Protektionismus Wie schützen wir den Wohlstand?Seite 3/3

Bei der Kabinettsklausur in Meseberg wird die Bundesregierung die Eckpfeiler eines Schutzwalls gegen unerwünschte Firmenkäufer beschließen. Dazu soll das Außenwirtschaftsgesetz ausgeweitet werden, das bisher nur für die Rüstungs- und die Verschlüsselungsbranche gilt. Künftig wären auch Telekommunikation, Energie und Logistik geschützt. Die Regierung will aber nicht alles abschotten, sondern im Einzelfall entscheiden, ob ihr ein Käufer genehm ist. »Kleine Lösung« heißt das regierungsintern. Bloß nicht den Eindruck erwecken, fremdes Geld sei unerwünscht. Die Exportnation Deutschland kann es sich nicht leisten, dass die Handelspartner ihrerseits mit einem Schutzwall reagieren.

Ob das wohl hilft? Manche Ökonomen sagen, dass man den Wohlstand in Zeiten der Globalisierung eigentlich ganz anders schützen sollte: durch eine bessere nationale Wirtschaftspolitik. Statt ums Abschotten und um internationale Verträge gehe es eher darum, das eigene Land konkurrenzfähig zu halten. Aus diesem Grund fordern die amerikanischen Forscher Kenneth Scheve und Matthew Slaughter einen »New Deal für die Globalisierung«: eine deutlich stärkere Umverteilung von Reich zu Arm, von den Gewinnern der Globalisierung zu ihren Verlierern. Eine vorausschauende Bildungspolitik etwa könnte den Menschen helfen, globalisierungsfeste Jobs zu finden oder im Ernstfall schnell umzuschulen. Technologieförderung und Industriepolitik würden Betriebe dabei unterstützen, sich auf vielversprechende Nischen der globalen Wirtschaft zu spezialisieren.

Anzeige

Tatsächlich ist eine Fülle vermeintlicher Globalisierungsprobleme – selbst die Gefahr durch vergiftete Zahnpasta und bleihaltiges Kinderspielzeug aus China – auf nationaler Ebene lösbar. Eine strengere Produktaufsicht muss her, und die Rechtsprechung muss drakonisch genug sein, um Importeure mangelhafter Produkte ausreichend abzuschrecken. In den Vereinigten Staaten zum Beispiel sind bereits die ersten Millionenklagen angelaufen, das wird seine Wirkung haben. Man könnte ein ganzes Heft mit Hausaufgaben der Globalisierung vollschreiben.

Und die bedrohlichen Staatsfonds? Jedem Land steht es frei, diese auf eigenem Boden streng zu beaufsichtigen und zu großer Transparenz zu verdonnern. Womöglich erledigen sich die Probleme eines Tages auch von selbst. Raghuram Rajan, der ehemalige Chefökonom des Internationalen Währungsfonds (IWF), kann sich vorstellen, dass diese Fonds auf Dauer aufgelöst oder privatwirtschaftlichen Managern übergeben werden. Das Management »durch eine intransparente Regierungseinheit«, so Rajan, sei bestimmt nicht die gewinnbringendste Methode der Geldverwaltung.

Überhaupt: Am Ende ist die Globalisierung meist gerecht. Der thüringische Unternehmer Gert Frank wettert zwar noch immer über seinen Reinfall mit den chinesischen Thermometern, aber viele chinesische Produzenten können es ihm heute nachfühlen. 80 Prozent aller gerichtlichen Auseinandersetzungen in China, bei denen es um Produktpiraterie geht, sollen inzwischen einheimische Fälle sein. Chinesen gegen Chinesen. Das macht Hoffnung, dass die Probleme in den nächsten Jahren ausgebügelt werden.

Mitarbeit: Heike Buchter, Anna Marohn, Petra Pinzler

 
Leser-Kommentare
  1. Wenn erstmal die Chinesen ihre Kampagne, die imperialistischen Kapitalisten mit deren eigenen Mitteln zu schlagen (statt die Dummheiten der Sowjets zu wiederholen), verschaerfen und all die auslaendischen Investitionen verstaatlichen oder die Technologie kurzerhand kopieren:

    Werden dann die Manager, die eifriges Outsourcing nach China zu der Weisheit letztem Schluss erklaert hatten, zur Rechenschaft gezogen werden? Wegen Landesverrats, oder Befoerderung der Industriespionage schlicht aus Dummheit?

    Vermutlich nicht. Sie werden immer noch glauben, Gewinne erzielt zu haben, wenn in Wahrheit alles verloren ist. Perlen deutscher Technologie vor die chinesische Sau. Und den Kater nach der Outsourcing-Party kriegt der (ehemalige) Arbeitnehmer...

  2. Warum exportieren wir nicht die Gewerkschaften nach China, statt staendig unsere Technologien auf dem Silbertablett darzureichen?

    Der einfache Chinese waere sicher froh ueber betriebliche Mitbestimmung etc., und vielleicht ein paar US-Dollar aus dem Staatsfonds. Ist doch Kommunismus in China, sollte doch jeder etwas davon abkriegen.

