Da waren’s nur noch sieben. Am Wochenende ist eine weitere selbstständige Landesbank verschwunden: die sächsische. Ohne genaue Prüfung, aber mit einem Rückgaberecht ausgestattet, übernahm die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) ihre Leipziger Kollegin. Hals über Kopf. Nicht einmal der Preis steht fest. Solche Details sollen erst bis Ende des Jahres geklärt sein.

Schon jetzt ist aber klar, wie dominant die Rolle der LBBW im öffentlich-rechtlichen Bankenlager geworden ist. Ohne sie, die größte und solideste Landesbank, geht nichts mehr. Die Stuttgarter sind in den vergangenen fünf Jahren an ihren einstigen Rivalen BayernLB und der WestLB vorbeigezogen (Letztere strauchelt gerade wieder). Sie fühlen sich zuständig, wenn es Ideen voranzubringen gibt – oder Brände zu löschen. Vor einer Woche waren sie auch schon dabei, als Leipzig eine Kreditlinie über 17,5 Milliarden Euro brauchte.

Die Sachsen LB ist das erste deutsche Opfer der internationalen Finanzkrise, die zwei wesentliche Ursachen hat: die unverantwortliche Kreditvergabe in Amerika und das Aufkommen neumodischer Kreditinstrumente. Mit deren Hilfe wurde das Risiko aus US-Häuslebauer-Krediten weltweit verteilt. Bis im Juli die Stimmung kippte. Plötzlich scheuten die Anleger das Risiko, die Geldmärkte trockneten aus. Da geriet die SachsenLB ins Schlingern. Sie hatte im Verhältnis zu ihrer Bilanzsumme ein viel zu großes Rad mit den komplizierten Finanzinstrumenten gedreht. Diese heißen Eisen kauften die Banker mit wenig Eigenkapital, aber vielen fremden Krediten. Die Kredite laufen alle paar Monate ab, dann müssen sie durch neue ersetzt werden. Das klappte mit einem Mal nicht mehr. Bei der SachsenLB hatte man nicht gewusst, dass die hohe Liquidität der vergangenen Jahre keine Selbstverständlichkeit war. Geliehenes Geld gab es nicht mehr einfach so, für spekulative Finanzinstrumente schon gar nicht, und das unabhängig von der Frage, wie viel das von der SachsenLB eingekaufte Hypothekenportfolio wert war.

Die Entscheidung der sächsischen Landesregierung für den Notverkauf wurde am Wochenende durch einen »überraschenden Verlust« besiegelt. Aus ungeklärten Gründen musste ein Kreditportfolio erster Qualität verkauft werden, und dabei ergab sich unterm Strich ein dickes Minus. Warum? Weil in der neuen Stimmung am Finanzmarkt niemand die Papiere zu den Einstandskursen kaufen wollte. Und natürlich hatte die SachsenLB einen Großteil des Pakets mit Schulden finanziert.

Die Schulden sind in voller Höhe zurückzuzahlen, also ging der Verlust aufs eingesetzte Eigenkapital. »Es ist wie bei einem Ponzi-Spiel«, sagte ein mit der Situation vertrauter Top-Banker. Ein Beispiel: Eine Bank kauft ein Portfolio im Wert von 100 Euro, legt dafür aber nur vier Euro Eigenkapital und 96 Euro Fremdkredite auf den Tisch. Verkauft sie die Anlagen mit einem winzigen Abschlag, nämlich für 98 statt für 100 Euro, dann hat sie einen ganz schön »überraschenden Verlust« von zwei Euro – die Hälfte ihres eingesetzten Eigenkapitals.