Medien Von den Simpsons lernenSeite 2/2

Wer ist eigentlich der/die Gute in Desperate Housewives, diesem Sozialdrama aus den Suburbs? Oder bei den Simpsons? Die Holzschnitt-Welt von Father Knows Best/Vati ist der Beste oder Superman gibt es in Amerika seit Jahrzehnten nicht mehr. Stattdessen räumen ER und 24 die Elogen ab. Wenn Monk, der Schmock als Schnüffler, nicht gerade den Fall knackt, sitzt er beim Therapeuten.

Was machen die Amerikaner richtig? Ganz einfach: Sie haben nicht nur die Kohle, sondern auch das Talent. Und Witz. Warum haben wir alle Ally McBeal geguckt? Weil da ein weiblicher Parzival durch Boston stakst, den Gral der Liebe nie findet, aber dabei ein Feuerwerk von absurdem, Ionesco-haftem Witz entzündet. Flach in dieser Serie ist allenfalls Allys Anatomie.

Ein Problem der deutschen Serien, wenn sie nicht in Klamauk oder Kitsch abrutschen, ist die Verwechslung von Qualität mit Tiefsinn. Und dann kommt das heraus, was Schawinski aus der Marktforschung über Blackout zitiert: „zu kompliziert, zu verworren, teilweise langatmig und kognitiv beanspruchend“. Um „kognitiv beansprucht“ zu werden, gehen wir in Shakespeare. Was ist denn falsch an Unterhaltung, wenn’s Harald Schmidt und nicht Stefan Raab ist?

Und was ist falsch daran, wenn der Junge das Mädchen doch noch kriegt, Ally den Fall gewinnt, Dr. House den Patienten rettet? Diese Geschichten erzählen wir uns seit Adam und Eva, der allerersten boy meets girl- Episode in der Serie Gott und die Welt, Archetypisches eben. Geschichten erzählen, das konnten die Deutschen einst, die Langs, die Lubitschs und die Wilders. Aber sie sind aus den bekannten Gründen von Berlin nach Hollywood gegangen.

Gutes Fernsehen, schlechtes Fernsehen: Die Debatte geht weiter. Diskutieren Sie mit unter www.zeit.de/qualitaetsfernsehen

 
Leser-Kommentare
  1. Ich stimme nicht mit der Analyse Josef Joffes überein, der meint die deutschen Serien trügen selbst Schuld an ihrem Misserfolg da sie Qualität mit Tiefsinn verwechselten. Die Tatsache, dass die meisten Zuschauer sich schon während des Vorspanns von "Blackout" verabschiedeten spricht gegen diese These. Auch der Verweis auf die "Sopranos", die in Amerika zurecht mit Preisen überhäuft wurden, ist in diesem Zusammenhang nicht gerade ein glückliches Beispiel. Die Serie ist schliesslich in Deutschland ähnlich übel abgeschmiert wie "Blackout". Ob das alleine am Sendeplatz lag wage ich zu bezweifeln. Ich glaube eher, dass sich viele Menschen auf der Suche nach anspruchsvolleren Formaten mittlerweile in Richtung DVD vom Fernsehen verabschiedet haben. Was bleibt einem auch anders übrig wenn die Sendungen entweder an unmöglichen Sendeplätzen versteckt, oder (wie im Falle der Sopranos) nach einer Weile gar nicht mehr gezeigt werden.

    • ruthb5
    • 25.08.2007 um 13:37 Uhr

    Josef Joffes Artikel spricht mir aus der Seele. Sicher ist es nicht nur das Geld, sondern auch das Talent, das bestimmte US-Serien erfolgreich macht.

    Warum nur ist deutsches "Qualitätsfernsehen" nur allzu oft gleichzusetzen mit pseudo-tiefsinnigen Dialogen, unnatürlich agierenden Figuren und langatmiger Handlung?

    In der Tat mangelt es hierzulande eindeutig an Talent - und zwar bei den TV-Drehbuchautoren und Regisseuren. Tragisch hierbei ist, daß es in Deutschland nicht an talentierten Schauspielern mangelt. Doch sind die Produktionen, in denen sie ihre Brötchen zu verdienen gezwungen sind, allzu oft zweitklassig.

    Dort wo in den USA (und anderen Ländern) Profis am Werk sind, mühen sich in Deutschland scheinbar nur Amateure ab.

    Blackout ist hierfür ein gutes Beispiel. Für eine deutsche Serie war sie tatsächlich sehr gut. Doch krankte auch sie an den typisch deutschen Schwächen. Schon nach dem 2. Teil war das Ende sonnenklar. Nach dem 3. Teil war definitiv alles gesagt. Den 4. Teil zu schauen, konnte ich mich schon nicht mehr durchringen.