    • Akakor
    • 27.08.2007 um 17:30 Uhr

    NY und London haben sich längst reichlich bedient. Hat der Autor dieses Textes mal einen Blick auf die Eigentümerstruktur der deutschen Großunternehmen geworfen? Der Mittelstand wird oftmals von Private Equity-Häusern ausgepresst, die Infrastruktur ganzer Städte und Gemeinden an texanische Pensionsfonds verscherbelt. Auch unter zunächst umgekehrten Vorzeichen wurden Milliarden über den Atlantik transferiert, s. DaimlerChrysler. Die Phantasie kannte keine Grenzen. Die größte Holding der Welt, die Treuhand, wurde nach den Morden an Herrhausen und Rohwedder mit Bargeld obendrauf an den Geldadel der westlichen Siegermächte verscherbelt. Reparation einmal anders...

    Was sollen die Roten eigentlich noch kaufen? Wo war der Aufschrei in den letzten Jahren gen Themse, Seine und Hudson River?

  3. Jahrzehntelang haben arabische Staatsfonds und Königsfamilien große Anteile an deutschen Konzernen gehalten. Kein Problem in der öffentlichen Wahrnehmung. Jetzt überlegen Chinesen in Deutschland zu investieren und plötzlich müssen wir uns schützen. Bei vielen Politikern und Journalisten scheint ein untergründiges Gefühl der "Gelben Gefahr" zu bestehen. Diese Angst ist leider nicht nur an Stammtischen latent. Wer gegen Fremdenfeindlichkeit in Mügeln ist, sollte auch chinesische Investoren nicht per Definition zu Dieben erkläeren.

  4. Die Autoren scheinen am WESTLICHwahn zu leiden,
    die wichtigsten Handelspartner Chinas sind:
    USA, Japan, Hongkong, Südkorea, Taiwan, Deutschland,
    Singapur, d.h. zwei westliche und fünf östliche
    Länder.
    Wenn Japan ein ehemaliges Schwellenland ist, dann muß
    Deutschland als "ehemaliges Agrarland" bezeichnet werden.

    Peter333

  5. Der Wohlstand der Hartz-Enteigneten, den Wohlstand der gesunkenen Realeinkommen, den Wohlstand der Rentnerarmut, den Wohlstand der sozialhilfebedürftigen Kinder?

    Nachdem wir das Gros unserer Arbeitsplätze exportiert haben, können wir auch die Kapitaleigner ins Ausland schicken. Huch, da leben sie ja schon! In Spanien, in Florida, in Südafrika, in ...

    Tut mir leid, aber das richtige Solidaritätsgefühl will sich bei mir nicht einstellen. Dazu sehe ich zuviele geschlossene Geschäfte in der Nachbarstadt, zu viele "Zu-Verkaufen"-Schilder im eigenen Dorf, zu schlechte Straßen im Landkreis, ...

  6. Jahrzehntelang wurde der sogenannten Dritten Welt gepredigt, dass freier Handel und offene Grenzen für Güter und Kapital - ganz enstprechend der neo-klassischen ökonomischen Lehre - der richtige Weg zu Wohlstand sind und allen Beteiligten nutzen. Das hieß im allgemeinen, dass westliche Firmen in Entwicklungs- und Schwellenländern investierten und dort Profite gemacht haben. Kaum holen einige Schwellenländer wirtschaftlich auf und fangen umgekehrt an, bei uns zu investieren, geht ein großer Aufschrei durch das Land und es wird der Ausverkauf des deutschen Wohlstands berklagt. In der aktuellen Debatte geht es leider selten um wirkliche Argumente, sondern schlicht um ein weit verbreitetes Gefühl der Bedrohung durch ausländische Konkurrenz. Dieses Gefühl ist sicher ernst zu nehmen und hat damit zu tun, dass Kosten und Nutzen der Globalisierung ungleich verteilt sind. Die Art in der die Debatte geführt wird, geht aber selten darauf ein, was vermeintliche und was tatsächliche Bedrohungen sein könnten und welche Lösungen zur Verfügung stehen. Es ist sehr platt, China für die wachsenden Ungleichheiten in Deutschalnd verantwortlich zu machen. Unser größtes Problem, die Arbeitslosigkeit in Ostdeutschalnd, hat wenig bis gar nichts mit China zu tun. Auch der vorliegende Artikel trägt relativ wenig zur Erhellung der Debatte bei.

  7. Die reichen Länder sourcen out, bis sie die ärmeren Länder sind.

    Achso...Globalisierung...freie Märkte.

    Was wir der 3. Welt natürlich nicht gesagt haben. Freie Weltwirtschaft nur für die 1. und 2. Welt um in der 3. Welt billig einzukaufen. Jetzt ist die 3. Welt - obwohl jahrhundertelang über den Tisch gezogen worden - denoch ein klein bisschen Aufgestiegen, stehen nun an der Schwelle zu Menschenwürdigen Leben, da schreien wir auf:
    Was bilden sich die Entwicklungsländer ein? Wir haben doch klar gemacht das wir nur bei denen (zu Dumpingpreisen) einkaufen und Ihnen unsere Produkte die wir aus ihren spottbilligen Rohstoffen dann zusammengezimmert haben dann zu überhöhten Preisen verkaufen. Das funktioniert nicht ewig. Was fehlt ist nun eine 4. Welt. Aber macht euch keine Sorgen...Hartz & Co. sind ja schon eifrig dabei sie in den Hinterhöfen der 1. +2. Welt zu schaffen.

    Dazu fällt mir dann noch ein...
    ...das Hartz sehr klebrig und selbst mit den besten Waschmittel nur sehr schwer wieder raus zu kriegen ist.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service