Rettung der Ozonschicht In letzter MinuteSeite 5/5

»Nicht wir haben die Ozonschicht zerstört. Das habt ihr getan!«

Vor allem aber könnte der politische Prozess, der zum Vertrag von Montreal führte, ein Vorbild für eine Vereinbarung zum Klimaschutz werden. Wie damals, so übernehmen auch jetzt wieder die zuständigen Gremien der UN wissenschaftliche Expertise und Organisation.

Anzeige

Wegweisend war der Montreal-Prozess zudem mit einer weiteren politischen Entscheidung: Die reichen Nationen erklärten sich bereit, ihre historischen Schulden bezahlen zu wollen, indem sie den armen Ländern helfen. Ähnlich wie in der aktuellen Klimadebatte sträubten sich die Industriestaaten und ihre Wirtschaft zunächst gegen den Einsatz ihrer Technik in den Schwellenländern, ohne Lizenzgebühren zu kassieren. Rettung der Welt? Ja, gern, aber bitte als Geschäft für uns, so lautete vielerorts im Norden die heimliche Devise. Beim Treffen der Montreal-Vertragsstaaten in London 1990 kam es zum offenen Streit. Die Wortführerin der Schwellenländer, Indiens Außenministerin Maneka Gandhi, forderte nicht nur Geld, sondern auch die Technologien der entwickelten Länder, wenn sich Indien auf ein Auslaufen der eigenen FCKW-Produktion festlegen solle. »Nicht wir haben die Ozonschicht zerstört«, sagte die Politikerin, »das habt bereits ihr getan. Verlangt nicht von uns, dass wir dafür den Preis bezahlen.« Und sie fügte hinzu: »Wenn ihr weiterhin eure Patente so festhaltet, werdet ihr vielleicht keine Welt mehr haben, in der ihr Patente brauchen könnt.«

Zähneknirschend willigten die Industriestaaten schließlich ein und schufen den Multilateralen Fonds, aus dem die Anpassungsmaßnahmen der Schwellenländer bezahlt wurden. Über eine ähnliche Konstruktion debattieren die Unterhändler jetzt beim Klimaschutz – allerdings mit einem entscheidenden Unterschied. In den Multilateralen Fonds zur Rettung der Ozonschicht zahlten Industrieländer und große Unternehmen über zehn Jahre hinweg insgesamt etwa 1,5 Milliarden Dollar ein. Beim Klimaschutz wäre diese Summe höchstens ein bescheidender Anfang.

Der Autor ist Journalist und lebt in Paris

 
Leser-Kommentare
    • iDog
    • 16.09.2007 um 23:00 Uhr

    ein griff in die mottenkiste oder interessanter artikel ?
    jedem aufmerksamen beobachter, der auch schon in den 70igern und 80igern unterwegs war , sollte dieser krimi ja halbwegs gelaeufig sein.
    kann er uns mut machen in dieser neuen ausweglos scheinenden klimasituation schon wieder die welt retten zu muessen, oder zeigt er uns lediglich , dass wir seit dem letzten mal nichts dazu gelernt haben?
    mir gefaellt an sich der hoffnungsvolle tonus des artikels: was wir schon einmal geschaft haben schaffen wir auch noch einmal.
    allerdings haben sich einige sachverhalte seit der Montrealkonferenz drastisch verschoben.
    es wird von einem prozess gesprochen : " bei denen Umweltschützer, Staaten und Konzerne weltweit zu einer Einigung kommen müssen" ???
    ja was haben denn da die Konzerne zu suchen ?? die haben erwiesenermaßen einen grossen anteil an der verursachung des problems. aber muss ich mich mit jemandem einige , der auf kosten anderer lebensraum verseucht und unbrauchbar macht ?
    wenn eine einzelperson so etwas veranstaltet wird sie normalerweise aus dem verkehr gezogen oder zumindest verantwortlich gemacht fuer alle entstandenen schaeden. Grosse konzerne sind meist auch personen ( juristische) und werden in vielen bereichen wie solche behandelt - zumindest was die rechte angeht.
    ich denke mit konzernen sollte man sich in dieser hinsicht nicht einigen muessen - mit staaten und voelkern bestimmt ...
    absolut bemerkenswert zu diesem aspekt das zitat der indischen politikerin : "Wenn ihr weiterhin eure Patente so festhaltet, werdet ihr vielleicht keine Welt mehr haben, in der ihr Patente brauchen könnt".
    diesen satz sollte man umformen, damit die dringlichkeit des themas erkannt wird, zu: Wenn wir weiterhin unsere Patente so festhaltet, werden wir vielleicht keine Welt mehr haben, in der wir Patente brauchen können !
    jeder grosskonzern und jede corporation sollte diese Motto im briefkopf fuehren, jeder kleine shareholder sollte ihn sich auf den oberarm taetowieren lassen , und jeder unmuendige konsument sollte diesen satz als erstes auf jeder packungsbeilage lesen.
    vielleicht gelingt es uns dann loss zu lassen von unseren "patenten" ideen, unserem wahnsinn ueber die koepfe der naechsten generationen hinweg riesigen ethisch voellig skrupellosen konzernen die entscheidung ueber unsere vielleicht zukunft anzudienen.
    man stelle sich zuletzt folgendes vor: die uns alle rettende idee zu einer globalen einigung und zur loesung des problems ist mit einem patent belegt und wir koennen nicht bezahlen.
    das primat des ruecksichtslosen profits wird fallen muessen...