    Als positives Gegenbeispiel seien hier die britischen Minette-Walters-Verfilmungen - z. B. "Das Eishaus" - genannt. Hier finden wir ebenfalls Sozialkritik, gebrochene, dreidimensionale Figuren, komplexe Handlungsstränge und einen spannenden Kriminalfall.

    Nur schaffen es britische TV-Macher, die Handlung stringent zu halten, ohne Tiefe zu opfern oder den Zuschauer zu verdummen.

    Vielleicht sollte man in Deutschland einfach die Finger von diesen TV-Formaten lassen. Hier haben wir offensichtlich nichts Innovatives zum bereits Vorhandenen beizutragen.

    Viel besser funktioniert es da beim Film. Hier erblicken wirklich von Zeit zu Zeit Meisterwerke das Licht der Welt, auf die man zu recht stolz sein kann. Bei Filmen wie "Der Untergang" oder "Das Leben der anderen" beschleicht einen nicht das Gefühl, dies alles schon einmal besser gesehen zu haben. Dort finden sich noch wahre Originalität und Tiefe, die fasziniert anstatt zu ermüden.

    Warum nicht besser in das investieren, was man wirklich beherrscht und dafür die Serien von denen kaufen, die etwas davon verstehen. Die Zuschauer werden es mit den so wichtigen Einschaltquoten danken.

    • Roysan
    • 25.08.2007 um 23:50 Uhr

    Ich möchte auch darauf hinweisen, dass viele der erfolgreichen und guten US Serien (Heros, Prison Break, etc.) durchaus gesehen werden und in vielen Fernsehforen hoch gelobt werden. Allerdings laden sich viele Interessierte die Folgen aus dem Netz, um sie sich unabhängig von der Fernsehausstrahlung und im Original anzusehen.
    Ich würde aber auch eher zu der Ansicht von Herrn Schawinski tendieren, dass viele der komplexeren Serien in Deutschland nicht so toll laufen, weil sich die breite Masse vor dem Fernseher doch eher abschalten will. Aber ich gebe zu die Meinung kommt so aus dem Bauch heraus und ich kann sie kaum mit Fakten untermauern.

    Da ich Fernsehn nicht mehr schaue, sitze ich ja womöglich wirklich einem Vorurteil auf.

    • struhr
    • 26.08.2007 um 0:15 Uhr

    Roger Silverstone: Anatomie der Massenmedien (Suhrkamp, Juni 2007)

    http://www.amazon.de/Anat...

    Es wird Sie freuen...

  2. Zwei Gründe warum gute Serien im Deutschen TV nicht laufen: Auf der einen Seite sind die US-Importe furchtbar synchronisiert - bestes (bzw. schlimmstes) Beispiel ist da "Dr. House", auf der anderen Seite spielen in neuen Deutschen Produktionen die - durchaus vorhandenen - guten Deutschen Schauspieler nicht. Ob das an den schlechten Drehbüchern und Konzepten liegt oder von einer (typisch Deutschen) Unterscheidung zwischen /ernstem/ Schauspiel und /billiger/ Unterhaltung herrührt mag ich nicht zu sagen.

    Abschließen würde mich interessieren wie Sie in dieser Debatte den ARD Tatort bewerten. Sicher handelt es sich nicht um ein typisches Serienformat und auch die Streuung zwischen den einzelnen Anstalten und Folgen ist gravierend, aber trotzdem sind hier - meiner Meinung nach - auch einige Perlen geschaffen worden.

  3. Wer nur die amerikanische Creme kennt, also die handvoll Spitzenserien, die es über den Atlantik auch in unser Programm schaffen, der kann wahrlich Josef Joffe glauben, dass die Amerikaner mit Ally, ER, Sopranos und Housewives einen (hochqualitativen) Erfolg nach dem anderen produzieren, aber dem ist bei weitem nicht so.

    Auf jeden Erfolg kommen 10 Misserfolge, von denen bei uns bloß nie jemand etwas hört, weil die niemals in die Vermarktung des synchronisierten Premiummarktes Deutschland gelangen. Solche Ladenhüter werden bestenfalls in ebenfalls englischsprachige Länder exportiert oder in Länder, wie die des ehemaligen Ostblocks, die sich mit Untertiteln oder gar Off-Sprechern zufrieden geben, und so nicht die teure und aufwendige Nachsynchronisierung benötigen, die für eine Vermarktung in Deutschland nötig ist.

