DIE ZEIT: Professor Weber, mit Riester- und Rürup-Renten sollen die Deutschen die Lücke schließen, die durch den Abbau der gesetzlichen Rente aufgerissen worden ist. Klappt das?

Martin Weber: Die Frage kann Ihnen niemand seriös beantworten. Wir wissen weder, wie viel bei der gesetzlichen Rentenversicherung in 30 Jahren herauskommt, noch kennen wir die Höhe der Verzinsung des angelegten Kapitals. Auf jeden Fall sollten diejenigen, die es sich leisten können, mehr sparen als nur den Basissatz der Riester-Rente.

ZEIT: Hat der Gesetzgeber die subventionierte Altersvorsorge klug konzipiert?

Weber: Mich stören die hohen Kosten der Produkte sowie das völlige Außerachtlassen wissenschaftlicher Erkenntnisse über optimale Portfolien.

ZEIT: Welche Erkenntnisse meinen Sie?

Weber: Nehmen Sie die Schweden. Dort hat eine Expertengruppe Vorschläge erarbeitet, wie das Vorsorgegeld optimal angelegt werden kann. Keine Zockerei, sondern eine vernünftige Beteiligung der Bürger am Produktivvermögen. Das Geld wird international breit gestreut in Aktien, Anleihen und Immobilien angelegt. In den reifen Märkten wird in günstige Indexfonds investiert. Dazu kommt noch eine Währungsabsicherung.

ZEIT: Wozu braucht man eine Währungsabsicherung?

Weber: Wenn man Geld international in Aktien anlegt, hat man weniger Risiko, als wenn man sich auf ein Land konzentriert. Doch die Wechselkursschwankungen machen diesen positiven Aspekt der Diversifikation oft zunichte. Deshalb ist die Währungsabsicherung sinnvoll. Damit schaltet man das Risiko des Devisenmarktes aus.

ZEIT: Ist das der »Ikea-Fonds«, den Sie neulich in einem Beitrag für das manager magazin gefordert haben?

Weber: Genau. Die Schweden haben einen solchen Fonds ohne Ausgabeaufschlag und zu jährlichen Gebühren in Höhe von 0,3 Prozent konzipiert. Das ist günstig.

ZEIT: Warum ist billig bei der Geldanlage so wichtig?

Weber: Gebühren von 1,5 Prozent pro Jahr hören sich nicht besonders schlimm an. Aber wenn Sie 30 Jahre lang diese Gebühren zahlen, bilden Sie zwischen einem Drittel bis zur Hälfte weniger Vermögen, als wenn Sie keine Gebühren berappen.

ZEIT: Haben Sie ein Beispiel?

Weber: Nehmen Sie an, Sie legen heute 100.000 Euro in einem internationalen Aktienfonds an. Bei einer durchschnittlichen Verzinsung von acht Prozent pro Jahr haben Sie nach dreißig Jahren ein Vermögen von etwas mehr als einer Million Euro. Wenn Sie – wie in Deutschland üblich – fünf Prozent Aufgabeaufschlag zahlen und 1,5 Prozent Managementgebühren, bekommen Sie am Ende etwas mehr als 600000 Euro raus.