  1. Man sollte eigentlich erwarten, dass einem so von Erfolg strotzenden Artikel einige konkrete Zahlen als Beweis beigefügt seien. Die findet man aber nicht in dem ausführlichen Artikel, dagegen

    Die Ausführungen im Artikel :

    Von 1990 an wurde die Produktion von FCKW komplett verboten. Kurz darauf, Mitte der neunziger Jahre, erreichte das Ozonloch über der Antarktis seine größte Ausdehnung. Inzwischen schließt es sich langsam.“

    sind schlicht falsch.

    Zwanzig Jahre nach dem Montreal Protokoll ist das Ozon Loch größer denn je.

    Dazu

    Esperten aus Russland

    Russland. Ru

    Die Internetzeitung, vom 24. 9. 2003

    Experten aus Russland: Ozonloch wird immer größer

    ( MOSKAU ) Das so genannte Ozon-Loch über Antarktis nimmt nach Ansicht russischer Experten erneut Rekordausmaße an. „Das Ozon-Loch hat gegenwärtig eine Fläche von 28 Millionen Quadratkilometern, während Antarktis selbst eine Fläche von 14,1 Millionen Quadratkilometern einnimmt", teilte eine Mitarbeiterin des Russischen Komitees für Hydrologie, Meteorologie und Umweltkontrolle (Rosgidromet) am Dienstag in Moskau mit.

    Zuletzt sei ein Rekord im Jahr 2000 registriert worden, als das Ozon-Loch über Antarktis auf 28,5 Millionen Quadratkilometer gewachsen sei.

    In einem ZEIT Artikel sollte man doch bei der Wahrheit bleiben und nicht einseitig Behauptungen aufstellen, die so leicht widerlegt werden können.

    Bei dere Empfehlung, die Klimapolitik nach dem Muster der
    OZON Verringerung auszurichten, könnte man leicht auf den Gedanken kommen, dass diese Politik ähnlich erfolgreich sein könnte.

    Etwas gemeinsam haben jedoch beide Massnahmen: Die Sonne spielt angeblich weder beim Ozonloch noch bei den Veränderungen globaler Temperaturen eine Rolle.

  2. Am 26. September kommt eine Meldung, veröffentlicht durch „News@Nature“, über die Bildung von Ozon, deren Kampf zur angeblichen Verhinderung gerade 20 Jahre andauert, und die zeigt, dass es offenbar doch erhebliche Lücken im Verständnis der Entstehung des Ozon-Lochs gibt, bis hin, dass große Teile der wissenschaftlichen Erklärung falsch sind.

    Dazu Quirin Schirmeier, News@Nature, 26. September 2007

    Während die Welt 20 Jahre nach der Gründung des Montreal-Protokols zum Schutz der Ozon-Schicht feiert, hat „Nature“ aufgrund von Experimenten erfahren, die die etablierten Theorien der Ozon-Chemie erschüttern werden. Wenn die Daten korrekt sind, so werden die Wissenschaftler ihr Verständnis, wie das Ozon-Loch entstanden ist, überprüfen müssen, ebenso wie die Verbindung zum Klimawandel.

    Und Markus Rex :

    If the measurements are correct we can basically no longer say we understand how ozone holes come into being.
    --Markus Rex, News@Nature, 26 September 2007

    Our understanding of chloride chemistry has really been blown apart.
    --John Crowley, Max Planck Institute of Chemistry, 26 September 2007

    ---------------

    Berücksichtigt man diese Aussagen, dann sind die Ausführungen des Artikels weitgehend irrelevant. Es zeigt, dass die Kenntnisse über Ozon, aber auch über die globale Temperaturänderung, zumindest lückenhaft, wenn nicht sogar falsch sind.

    Dies wird von einer ganzen Reihe von Wissenschaftlern auch so behauptet.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Seite 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | Auf einer Seite lesen
  • Quelle DIE ZEIT, 06.09.2007 Nr. 37
  • Kommentare 3
  • Versenden E-Mail verschicken
  • Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
  • Artikel Drucken Druckversion | PDF
  • Schlagworte Technik | Natur | Klima | Klimaschutz | Ozonloch
  • Artikel-Tools präsentiert von:

Service