Aus Gründen, die ich nicht zu durchschauen vermag, spielt das Beleidigen der Gegnerin oder des Gegners beim Fußballsport eine größere Rolle als in allen anderen Sportarten. Ich sehe oft Sport im Fernsehen und habe noch nie beim Volleyball, beim Golfen oder beim Kraftsport auch nur die geringste Beleidigung gehört, beim Schwimmen geht es sowieso nicht, weil der Beleidiger oder die Beleidigerin Wasser in den Mund bekommen würde. Der Reitsport kommt deswegen nicht infrage, weil ein Pferd zu dumm ist, um Beleidigungen zu begreifen, insofern sind Pferde durch ihre Natur oder durch den Willen Gottes geschützt. Im Radsport äußern sich die meisten Sportlerinnen und Sportler neuerdings ohnehin nur noch durch ihren Anwalt.

Beim Fußball aber beleidigt das Publikum ununterbrochen die gegnerische Mannschaft und den Schiedsrichter oder die Schiedsrichterin, Spielerinnen und Spieler beleidigen sich gegenseitig. Beim Fußball ist sogar die Weltmeisterschaft durch Beleidigung entschieden worden, insofern, als der beste Spieler, Zidane, wegen Tätlichkeit vom Platz gestellt wurde, nachdem ein Italiener seine Schwester beleidigt hatte. Der taktische Sinn einer Beleidigung besteht oft darin, eine Tätlichkeit zu provozieren, dann haben die anderen einen Mann beziehungsweise eine Frau weniger.

Man kann sagen, dass Beleidigungen im Fußball ein spielentscheidender Faktor geworden sind. Deswegen nehme ich an, dass dies, wie jeder entscheidende Faktor, im Training geübt wird. Der Trainer beschimpft seine Spieler im Training so lange, bis sie abgehärtet sind und nicht mehr die Nerven verlieren. Er übt gezielt Beleidigungen ein, die das andere Team zu Tätlichkeiten anstiften. Vor dem Spiel wird man eine Namensliste der Spielerschwestern besorgen.

Neulich ist ein Spieler namens Asamoah, der eine dunkle Hautfarbe besitzt, von einem Torhüter beleidigt worden. Anlass der Beleidigung war die Tatsache, dass Asamoah ein Tor schießen wollte. Diesen in der Schlussphase eines wichtigen Matches eigentlich verständlichen Wunsch empfand der Torhüter, aus seiner Sicht, als Provokation. Mir fällt auf, dass Fußballerinnen und Fußballer die Tatsache, dass ihre Gegner Tore schießen möchten, immer als persönlichen Angriff verstehen.

Der Sport, den man noch am ehesten als persönlichen Angriff missverstehen kann, ist das Boxen. Beim Boxen wird vorab eine Pressekonferenz veranstaltet, auf der sich Sportlerinnen und Sportler gegenseitig beleidigen, beim Kampf selbst herrscht meist Ruhe.

Mit Interesse habe ich gelesen, dass es bei der Bestrafung von Beleidigungen durch die Fußballjustiz eine Art politische Quotenregelung gibt. Der Torwart hat zu dem Spieler Asamoah angeblich gesagt, er sei ein „schwules Schwein“. Er wurde für drei Spiele gesperrt. Wenn er „schwarzes Schwein“ gesagt hätte, wäre er, wie im Sportteil hervorgehoben wurde, für fünf Spiele gesperrt worden. „Schwarz“ und „schwul“ verhalten sich in der Sportjustiz ähnlich zueinander wie „schwerer Raub“ und „einfacher Raub“ im Strafrecht. Ich nehme infolge dieses leicht durchschaubaren Prinzips an, dass ein Torhüter, der Asamoah als „Schweizer Schwein“ bezeichnet, straffrei davonkommt. Als Schweizer fände ich das ungerecht.

Zusätzlich kompliziert wird die Lage durch Renate Schmidt, SPD, die gemeinsam mit anderen Sozialdemokratinnen die Frauenquote bei Sportsendungen fordert. Das Fernsehen soll zu 50 Prozent Frauenfußball übertragen. Beim Nachdenken über Beschimpfungen darf man folglich niemals den Frauenfußball vergessen.