    Vor zwei Tagen ist Anchorwoman bei Fox nach nur einer Sendung gescheitert (womöglich zurecht, ich hab's (noch) nicht gesehen). Jericho ist trotz höchster Qualität von CBS nach nur einer Season eingestellt worden, und hätte es nicht riesige Proteste von Fans gegeben wäre es dabei geblieben. Standoff ist nach einer Season eingestellt, obwohl auch diese Serie mit komplexen Charakteren aufwartete und den niveau suchenden Zuschauer bedienen konnte. Und Masters of Science Fiction, ein Format das für jede Folge kinoreife Literaturverfilmungen von Science Fiction Geschichten versprach, wurde von sechs Folgen der ersten Season auf vier verkürzt und eingestellt bevor die erste Folge zu Ende ausgestrahlt war.

    Das Scheitern von Blackout konnte jeder an deutschem Fernsehen interessierte mitverfolgen, doch das Scheitern unzähliger US-Serien bekommen wir hier gar nicht mit. Wenn wir hier glauben US-Serien seien besser als unsere deutschen Produktionen, dann nur weil wir hier nur noch das angeboten bekommen, was in den USA längst den Praxistest bestanden hat. Die fehlgeschlagenen Versuche gutes Programm zu machen bleiben für uns unsichtbar.

    Zu diesem Vorfilter kommt dann natürlich noch hinzu, dass es bei uns in Deutschland gerade einmal 4 oder 5 Kanäle sind, die deutsche Eigenproduktionen in Erstausstrahlung zeigen, sprich Produktionen in Auftrag geben. Und auch dies nur für einen kleinen Teil ihres Programmes. Zusammen vielleicht zehn oder zwanzig Stunden Sendezeit pro Woche. In den USA müssen dagegen 20 Kanäle mit neuen Produktionen versorgt werden und zwar jeder Kanal mit für sichmit 20 Stunden Premierenzeit, das heißt hier besteht ein Produktionsbedarf für 400 Stunden pro Woche gegen unsere deutschen 20, ganz klar, warum die US-TV-Industrie größere Brötchen backen kann. Und wenn in den 400 Stunden Neuproduktionen mal eine Pflaume ist, fällt das kaum auf, aber bei uns sind damit schon 5% der gesamten Produktionen in den Sand gesetzt!

    Also Nein, die amerikanischen Produktionen sind genauso dem Scheitern an der Quote ausgesetzt wie bei uns, ganz unabhängig von ihrem Qualitätniveau. Die können es nicht besser als wir in Deutschland, die machen nur viel mehr als wir. Und dadurch machen sie natürlich auch mehr Gehaltvolles aber eben auch mehr Mist.

    Aber auch bei uns kann sich Qualtität durchsetzen. Der Kriminaldauerdienst des ZDF zum Beispiel. Und mit Verlaub, der hätte auch von Privaten aufs Publikum losgelassen werden können.

    cu

    • mylli
    • 26.08.2007 um 4:07 Uhr

    grad hab ich einen ziemlich langen Kommentar beigefügt, und schon ist er verloren...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • mylli
    • 26.08.2007 um 4:21 Uhr

    der letzte deutsche Mehrteiler, der mich fassen konnte, war der Schattenmann, allein wegen Mario Adorf und dem schecklichen Ende,

    nachher konnte mich noch die unglaubliche Julia Stemberger (ich liebe sie!) in der blauen Banane begeistern, aber die Zerissenheit von Jack Bauer steht über allem. Spätestens seit Alias im deutschen Fernsehen gegen Charmed verloren hat, weiß ich, dass es sich nicht lohnt, auf Übersetzungen zu warten, Torrent sei dank...

    • mylli
    • 26.08.2007 um 4:21 Uhr

    der letzte deutsche Mehrteiler, der mich fassen konnte, war der Schattenmann, allein wegen Mario Adorf und dem schecklichen Ende,

    nachher konnte mich noch die unglaubliche Julia Stemberger (ich liebe sie!) in der blauen Banane begeistern, aber die Zerissenheit von Jack Bauer steht über allem. Spätestens seit Alias im deutschen Fernsehen gegen Charmed verloren hat, weiß ich, dass es sich nicht lohnt, auf Übersetzungen zu warten, Torrent sei dank...

    • mylli
    • 26.08.2007 um 4:21 Uhr

    der letzte deutsche Mehrteiler, der mich fassen konnte, war der Schattenmann, allein wegen Mario Adorf und dem schecklichen Ende,

    nachher konnte mich noch die unglaubliche Julia Stemberger (ich liebe sie!) in der blauen Banane begeistern, aber die Zerissenheit von Jack Bauer steht über allem. Spätestens seit Alias im deutschen Fernsehen gegen Charmed verloren hat, weiß ich, dass es sich nicht lohnt, auf Übersetzungen zu warten, Torrent sei dank...

    Antwort auf "verdammt"

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