Warum Frauen schöne Laptoptaschen brauchen
Früher legten sich Frauen beim Kauf eines Computers auch gleich einen Fachidioten ihres Vertrauens zu, den sie Tag und Nacht mit Fragen wie Was ist ein Desktop? quälen konnten. Heutzutage ist das Verhältnis einer Frau zu ihrem Laptop weniger distanziert. Ein W-Lan einzurichten oder die neue Skype-Version herunterzuladen sind kein Grund mehr, sich abhängig zu machen von nach altem Schweiß muffelnden Männern. Der Laptop ist zum Teil unseres Lebens geworden. Er soll immer bei uns sein, ist wichtiger als Fernsehen und Festnetz. Nur wenn es um den Transport geht, wissen wir nach wie vor keine Lösung.
Alles, was Frauen so mit sich herumtragen, ist ja in erster Linie Accessoire und wird nicht an seiner Funktionalität gemessen, sondern nach modischen Kriterien beurteilt. Wäre das nicht so, würden wir unsere Habe in Rucksäcke stopfen. Wie kann man also seinen Computer gut verstaut mit sich führen und dabei auch noch gut aussehen? Das ist nicht einfach. Es gibt drei Laptop-Taschen-Typen, zwischen denen man wählen muss, ob man nun möchte oder nicht.
Typ eins: Die Systemadministratoren-Tasche aus Nylon, die von jungen Männern, die in Kreativberufen arbeiten, gern bei eBay gekauft wird.
Sie ist funktional, aber unweiblich wie Moschus und so langweilig wie junge Männer, die in Kreativberufen arbeiten.
Typ zwei: die Business-Tasche aus schwarzem Leder mit vielen Fächern für Unterlagen. Sie ist geschaffen für Vorstände von Vertriebsgesellschaften und hat den Sexappeal eines Kongress-Hotels.
Bleibt nur noch Typ drei: die Luxus-Tasche. Es gibt sie von exquisiten Herstellern, sie wird aus exquisitem Material gefertigt und zu einem exquisiten Preis angeboten.
Theoretisch sind diese Taschen eine elegante Möglichkeit des Laptop-Transportes. Warum werden sie trotzdem so selten getragen?
Vermutlich, weil auch noch die schönste Computer-Tasche eine ähnliche Ausstrahlung hat wie ein Handyholder. Sie dient ihrem Zweck, doch eine Frau fühlt sich mit ihr kein Stück begehrenswerter. Wenn wir mit einer Tasche unterwegs sind, möchten wir ein kleines Mysterium dabeihaben, unser eigenes Reich, in das nur wir Einblick haben und niemand sonst.
Eine Tasche, der jeder ansieht, dass ihr Inhalt aus Kabeln, Festspeichern und Prozessoren besteht, wird nicht unser Freund.
Unsere Töchter werden das einmal lächerlich finden. Aber die werden ja auch in einer Welt leben, in der einfach alles aus Kabeln, Festspeichern und Prozessoren besteht.
Nächste Woche: Warum Messer nicht nur scharf sein sollen
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- Quelle DIE ZEIT Nr.35 vom 23.08.2007, S.M08
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