ebenso die Rückenstärkung für Schäubles kranke Ideen, die Blockierung des Mindestlohns, Ablehnung der Liberalisierung des Strom/Gasmarktes usw."

    Ich vermute, Sie sind überzeugt, die Wahrheit zu besitzen oder gar zu sein.

  6. Mit den richtigen Ohrringen schafft sie es schon noch auf den Aufkleber von "La vache qui rit".

  7. Ja bei der Frau vergeht einem sogar das Lachen. ;-) Willkommen in der Depression. Übrigens gibt es diverse Radiosendungen, die durchaus in der Lage sind, Frau Merkel zu parodieren. Aber wahrscheinlich wird hier kein Radio gehört.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Aber wahrscheinlich wird hier kein Radio gehört."

    Ich tippe bei einem Großteil der Schreiber hier auf passionierte Sat1-Enthusiasten.

    "Aber wahrscheinlich wird hier kein Radio gehört."

    Ich tippe bei einem Großteil der Schreiber hier auf passionierte Sat1-Enthusiasten.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service